Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das in zwei Hauptformen vorkommt: Vitamin K1 (Phyllochinon) aus grünem Blattgemüse und Vitamin K2 (Menachinon) aus fermentierten Lebensmitteln und tierischen Produkten. Es ist essenziell für die Blutgerinnung und die Knochengesundheit; der EU-Nährstoffbezugswert (NRV) liegt bei 75 µg täglich.
| Formen | K1 = Phyllochinon (Pflanzen); K2 = Menachinon (MK-4 bis MK-13, Tiere, Fermentation) |
|---|---|
| NRV (EU-Tagesbedarf) | 75 µg für Erwachsene (EU-Verordnung 1169/2011) |
| Besonderheit | wird schnell abgebaut; selbst bei hoher Zufuhr kaum toxisch |
| Wichtigste Quellen | K1: Grünkohl, Spinat, Brokkoli; K2: Natto, Käse, Fleisch, Eier |
| EU-Health-Claims | K trägt zur normalen Blutgerinnung und zur Erhaltung normaler Knochen bei |
| Kritische Wechselwirkung | Antikoagulantien (Warfarin): Vitamin-K-Zufuhr konstant halten |
Vitamin K ist im Körper nicht in grossen Mengen gespeichert – es wird rasch abgebaut und ausgeschieden. Deshalb ist eine regelmässige Zufuhr über die Ernährung wichtig. Grünes Blattgemüse deckt den Bedarf an K1 leicht; K2 liefern vor allem Natto (fermentierte Sojabohnen, bis 920 µg K2/100 g), Käse und Leber. Im Rechner kannst du sehen, wie viel eine bestimmte Menge vom Tagesbedarf abdeckt.
NRV-Rechner
Wie viel deckt eine Menge vom Tagesbedarf (Nährstoffbezugswert)? Nährstoff wählen, Menge einstellen.
Aufgaben von Vitamin K im Körper
Vitamin K ist für zwei Bereiche unverzichtbar, für die in der EU Health-Claims zugelassen sind:
- Blutgerinnung: Vitamin K aktiviert die Gerinnungsfaktoren II (Prothrombin), VII, IX und X sowie die gerinnungshemmenden Proteine C, S und Z. Ohne ausreichend Vitamin K kann das Blut bei Verletzungen nicht normal gerinnen.
- Knochengesundheit: Vitamin K aktiviert Osteocalcin (via Gamma-Glutamyl-Carboxylase), ein Protein, das für den Einbau von Kalzium in die Knochenmatrix notwendig ist. Niedriger Vitamin-K-Status wird mit verminderter Knochendichte in Verbindung gebracht.
K1 vs. K2 – die zwei Hauptformen
Vitamin K1 (Phyllochinon) wird schnell in der Leber metabolisiert und für die Blutgerinnung genutzt. Vitamin K2 – besonders MK-7 und MK-4 – bleibt länger im Blut und wird eher in Knochen und Blutgefässen verwertet. MK-7 aus Natto hat die längste Halbwertszeit aller Vitamin-K-Formen.
Vitamin-K-Mangel
Ein echter Mangel bei Erwachsenen ist selten; er tritt bei Erkrankungen mit Malabsorption (Morbus Crohn, Zöliakie, Mukoviszidose), Lebererkrankungen, Langzeiteinnahme bestimmter Antibiotika (Cephalosporine) oder sehr fettarmer Ernährung auf. Symptome: ungewöhnliche Blutungsneigung, verlängerte Gerinnungszeit, Hämatome.
Vitamin-K-Mangelblutung bei Neugeborenen (VKDB)
Neugeborene haben besonders niedrige Vitamin-K-Spiegel, da kaum K über die Plazenta transportiert wird und Muttermilch wenig K enthält. In der Schweiz und der EU wird deshalb nach der Geburt routinemässig eine Vitamin-K-Injektion verabreicht, um lebensbedrohliche Blutungen (z. B. Hirnblutungen) zu verhindern.
Wechselwirkungen
Warfarin (Coumadin) und andere Vitamin-K-Antagonisten hemmen die Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktor-Aktivierung. Bei Einnahme solcher Blutverdünner muss die Vitamin-K-Zufuhr konstant gehalten werden – plötzliche Änderungen in der Gemüsezufuhr können die Medikamentenwirkung unkontrolliert verändern. Weitere relevante Wechselwirkungen: Orlistat (Fettresorptionshemmung → K-Aufnahme vermindert), Gallensäuresequestratoren, manche Antibiotika (Cephalosporine), Antikonvulsiva (erhöhen K-Abbau).
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Vitamin K1 und K2?
K1 (Phyllochinon) steckt in grünem Gemüse und ist vor allem für die Blutgerinnung zuständig. K2 (Menachinon) kommt in fermentiertem Essen und tierischen Produkten vor, wird länger im Blut transportiert und unterstützt bevorzugt Knochen und Gefässe. MK-7 aus Natto hat die längste Halbwertszeit.
Kann man zu viel Vitamin K aufnehmen?
Vitamin K gilt als praktisch nicht toxisch – der Körper baut es schnell ab. Für Vitamin K ist kein tolerables Höchstzufuhrniveau (UL) festgelegt. Wichtig: Bei Einnahme von Warfarin kann eine plötzlich erhöhte K-Zufuhr die Medikamentenwirkung abschwächen.
Sollte ich Vitamin K2 zusätzlich zu K1 einnehmen?
Wer viel grünes Gemüse isst, deckt K1 problemlos. Ob eine zusätzliche K2-Supplementierung für Knochen und Gefässe sinnvoll ist, ist wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt. Bei Osteoporose-Risiko kann eine ärztliche Beratung sinnvoll sein.
Warum erhalten Neugeborene eine Vitamin-K-Spritze?
Neugeborene kommen mit sehr niedrigen Vitamin-K-Spiegeln zur Welt und können innerhalb der ersten Lebenswochen schwere Blutungen (VKDB) entwickeln. Die routinemässige Spritze verhindert das zuverlässig und ist sicher.
Welche Lebensmittel enthalten besonders viel K2?
Natto (japanische fermentierte Sojabohnen) liefert bis zu 1.103 µg K2/100 g. Hartkäse, Gänseleberpaste, Geflügel und Eier sind weitere gute Quellen. Die Werte variieren je nach Tierhaltung und Fütterung.
Fazit
Vitamin K ist ein stilles, aber unverzichtbares Vitamin. Für seine Rolle bei Blutgerinnung und Knochengesundheit sind EU-Health-Claims zugelassen. Bei normaler Ernährung mit viel grünem Gemüse ist ein Mangel selten. Wer Antikoagulantien einnimmt, muss die Vitamin-K-Zufuhr konstant halten. Neugeborene sollten routinemässig K prophylaktisch erhalten. Der NRV-Rechner zeigt, wie viel eine Portion zum Tagesbedarf beiträgt.
Quellen
- EU-Verordnung (EG) Nr. 1169/2011, Anhang XIII – Nährstoffbezugswerte (NRV).
- EU-Verordnung (EG) Nr. 432/2012 – zugelassene Health Claims für Vitamin K (Blutgerinnung, Knochen).
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Vitamin K.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
