Kratom

Kurze Antwort

Kratom (Mitragyna speciosa) ist ein Baum aus Südostasien, dessen Blätter die Alkaloide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin enthalten – Substanzen, die ähnlich wie Opioide auf das zentrale Nervensystem wirken. In der Schweiz und der EU gibt es keine Zulassung als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel; die Substanz steht wegen erheblicher Gesundheitsrisiken unter kritischer Beobachtung internationaler Behörden und ist in mehreren Ländern verboten.

Kratom auf einen Blick
Botanischer Name Mitragyna speciosa Korth.
Familie Rubiaceae (Rötegewächse)
Hauptalkaloide Mitragynin, 7-Hydroxymitragynin (opioidartig)
Rechtsstatus CH/EU kein zugelassenes Arzneimittel; Verkauf als NEM nicht legal; in DE/AU/SE verboten
Risiken Abhängigkeit, Entzugssyndrom, Leberschäden, Todesfälle (v. a. mit anderen Substanzen)
Behörden EU-EMCDDA: Monitoring; US-FDA: starke Warnung; WHO: Prüfung läuft

Kratom-Blätter werden in Teilen Südostasiens seit Jahrhunderten gekaut oder als Tee konsumiert – traditionell von Landarbeitern als Stimulans. Im globalen Markt der Nahrungsergänzungsmittel und im Internet werden Kratom-Pulver und -Kapseln heute weltweit verkauft, oft mit Wellness- oder Opioid-Ersatz-Versprechen. Diese Versprechen sind gefährlich: Kratom ist keine sichere Substanz, und die Risiken werden häufig unterschätzt. Dieser Beitrag informiert sachlich – er ist keine Empfehlung zur Einnahme.

Wie Kratom im Körper wirkt

Die Hauptalkaloide von Kratom binden an dieselben Opioidrezeptoren (µ, κ, δ) wie Morphin und andere Opioide. Bei niedrigen Dosen überwiegen stimulierende Effekte (erhöhte Wachheit, verringerte Müdigkeit), bei höheren Dosen sedative und schmerzlindernde Wirkungen. 7-Hydroxymitragynin ist dabei weit potenter als Mitragynin und trägt besonders zum Suchtpotenzial bei. Im Unterschied zu klassischen Opioiden sind die Auswirkungen dosisabhängig und schwerer vorherzusagen, da die Zusammensetzung von Produkten erheblich schwankt.

Abhängigkeit und Entzug

Regelmässige Kratom-Einnahme führt zu körperlicher Abhängigkeit mit einem Entzugssyndrom, das Muskelschmerzen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Übelkeit und Angst umfasst. Das klinische Bild ähnelt dem Opioid-Entzug. Berichte über Entzugssymptome nach Kratom-Konsum sind in der wissenschaftlichen Literatur gut dokumentiert.

Risiken und Sicherheitsbedenken

  • Leberschäden: Mehrere Fallberichte und Studien belegen drug-induced liver injury (DILI) durch Kratom; in einigen Fällen mit Transplantationsbedarf.
  • Todesfälle: Die US-amerikanische FDA verweist auf Dutzende Todesfälle im Zusammenhang mit Kratom-Konsum, meist in Kombination mit anderen Substanzen.
  • Psychiatrische Wirkungen: Psychosen, Halluzinationen und Verwirrtheit wurden berichtet.
  • Interaktionen: Kratom hemmt CYP-Enzyme der Leber und kann die Wirkung zahlreicher Medikamente verstärken oder abschwächen.
  • Kontaminationen: Kratom-Produkte sind wiederholt mit Schwermetallen und Salmonellen kontaminiert gefunden worden.

Rechtliche Lage in der Schweiz und Europa

In der Schweiz ist Kratom nicht als Arzneimittel zugelassen (Swissmedic-Register) und darf als Nahrungsergänzungsmittel nicht in Verkehr gebracht werden. In Deutschland, Schweden, Australien und weiteren Ländern ist Kratom als Betäubungsmittel oder gefährliche Substanz verboten. Die EU-Drogenbeobachtungsstelle EMCDDA beobachtet die Substanz im Rahmen des Frühwarnsystems. Die WHO hat eine kritische Überprüfung eingeleitet.

Kratom: Risikoprofil (Zusammenfassung)Abhängigkeitspotenzialhoch (opioidartig)Lebertoxizitätbelegt (Fallberichte/Studien)Interaktionen mit Medikamentenerheblich (CYP-Hemmung)Todesfälle (mit anderen Substanzen)dokumentiert (FDA)Rechtsstatus EU/CHkeine Zulassung; teils verbotenQuellen: US-FDA 2023, EMCDDA 2022, WHO Critical Review (laufend)
Kratom weist ein erhebliches Risikoprofil auf. Die Substanz ist in mehreren europäischen Ländern verboten; in der Schweiz ist sie nicht zugelassen.

Häufige Fragen

Ist Kratom in der Schweiz legal?

Kratom ist in der Schweiz nicht als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und darf nicht vermarktet werden. Besitz kann je nach kantonaler Auslegung strafrechtliche Konsequenzen haben. Die Rechtslage ist unklar und kann sich jederzeit ändern.

Kann Kratom als Opioid-Ersatz dienen?

Das Konzept klingt verlockend, ist aber gefährlich: Kratom selbst bindet an Opioidrezeptoren und erzeugt Abhängigkeit. Es ist kein zugelassenes Entzugsmittel, und sein Einsatz als Opioid-Ersatz ohne medizinische Aufsicht kann zu schweren Komplikationen führen.

Wie gefährlich ist Kratom?

Das Risikoprofil ist erheblich: Abhängigkeit, Leberschäden und Todesfälle (meist in Kombination mit anderen Substanzen) sind dokumentiert. Die variable Zusammensetzung von Kratom-Produkten macht eine sichere Dosierung nahezu unmöglich.

Wie unterscheidet sich Kratom von Koffein?

Koffein blockiert Adenosin-Rezeptoren und gilt als sicher. Kratom hingegen aktiviert Opioidrezeptoren – ein grundlegend anderes und weit gefährlicheres Wirkprinzip, das mit Sucht und körperlicher Abhängigkeit verbunden ist.

Wo kann ich Hilfe bei Kratom-Abhängigkeit bekommen?

In der Schweiz bieten die kantonalen Suchtberatungsstellen (z. B. Sucht Schweiz, Infodrog) Beratung an. Kratom-Entzug sollte unter medizinischer Begleitung stattfinden, da das Entzugssyndrom dem Opioid-Entzug ähneln kann.

Fazit

Kratom ist keine harmlose Pflanze, kein Superfood und kein sicheres Nahrungsergänzungsmittel. Die opioidartige Wirkung, das Abhängigkeitspotenzial, die dokumentierten Leberschäden und Todesfälle sowie die fehlende Zulassung in der Schweiz und der EU sprechen klar gegen eine Einnahme. Wer Kratom bereits konsumiert, sollte ärztliche Beratung suchen.

Quellen

  1. US-FDA – 5 Reasons to Avoid Kratom (2023) – fda.gov.
  2. EMCDDA – Kratom Drug Profile (Europäische Drogenbeobachtungsstelle, 2022).
  3. Swissmedic – Heilmittelregister: keine Zulassung für Kratom-Präparate (Stand 2026).

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.