Erythritol

Kurze Antwort

Erythritol (auch Erythrit) ist ein Zuckeralkohol (Polyol) mit der E-Nummer E968, der natürlich in Früchten und fermentierten Lebensmitteln vorkommt und praktisch keine Kalorien liefert. Er wird als Zuckerersatz eingesetzt und gilt als zahnfreundlich – es gibt dafür sogar einen EU-zugelassenen Health Claim.

Erythritol auf einen Blick
Chemische Klasse Zuckeralkohol (Polyol), 4-Kohlenstoff-Molekül; E968
Kaloriengehalt ~0,2 kcal/g (Zucker: 4 kcal/g)
Süssungskraft ~70 % von Haushaltszucker
Glykämischer Index 0 – wird nicht metabolisiert, renal ausgeschieden
Zahnfreundlichkeit Ja – EU-zugelassener Health Claim (VO 432/2012)
Verträglichkeit Deutlich besser als andere Polyole; bei >50 g/Tag GI-Beschwerden möglich
Zulassung CH/EU Zugelassener Lebensmittelzusatzstoff E968; frei im Handel erhältlich

Erythritol ist in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Zuckerersatzstoffe geworden – vor allem in kalorienreduzierten Lebensmitteln, Diabetiker-Produkten und der Low-Carb-Küche. Er sieht aus wie Zucker, löst sich ähnlich auf und hinterlässt sogar ein leichtes Kühlgefühl auf der Zunge. Was ihn von anderen Zuckeraustauschstoffen abhebt: Er wird vom Körper kaum verwertet und schont die Zähne nachweislich. Gleichzeitig gibt es neuere Forschungshinweise, die es wert sind, sachlich beleuchtet zu werden.

Herkunft und Herstellung

Erythritol wurde erstmals 1848 vom schottischen Chemiker John Stenhouse in Flechten isoliert. Natürlich kommt er in kleinen Mengen in Früchten wie Melonen, Birnen und Trauben vor – sowie in fermentiertem Bier und Wein. Kommerziell wird Erythritol heute durch Fermentation hergestellt: Glucose (aus Stärke gewonnen) wird mit Hefepilzen wie Yarrowia lipolytica fermentiert, die Erythritol als Stoffwechselprodukt ausscheiden. Das Endprodukt wird gereinigt und kristallisiert – das Ergebnis sieht aus wie feiner Haushaltszucker.

Unterschied zu anderen Polyolen

Polyole wie Xylit (Xylitol), Sorbit oder Maltit sind verwandt mit Erythritol, unterscheiden sich aber in einem entscheidenden Punkt: Die meisten werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen und gelangen in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien vergoren werden – das führt häufig zu Blähungen und Durchfall. Erythritol hingegen wird zu rund 90 % bereits im Dünndarm absorbiert und unverändert über die Nieren ausgeschieden. Der Grossteil gelangt gar nicht erst in den Dickdarm, was Erythritol deutlich besser verträglich macht als andere Polyole.

Nährwerte und Wirkung auf den Blutzucker

Erythritol vs. Haushaltszucker vs. Xylit (je 100 g)
Merkmal Erythritol Haushaltszucker Xylit
Kalorien ~20 kcal 400 kcal ~240 kcal
Süssungskraft ~70 % 100 % ~100 %
Glykämischer Index 0 65 7–13
Zahnfreundlich Ja (EU-Claim) Nein Ja (EU-Claim)
GI-Beschwerden Selten, bei sehr hohen Dosen Nein Häufiger

Da Erythritol nicht vom Stoffwechsel verwertet wird, hat er einen glykämischen Index von 0 – er erhöht weder Blutzucker noch Insulinspiegel. Das macht ihn theoretisch interessant für Menschen, die Kohlenhydrate einschränken oder an Diabetes leiden. Auch hier gilt: Die Einnahme im Rahmen einer Erkrankung sollte mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Der EU-zugelassene Health Claim

Anders als viele andere Nahrungsergänzungsmittel und Zuckerersatzstoffe hat Erythritol einen offiziell zugelassenen Health Claim in der EU: „Zuckeralkohole tragen zur Aufrechterhaltung der Zahnmineralisierung bei» (EU-Verordnung Nr. 432/2012). Dieser Claim gilt für Zuckeralkohole allgemein – also auch für Xylit, Sorbit und andere – und darf auf Lebensmitteln verwendet werden, die Erythritol als Süssungsmittel enthalten. Der Grund: Mundbakterien können Erythritol nicht zu Säuren vergären, die den Zahnschmelz angreifen. Kein Säureangriff bedeutet kein erhöhtes Kariesrisiko.

Kalorienvergleich je 100 g~20 kcalErythritol~240 kcalXylit400 kcalHaushaltszuckerErythritol liefert fast keine Kalorien im Vergleich
Erythritol hat mit rund 20 kcal pro 100 g einen deutlich geringeren Kaloriengehalt als Xylit (~240 kcal) und Haushaltszucker (400 kcal).

