Carrageen (Carrageenan) ist ein natürliches Polysaccharid, das aus verschiedenen Rotalgenarten – vor allem Chondrus crispus (Irisches Moos) – gewonnen und als Lebensmittelzusatzstoff (E 407) zum Gelieren, Verdicken und Stabilisieren von Lebensmitteln verwendet wird. Als pflanzliche Alternative zu Gelatine ist es für Veganer und Vegetarier geeignet.
| Ursprung | Rotalgen, v. a. Chondrus crispus (Irisches Moos), Kappaphycus alvarezii, Eucheuma spp. |
|---|---|
| Typ | Polysaccharid (Galaktose-Polymer mit Sulfatgruppen) |
| EU-Zusatzstoffnummer | E 407 (Carrageen), E 407a (verarbeitete Eucheuma-Alge) |
| Haupttypen | Kappa-, Iota- und Lambda-Carrageen (je nach Gelierverhalten) |
| Einsatz | Speiseeis, Milchprodukte, Fleischerzeugnisse, Pflanzenmilch, Säuglingsnahrung |
| Vegan | ja – pflanzliche Alternative zu Gelatine |
Der Name Carrageen stammt von „Carraigín», dem irischen Wort für „kleiner Felsen». Die Alge Chondrus crispus wächst entlang der felsigen Atlantikküsten Irlands, Grossbritanniens, Kanadas und der USA – und wird dort seit Jahrhunderten genutzt. Heute ist das meiste Carrageen im Handel ein Industrieprodukt aus gezüchteten Pazifik-Algen der Gattung Eucheuma oder Kappaphycus.
Geschichte und Herkunft
In Irland wurde Carrageen traditionell mit Milch gekocht, zu Pudding (Blancmange) verarbeitet oder als Tonikum getrunken. Während der Grossen Hungersnot im 19. Jahrhundert war Irisches Moos eine wichtige Nahrungsquelle. Als nach dem Zweiten Weltkrieg Agar (aus Ostasien) knapp wurde, stieg Carrageen zum wichtigen Lebensmittelzusatzstoff auf.
Moderne Produktion
Heute stammt Carrageen vor allem aus kontrollierten Algenzuchten auf den Philippinen, in Indonesien und auf anderen pazifischen Inseln. Die Algen werden in heissem, leicht alkalischem Wasser extrahiert, dann gefiltert, getrocknet und zu Pulver gemahlen.
Die drei Haupttypen
- Kappa-Carrageen: bildet in Gegenwart von Kaliumionen starke, starre Gele; hauptsächlich aus Kappaphycus alvarezii.
- Iota-Carrageen: bildet weiche, elastische Gele mit Calciumionen; aus Eucheuma denticulatum.
- Lambda-Carrageen: geliert nicht, verdünnt nur; wird zur Verdickung von Milchprodukten eingesetzt.
Verwendung in Lebensmitteln
Carrageen wird in zahlreichen alltäglichen Produkten eingesetzt:
- Speiseeis (verhindert Eiskristallbildung, verbessert Textur)
- Pflanzenmilch wie Mandel- und Sojamilch (Stabilisator gegen Entmischung)
- Schokoladenmilch, Joghurt, Desserts
- Aufschnitt und Fleischprodukte (Feuchthaltemittel)
- Säuglingsnahrung (Nährstoffstabilisator)
Sicherheit und Kontroverse
Carrageen (E 407) ist in der EU und den USA (GRAS-Status) als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Zu unterscheiden ist es von Poligeenan (abgebautem Carrageen), das durch Säurebehandlung entsteht und nicht als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen ist. Poligeenan wird in einigen Laborstudien mit entzündlichen Effekten in Verbindung gebracht – diese Befunde gelten aber nicht für lebensmittelgrades Carrageen. Wer Colitis ulcerosa hat oder auf Carrageen empfindlich reagiert, kann auf carrageenfreie Produkte ausweichen. Antihypertensiva-Einnahme: Vorsicht bei grossen Mengen, da ein blutdrucksenkender Effekt berichtet wurde.
Häufige Fragen
Ist Carrageen vegan?
Ja. Carrageen wird aus Algen gewonnen und ist eine pflanzliche Alternative zu Gelatine (die aus tierischen Knochen und Sehnen hergestellt wird). Es ist für vegane und vegetarische Lebensmittel geeignet.
Warum steht Carrageen im Verdacht, schädlich zu sein?
Einige Laborstudien mit Poligeenan (abgebautem Carrageen) haben entzündliche Effekte gezeigt. Poligeenan und Lebensmittelcarrageen (E 407) sind jedoch verschiedene Substanzen. Die JECFA der FAO/WHO hat Carrageen in Säuglingsnahrung bis 1 000 mg/l als unbedenklich bewertet.
Welche Produkte enthalten Carrageen?
Speiseeis, Pflanzenmilch, Schokoladenmilch, Joghurt, Frischkäse, Wurstwaren, viele Fertiggerichte und Säuglingsnahrung – immer auf der Zutatenliste als „Carrageen» oder „E 407″ erkennbar.
Kann ich Carrageen ersetzen?
Ja: Alternatives Verdickungsmittel sind Guarkernmehl, Xanthangummi, Agar-Agar oder Pektin – je nach Anwendung unterschiedlich geeignet.
Was ist Irisches Moos?
Irisches Moos ist der Volksname für Chondrus crispus, die Rotalge, aus der ursprünglich Carrageen gewonnen wurde. Heute kommt der Grossteil des Industrie-Carrageens aus Eucheuma-Algen aus dem Pazifik.
Fazit
Carrageen ist ein weit verbreiteter, pflanzlicher Lebensmittelzusatzstoff mit langer Tradition und gutem Sicherheitsprofil für den Lebensmitteleinsatz. Die Unterscheidung zwischen lebensmittelgradem Carrageen (E 407) und dem Laborstoff Poligeenan ist wichtig, wenn man wissenschaftliche Diskussionen zum Thema einordnen möchte. Wer das Mittel meiden möchte, findet auf Zutatenlisten leicht, ob es enthalten ist.
Quellen
- EFSA CONTAM Panel – Re-evaluation of carrageenan (E 407) and processed Eucheuma seaweed (E 407a) as food additives, EFSA Journal 2018.
- JECFA (FAO/WHO) – Monograph on Carrageenan, 2014 update.
- BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) – Carrageen als Lebensmittelzusatzstoff, Stellungnahme 2004.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
