Caryophyllen

Kurze Antwort

Beta-Caryophyllen (β-Caryophyllen, BCP) ist ein bizyklisches Sesquiterpen, das in vielen Gewürzpflanzen – vor allem schwarzem Pfeffer, Zimt, Nelken, Basilikum und Rosmarin – vorkommt und als einziges diätetisches Cannabinoid gilt, das selektiv an CB2-Cannabinoidrezeptoren bindet. Durch diese Bindung zeigt es in Tier- und Laborstudien entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften, ohne psychoaktiv zu wirken.

Beta-Caryophyllen auf einen Blick
Chemische Klasse Sesquiterpen (C₁₅H₂₄), bizyklisch
Reichhaltige Quellen Schwarzer Pfeffer, Zimt, Nelken, Basilikum, Rosmarin, Hopfen
Pharmakologisches Ziel CB2-Cannabinoidrezeptor (selektiver Agonist)
Ätherische Öle Nelkenöl, Kopaibaöl, Ylang-Ylang (bis 55 % BCP)
Tagesaufnahme (Schätzung) 10–200 mg/Tag über normaleErnährung
Psychoaktiv Nein – bindet nicht an CB1-Rezeptoren
Evidenz-Level Überwiegend präklinisch (Tier/Zelle); Humanstudien begrenzt

Schwarzer Pfeffer enthält 10–35 % BCP im ätherischen Öl – jedes Mal, wenn du Pfeffer mahlst, nimmst du Caryophyllen auf, ohne es zu wissen. In der Lebensmittelindustrie ist BCP ein zugelassenes Aromastoff-Additiv (GRAS – «Generally Recognized As Safe», FDA). Die pharmakologische Erforschung begann in den 1960er Jahren durch den Harvard-Chemiker E. J. Corey und intensivierte sich durch die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems.

Wirkmechanismus

Das Endocannabinoid-System (ECS) besteht aus CB1- und CB2-Rezeptoren, körpereigenen Liganden (Endocannabinoide) und abbauenden Enzymen. CB1-Rezeptoren sitzen hauptsächlich im Gehirn – ihre Aktivierung durch THC verursacht den Rauscheffekt. CB2-Rezeptoren sind vor allem peripher, in Immungewebe und Haut, lokalisiert.

BCP als CB2-Agonist

BCP bindet selektiv und vollständig an CB2-Rezeptoren. Da CB2 nicht im Gehirn dominiert, löst BCP keine psychoaktiven Effekte aus. Die CB2-Aktivierung hemmt pro-inflammatorische Zytokine und moduliert Immunreaktionen. Zusätzlich wirkt BCP auf PPAR-α, PPAR-γ und COX-2, was zum anti-inflammatorischen Profil beiträgt.

Beta-Caryophyllen – Rezeptor-Bindung im VergleichCB2-Rezeptorperipher, ImmungewebeBCP bindet ✓ (kein Rausch)CB1-RezeptorGehirn, ZNSBCP bindet NICHTCB2-Effekte (Tier/Labor)↓ Entzündungszytokine↓ Schmerzempfindlichkeit↑ β-Endorphin (Keratinozyten)Klinische Humanstudien: begrenzt – Ergebnisse noch nicht auf den Menschen übertragbar
BCP bindet selektiv an CB2-Rezeptoren (peripher), nicht an CB1 (Gehirn) – daher kein Rauscheffekt, aber mögliche entzündungshemmende Wirkung.

Forschungsstand: Was ist belegt?

Die überwiegende Mehrheit der BCP-Studien sind präklinische Experimente – Zellkulturen und Tierversuche. Humanstudien sind rar und oft klein.

Entzündungshemmung und Schmerz

In Tiermodellen hemmt BCP entzündliche und neuropathische Schmerzen wirksam. Bei Arthritis-Patienten (RA und OA) zeigte eine placebokontrollierte Studie aus 2020 bei topischer BCP-Anwendung Verbesserungen bei Schmerz und Entzündungsmarkern. Das ist eine der wenigen kontrollierten Humanstudien.

Magen-Darm

In einer placebokontrollierten Studie (BCP 126 mg/Tag) verbesserten sich Dyspepsie-Symptome bei Magengeschwür-Patienten durch Hemmung von Helicobacter pylori und Entzündungsmediatoren.