Anwendung in der Küche

Erythritol eignet sich gut als 1:1-Ersatz für Zucker – zumindest mengenmässig. Wegen der etwas geringeren Süssungskraft (~70 %) kann es sinnvoll sein, etwas mehr zu verwenden als Zucker. Ein bekanntes Merkmal ist das leichte Kühlgefühl beim Auflösen auf der Zunge, das manche als angenehm, andere als ungewohnt empfinden. Beim Backen karamellisiert Erythritol bei höheren Temperaturen als Zucker und kann nach dem Abkühlen Kristalle bilden (Rekristallisation) – bei Keksen oder Glasuren kann das die Textur beeinflussen. In Kombination mit Erythritol-toleranteren Süssungsmitteln wie Stevia oder Monk Fruit wird dieses Verhalten oft ausgeglichen.

Was sagt die aktuelle Forschung?

2023 sorgte eine Beobachtungsstudie von Witkowski et al. (veröffentlicht in Nature Medicine) für Aufmerksamkeit: Die Forscher fanden eine Assoziation zwischen erhöhten Erythritol-Plasmaspiegeln und einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Wichtig zu verstehen: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge aufzeigt, aber keine Kausalität belegt. Zudem ist unklar, ob erhöhte Erythritol-Spiegel durch die Einnahme von aussen oder durch körpereigene Produktion entstanden – denn der Körper stellt Erythritol selbst her, verstärkt bei metabolischem Stress. Die Studie hat aber zu Recht neue Forschungsfragen aufgeworfen. Wer grosse Mengen Erythritol täglich einnimmt, darf diese Hinweise einordnen – und im Zweifel mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen.

Häufige Fragen

Ist Erythritol wirklich kalorienfrei?

Nahezu. Erythritol liefert etwa 0,2 kcal pro Gramm – das ist so gering, dass er in vielen Ländern als „kalorienfrei» deklariert werden darf. Im Vergleich zu Zucker (4 kcal/g) ist der Unterschied enorm.

Kann ich Erythritol 1:1 statt Zucker verwenden?

Mengenmässig ja, aber wegen der etwas geringeren Süsskraft (~70 %) kann leicht mehr benötigt werden. Beim Backen kann es zu Rekristallisation kommen, was Textur und Konsistenz beeinflusst. Für Getränke und Desserts funktioniert der Austausch gut.

Verträgt man Erythritol gut?

Besser als die meisten anderen Zuckeralkohole. Da Erythritol zu ~90 % im Dünndarm absorbiert wird, entstehen seltener Blähungen oder Durchfall. Bei sehr hohen Mengen (über 50 g täglich) können aber auch bei Erythritol Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Darf ich Erythritol auch mit Diabetika-Diagnose essen?

Erythritol hat einen glykämischen Index von 0 und erhöht weder Blutzucker noch Insulinspiegel. Dennoch sollte die Verwendung im Rahmen einer Diabeteserkrankung immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.

Was steckt hinter der 2023-Studie zu Erythritol und Herzgesundheit?

Die Studie in Nature Medicine (Witkowski et al.) fand eine Assoziation zwischen hohen Erythritol-Blutspiegeln und kardiovaskulären Ereignissen. Es handelt sich aber um eine Beobachtungsstudie ohne Kausalitätsbeweis. Die Forschung läuft weiter – aktuell gibt es keinen Grund zur Panik, aber sehr hohe tägliche Mengen sollten mit Bedacht eingesetzt werden.

Ist Erythritol für die Zähne gut?

Ja. Mundbakterien können Erythritol nicht vergären und keine Säuren produzieren, die den Zahnschmelz angreifen. Dafür gibt es einen offiziell zugelassenen Health Claim in der EU (VO 432/2012).

Fazit

Erythritol ist einer der am besten verträglichen Zuckeraustauschstoffe: praktisch kalorienfrei, mit glykämischem Index 0, EU-zugelassen und mit einem echten Health Claim für Zahngesundheit. Er eignet sich für die Küche, für kalorienreduzierte Produkte und für Menschen, die Zucker reduzieren wollen. Die 2023-Beobachtungsstudie zu Herzgesundheit sollte man kennen und sachlich einordnen – sie liefert offene Forschungsfragen, keinen Beweis für Schädlichkeit. Bei sehr hohen täglichen Mengen oder bei bestehenden Erkrankungen lohnt sich das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Quellen

  1. Witkowski M, Nemet I, Alamri H et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nature Medicine, 2023. doi:10.1038/s41591-023-02223-9
  2. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Health Claims Register – EU VO (EG) Nr. 432/2012; Zuckeralkohole und Zahnmineralisierung; Stand 2024.
  3. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Süssungsmittel und Zuckeraustauschstoffe – Faktenblatt. Bern, 2024.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.