Kava (Piper methysticum) ist eine Pfefferpflanze aus dem Pazifikraum, deren Wurzelextrakt traditionell als Zeremonialgetränk genutzt wird und deren Wirkstoff Kavalaktone schwerwiegende Leberschäden verursachen kann. In mehreren Ländern ist Kava als Nahrungsergänzungsmittel verboten oder stark eingeschränkt. In der Schweiz ist der Verkauf von Kava-Präparaten nicht zugelassen. Dieser Artikel informiert sachlich über Wirkung, Risiken und rechtliche Lage.
| Wissenschaftlicher Name | Piper methysticum G. Forst. |
|---|---|
| Herkunft | Polynesien, Melanesien, Mikronesien |
| Wirkstoffe | Kavalaktone (Kavain, Dihydrokavain u.a.) |
| Rechtslage CH | Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen |
| Verbote | Deutschland (2002), Schweiz, Kanada, Polen |
| Hauptrisiko | schwere Lebertoxizität, Leberversagen |
Kava wird im Pazifik seit Jahrhunderten für Zeremonien und soziale Rituale verwendet. Das Getränk wird aus der Wurzel von Piper methysticum zubereitet und hat eine beruhigende, angstlösende Wirkung. In den 1990er-Jahren wurde Kava als pflanzliches Entspannungsmittel auf westlichen Märkten eingeführt. In der Folge häuften sich jedoch Berichte über schwere Leberschäden, Lebertransplantationen und Todesfälle im Zusammenhang mit Kava-Präparaten. Dies führte zu Verkaufsverboten in mehreren Ländern.
Wirkprinzip und Kavalaktone
Die biologisch aktiven Bestandteile sind Kavalaktone, eine Gruppe von Styryl-Pyronenen. Sie wirken auf das zentrale Nervensystem, unter anderem über GABA-A-Rezeptoren, und erzeugen eine beruhigende und angstlösende Wirkung. Gleichzeitig sind einige Kavalaktone direkt hepatotoxisch und können Leberzellen schädigen. Besonders kritisch sind stark konzentrierte alkoholische oder acetonische Extrakte, die mehr Kavalaktone enthalten als das traditionelle Wasserextrakt.
Unterschied traditionelles vs. konzentriertes Präparat
Traditionell wird Kava als wässriges Extrakt getrunken, in Mengen, die kulturell reguliert sind. Kommerzielle Nahrungsergänzungsmittel enthalten konzentrierte Extrakte mit deutlich höheren Kavalakton-Dosen. Die WHO hat darauf hingewiesen, dass westliche Präparate unter anderen Bedingungen produziert und konsumiert werden als traditionelle Zubereitungen – was das Risikoprofil verändert.
Lebertoxizität: Fakten und Fälle
Bis 2002 wurden weltweit über 30 Fälle von schwerer Lebertoxizität im Zusammenhang mit Kava-Präparaten gemeldet, darunter Lebertransplantationen und Todesfälle. Die FDA erliess 2002 eine Sicherheitswarnung. Deutschland verbot Kava-Präparate mit Wirkstoffkonzentrationen, die über Lebensmittelzwecken hinausgehen. Die Schweiz, Kanada und Polen folgten mit ähnlichen Massnahmen. Eine spätere Überprüfung in Deutschland führte zu einer Teilrücknahme des Verbots für niedrig konzentrierte Produkte, die grundsätzliche Hepatotoxizitätsproblematik blieb aber anerkannt.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Kava darf nicht eingenommen werden von:
- Schwangeren und stillenden Frauen
- Kindern und Jugendlichen
- Personen mit Leber- oder Gallenerkrankungen
- Personen, die Alkohol konsumieren (synergistisch lebertoxisch)
- Personen, die Sedativa, Benzodiazepine oder andere lebertoxische Medikamente einnehmen
Die WHO empfiehlt, keine Präparate einzunehmen, die mehr als 250 mg Kavalaktone täglich enthalten, und die Einnahme auf höchstens 8 Wochen zu begrenzen – falls das Produkt überhaupt legal erhältlich ist.
Rechtslage in der Schweiz
Das Schweizerische Heilmittelinstitut (Swissmedic) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) haben Kava-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Produkte mit Kava-Extrakt, die in der Schweiz als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden, sind nicht verkehrsfähig. Wer ein solches Produkt importiert oder kauft, handelt auf eigene Verantwortung ausserhalb des regulären Markts.
Häufige Fragen
Ist Kava in der Schweiz legal?
Kava-Präparate sind in der Schweiz als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Eine Einnahme liegt ausserhalb des regulierten Marktes und auf eigene Verantwortung.
Wie schädlich ist Kava für die Leber?
Kava wurde mit schweren Lebererkrankungen, Lebertransplantationen und Todesfällen in Verbindung gebracht. Konzentrierte Extrakte sind deutlich risikoreicher als traditionelle Wasserextrakte.
Hat Kava wirklich eine beruhigende Wirkung?
Kavalaktone wirken auf GABA-A-Rezeptoren und haben in Studien anxiolytische Effekte gezeigt. Das Risikoprofil ist jedoch zu erheblich, als dass eine Empfehlung zur Einnahme gerechtfertigt wäre.
Darf man Kava mit Alkohol trinken?
Nein. Die Kombination von Kava mit Alkohol verstärkt die Lebertoxizität erheblich und wird von der WHO ausdrücklich abgeraten.
Was tun, wenn ich Kava eingenommen habe und Symptome bemerke?
Gelbsucht, dunkler Urin, Oberbauchschmerzen oder ausgeprägte Müdigkeit nach Kava-Konsum sind mögliche Zeichen einer Leberschädigung. In diesem Fall sofort ärztliche Hilfe aufsuchen und die Einnahme stoppen.
Fazit
Kava ist kein harmloses Nahrungsergänzungsmittel. Schwere Leberschäden bis hin zu Leberversagen sind dokumentiert. In der Schweiz sind Kava-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Die traditionsgebundene Zeremonialnutzung im Pazifik ist nicht direkt mit der Verwendung konzentrierter westlicher Präparate vergleichbar. Wer pflanzliche Mittel zur Entspannung sucht, sollte auf besser belegte und rechtlich zugelassene Alternativen zurückgreifen und bei Bedarf ärztlichen Rat einholen.
Quellen
- WHO (2007): Assessment of the Risk of Hepatotoxicity with Kava Products.
- BfR (2002): Risiken durch kavahaltige Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel – Bundesinstitut für Risikobewertung, Deutschland.
- Teschke R. et al. (2011): Kava hepatotoxicity: a clinical survey and critical analysis of 26 suspected cases. Eur J Gastroenterol Hepatol 20(12):1031–7.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
