Teufelskralle

Kurze Antwort

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Heilpflanze aus der Kalahari-Wüste, deren Sekundärwurzeln traditionell bei Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt werden. Ihren Namen verdankt sie den kleinen hakenförmigen Fortsätzen ihrer Frucht. Der Wirkstoff Harpagosid wurde in Studien zu Gelenk- und Rückenbeschwerden untersucht – die Ergebnisse sind vielversprechend, aber nicht abschliessend.

Teufelskralle auf einen Blick
Botanischer Name Harpagophytum procumbens
Familie Sesamgewächse (Pedaliaceae)
Herkunft Kalahari, Namibia, südliches Afrika
Verwendeter Teil Sekundärwurzeln (Knollen)
Hauptwirkstoffe Iridoidglykoside: Harpagosid, Harpagid, Procumbid
Regulierung In DE/CH als Arzneimittel (Phytotherapeutikum) und als Nahrungsergänzung; Qualität variiert
Vorsicht Wechselwirkungen mit Warfarin und CYP-Enzymen; nicht in Schwangerschaft

Die Teufelskralle ist seit Jahrhunderten in der Volksmedizin des südlichen Afrikas verankert. Ende des 19. Jahrhunderts gelangte sie nach Europa, wo sie seither als Phytotherapeutikum bei Gelenkproblemen und Rückenschmerzen eingesetzt wird. In Deutschland ist sie als standardisiertes Extrakt zugelassen; in der Schweiz wird sie sowohl als Arzneimittel als auch als Nahrungsergänzungsmittel gehandelt.

Wirkstoffe und Pharmakologie

Der Hauptwirkstoff ist Harpagosid, ein Monoterpen-Glucosid aus der Gruppe der Iridoidglykoside. Die Sekundärwurzeln enthalten mit rund 1,4–2 % Harpagosid doppelt so viel wie die Hauptwurzel. In Zell- und Tierversuchen hemmte Harpagosid die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine. Ob diese Effekte beim Menschen klinisch relevant sind, ist noch nicht abschliessend belegt.

Studien zu Gelenk- und Rückenbeschwerden

Einige klinische Studien deuten auf eine mässige schmerzlindernde Wirkung bei Knie- und Hüftarthrose sowie bei Kreuzschmerzen hin. In einer Untersuchung mit 122 Arthrose-Patienten zeigte Teufelskrallenextrakt ähnliche Effekte wie das Medikament Diacerhein. Bei Kreuzschmerzen schienen täglich 50–100 mg standardisierter Extrakt besser zu wirken als keine Behandlung. Die Qualität dieser Studien ist aber eingeschränkt – grössere, methodisch robuste Untersuchungen fehlen weitgehend.

Teufelskralle – Inhaltsstoffe der SekundärwurzelHarpagosid1,4 – 2 % (Hauptwirkstoff)HarpagidIridoidglykosidProcumbidIridoidglykosidFlavonoideKaempferol, LuteolinPhytosteroleTriterpene, ZuckerQuelle: Harpagophytum-Monographie – Europäisches Arzneibuch und ESCOP
Harpagosid gilt als Leitsubstanz; standardisierte Extrakte sind auf diesen Wert normiert.

Anwendung und Dosierung

In Deutschland und der Schweiz sind Trockenextrakte mit definiertem Harpagosid-Gehalt erhältlich. Übliche Dosierungen in Studien lagen bei 600–2 500 mg Extrakt täglich (entspricht etwa 50–100 mg Harpagosid). Die Einnahme erfolgt üblicherweise über vier bis zwölf Wochen. Für eine Daueranwendung ist die Datenlage zu dünn.

Wechselwirkungen und Vorsichtsmassnahmen

Teufelskralle kann die Blutgerinnung beeinflussen. Wer blutverdünnende Medikamente wie Warfarin oder andere Antikoagulanzien nimmt, sollte die Kombination unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen – es sind Wechselwirkungen beschrieben. Auch CYP-Enzyme der Leber, die für den Abbau verschiedener Medikamente zuständig sind, können beeinflusst werden. In der Schwangerschaft sollte Teufelskralle nicht eingenommen werden, da uterusstimulierendeEffekte beschrieben sind. Bei Magengeschwüren und Gallensteinen ist Vorsicht geboten, da Bitterstoffe die Verdauungssäfte anregen.

Häufige Fragen

Wofür wird Teufelskralle typischerweise verwendet?

Hauptsächlich bei Beschwerden des Bewegungsapparats – Knie- und Hüftarthrose sowie Kreuzschmerzen. Einige Studien zeigen mässige schmerzlindernde Effekte; die Evidenz ist aber noch lückenhaft.

Wie lange dauert es, bis Teufelskralle wirkt?

In Studien wurden Effekte nach vier bis acht Wochen Anwendung beobachtet. Eine kurzfristige Einnahme über wenige Tage reicht wahrscheinlich nicht aus.

Kann ich Teufelskralle mit Schmerzmitteln kombinieren?

Grundsätzlich nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. Besonders bei Blutverdünnern und anderen Medikamenten, die über CYP-Enzyme abgebaut werden, sind Wechselwirkungen möglich.

Ist Teufelskralle in der Schwangerschaft sicher?

Nein. Die Anwendung in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Es gibt Hinweise auf uterusstimulierendeEigenschaften.

Wo kommt Teufelskralle her und warum heisst sie so?

Sie stammt aus der Kalahari-Wüste im südlichen Afrika. Den Namen verdankt sie den hakenförmigen Auswüchsen ihrer Frucht, die sich im Fell von Tieren verhaken – eine Ausbreitungsstrategie der Pflanze.

Fazit

Teufelskralle ist eine gut untersuchte Heilpflanze, die traditionell bei Gelenkbeschwerden und Rückenschmerzen eingesetzt wird. Klinische Studien liefern erste Hinweise auf Wirksamkeit, sind aber methodisch noch nicht überzeugend genug für klare Empfehlungen. Wer Teufelskralle als Ergänzung zu konventionellen Massnahmen nutzen möchte, sollte dies mit Arzt oder Apotheke absprechen – besonders bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenten.

Quellen

  1. ESCOP Monographie Harpagophytum procumbens – European Scientific Cooperative on Phytotherapy, 3. Aufl.
  2. Chrubasik et al.: Devil’s claw and low back pain, Rheumatology 2003;42(4).
  3. Lecomte A et al.: Harpagophytum bei Knie- und Hüftarthrose, vergleichende Studie, 2000.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.