Ornithin

Kurze Antwort

Ornithin (L-Ornithin) ist eine nicht-proteinogene Aminosäure – also kein Baustein von Körperproteinen –, die als zentrales Zwischenprodukt im Harnstoffzyklus Ammoniak in der Leber zu Harnstoff umwandelt und damit zur Entgiftung beiträgt. Der Körper kann Ornithin selbst aus Arginin herstellen; eine Supplementierung wird vor allem in der Sporternährung und bei bestimmten Lebererkrankungen diskutiert.

Ornithin auf einen Blick
Chemische Formel C₅H₁₂N₂O₂
Typ nicht-proteinogene Aminosäure; Zwischenprodukt im Harnstoffzyklus
Biosynthese aus L-Arginin (Arginase-Reaktion) oder aus Glutamat
Hauptfunktion Harnstoffzyklus (Ammoniak → Harnstoff); Vorstufe für Arginin, Prolin, Polyamine
Quellen Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte (geringe Mengen)
Supplement-Dosierung Studien: 2–6 g/Tag; bei >10 g GI-Beschwerden möglich; hochdosiert: Augenrisiko

Der Harnstoffzyklus – auch Ornithin-Zyklus genannt – läuft hauptsächlich in der Leber ab. Ornithin nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Es nimmt Ammoniak auf, wird dabei zu Citrullin und dann zu Arginin umgebaut, und am Ende entsteht Harnstoff – der sicher über die Nieren ausgeschieden werden kann. Ohne diesen Zyklus würde sich giftiges Ammoniak im Blut ansammeln.

Ornithin im Harnstoffzyklus

Der Ablauf in vereinfachter Form:

  • Ornithin + Carbamoylphosphat (enthält NH₃) → Citrullin
  • Citrullin + Aspartat → Argininosuccinat (zweiter N kommt von Aspartat)
  • Argininosuccinat → Arginin + Fumarat
  • ArgininOrnithin + Harnstoff (Arginase-Reaktion)

Ornithin ist also ein Katalysator: Es wird immer wieder regeneriert und ist im Zyklus nicht verbraucht – aber ausreichende Mengen müssen vorhanden sein.

Wechselwirkung mit Arginin

Arginin ist sowohl Endprodukt als auch direkte Vorstufe von Ornithin. In Geweben ausserhalb der Leber wird Ornithin auch zur Biosynthese von Arginin verwendet – wichtig für die Wundheilung und Immunfunktion.

Vorstufe für weitere wichtige Moleküle

Ornithin ist nicht nur im Harnstoffzyklus wichtig:

  • Arginin: Ornithin → CitrullinArginin (indirekt); Arginin ist Vorstufe für Stickstoffmonoxid (NO) und Kreatin.
  • Prolin: Ornithin kann zu Prolin (einem Bindegewebe-Aminosäure-Baustein) umgebaut werden.
  • Polyamine (Spermin, Spermidin): spielen eine Rolle bei Zellwachstum und Zellteilung.
Ornithin im Harnstoffzyklus (vereinfacht)Ornithin+NH₃ →Citrullin+ AspartatArgininArginase ↓HarnstoffOrnithin regeneriert
Ornithin wird im Harnstoffzyklus immer wieder regeneriert und fungiert als Katalysator zur Umwandlung von giftigem Ammoniak in ausscheidbaren Harnstoff.

Supplementierung: Was die Forschung zeigt

Ornithin wird in der Sporternährung und bei Fatiguesyndromen eingesetzt. Belegt ist die Bedeutung im Harnstoffzyklus. In klinischen Studien wurde L-Ornithin-L-Aspartat (LOLA) zur Unterstützung bei hepatischer Enzephalopathie (Leberkoma-Vorstufe) mit positiven Ergebnissen untersucht. Für gesunde Sportler ist die Evidenz schwächer.

Wichtige Sicherheitshinweise

  • Dosierung: Über 10 g/Tag erhöhen das Risiko für GI-Beschwerden (Durchfall, Magenprobleme).
  • Augenrisiko bei Dauerhochdosierung: Bei langfristiger hoher Einnahme (Blutspiegel dauerhaft über 600 µmol/l) wurden retinale Schäden (gyratische Atrophie) beschrieben. Kurzfristige Anwendung in normalen Dosen gilt als sicher.
  • Nicht verwechseln: L-Ornithin ≠ Ornithin-Alpha-Ketoglutarat (OKG) ≠ L-Ornithin-L-Aspartat – das sind verschiedene Verbindungen.

Häufige Fragen

Was macht Ornithin im Körper?

Ornithin ist das zentrale Zwischenprodukt im Harnstoffzyklus: Es nimmt Ammoniak auf und leitet den Prozess ein, durch den die Leber Ammoniak sicher in Harnstoff umwandelt. Ausserdem ist es Vorstufe für Arginin, Prolin und Polyamine.

Warum ist Ornithin keine proteinogene Aminosäure?

Weil kein genetischer Code (Codon) für den Einbau von Ornithin in Proteine existiert. Es wird nicht direkt beim Ribosomen-gesteuerten Proteinaufbau verwendet, sondern als Stoffwechsel-Zwischenprodukt.

Ist Ornithin für Sportlerinnen und Sportler sinnvoll?

Die Datenlage für Gesunde ist schwach. In der Theorie könnte mehr Ornithin über Arginin zu mehr Stickstoffmonoxid führen, aber klinisch überzeugende Effekte sind nicht klar belegt. Als Nahrungsergänzungsmittel ist L-Ornithin in normalen Dosen unbedenklich.

Welche Lebensmittel enthalten Ornithin?

Ornithin kommt in kleinen Mengen in proteinreichen Lebensmitteln vor: Fleisch (Rindfleisch, Hühnchen, Schwein), Fisch, Eier, Milchprodukte. Als freie Aminosäure ist es nur in Spuren vorhanden.

Kann Ornithin die Augen schädigen?

Bei sehr hohen Dauerblutspiegeln (über 600 µmol/l über mehrere Jahre, wie bei der Erbkrankheit Hyperornithinämie) wurden Netzhautschäden (gyratische Aderhautatrophie) beschrieben. Bei normaler Supplementierung sind solche Spiegel nicht zu erwarten. Bei langfristiger Einnahme hoher Dosen sollte trotzdem ein Arzt konsultiert werden.

Fazit

Ornithin ist ein faszinierendes Molekül im Schnittpunkt von Entgiftung, Aminosäure-Biosynthese und Zellstoffwechsel. Im klinischen Bereich (hepatische Enzephalopathie) gibt es gute Evidenz für L-Ornithin-L-Aspartat. Für Gesunde ist Ornithin aus der normalen Ernährung plus körpereigener Synthese ausreichend – wer supplementieren möchte, hält sich an moderaten Dosen und klärt Dauereinnahme mit einem Arzt.

Quellen

  1. Butterworth R.F. et al.: „L-Ornithine-L-Aspartate for the treatment of hepatic encephalopathy» – Metabolic Brain Disease, 2014.
  2. Bjerrum O.J., Iversen J.: „Retinal risks of high-dose ornithine supplements: a review» – British Journal of Nutrition, 2019.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Aminosäuren und Harnstoffzyklus (Grundlagenwissen Ernährungsmedizin).

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.