Leber und Niere (präklinisch)

Tiermodelle zeigen leberschützende Effekte bei Fettlebererkrankung (NAFLD) und alkoholinduzierter Leberschädigung sowie nierenschützende Effekte bei medikamentös induzierten Schäden. Humanbelege fehlen.

Nahrungsquellen und Exposition

BCP-reiche Lebensmittel und Materialien
Schwarzer Pfeffer 10–35 % im ätherischen Öl – grösste Alltagsquelle
Nelkenöl bis 20 % BCP – hochkonzentriert
Kopaibaöl bis 55 % BCP – höchster bekannter Gehalt
Zimt, Basilikum, Rosmarin moderate BCP-Gehalte
Hopfen BCP trägt zum würzigen Biercharakter bei

Bioverfügbarkeit und Einnahme

BCP ist stark lipophil (fettlöslich) und schlecht wasserlöslich. Das schränkt die orale Bioverfügbarkeit ein. Einnahme mit fetthaltigen Mahlzeiten oder in liposomaler Formulierung verbessert die Absorption. Inhalation (z. B. durch Aromatherapie) und topische Anwendung (BCP in Hautcremes) haben hohe Bioverfügbarkeit.

Häufige Fragen

Macht Beta-Caryophyllen high?

Nein. BCP bindet nicht an CB1-Rezeptoren, die für den psychoaktiven Effekt von THC verantwortlich sind. Du kannst so viel schwarzen Pfeffer essen wie du möchtest – ein Rauscheffekt ist ausgeschlossen.

Ist BCP dasselbe wie CBD?

Nein. CBD (Cannabidiol) ist ein Cannabinoid aus Cannabis. BCP ist ein Terpen, das in vielen Küchenpflanzen vorkommt und zufällig ebenfalls an Cannabinoidrezeptoren (CB2) bindet. Beide haben entzündungshemmende Eigenschaften, aber über unterschiedliche Mechanismen.

Wo kaufe ich BCP als Supplement?

BCP-Supplemente sind z. B. unter dem Handelsnamen «Rephyll» erhältlich. In der EU ist BCP als Aromastoff zugelassen, aber nicht als Nahrungsergänzungsmittel mit Health Claims. Prüfe die Qualität (Zertifizierung, Herkunft) beim Kauf.

Kann ich BCP topisch auf die Haut auftragen?

Ja. BCP in Hautpflegeprodukten oder verdünntem ätherischen Öl ist etabliert und zeigt in Studien entzündungshemmende Wirkung bei Hautentzündungen, Wunden und Schmerzstellen. Produkte mit Nelken- oder Kopaibaöl enthalten natürlicherweise viel BCP.

Hat BCP Wechselwirkungen mit Medikamenten?

BCP kann COX-2 und möglicherweise einige CYP-Enzyme beeinflussen. Bei hochdosierten Supplementen und gleichzeitiger Einnahme von Schmerzmedikamenten oder Antikoagulantien ärztlich besprechen.

Fazit

Beta-Caryophyllen ist eines der interessantesten Terpene in der aktuellen Naturstoffforschung – ein «diätetisches Cannabinoid», das du täglich über Gewürze aufnimmst. Die CB2-Aktivierung ohne Rauscheffekt macht es pharmakologisch einzigartig. Präklinische Studien sind überzeugend; klinische Humanstudien sind noch begrenzt und lassen keine starken Wirkaussagen zu. Topisch und über eine gewürzreiche Küche ist BCP für die meisten Menschen unbedenklich und eine geschmackvolle Bereicherung.

Quellen

  1. Gertsch J et al.: Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid. Proc Natl Acad Sci USA 2008;105(26):9099–9104.
  2. Basha RH, Sankaranarayanan C: β-Caryophyllene, a natural sesquiterpene, improves high-fat diet-induced insulin resistance in mice. J Biochem Mol Toxicol 2016;30(7):357–364.
  3. Maffei ME: Plant Natural Sources of the Endocannabinoid (EC) System Ligands, Cannabimimetic Compounds, and Their Role in Pain Modulation. Molecules 2020;25(17):3792.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.