Krillöl

Kurze Antwort

Krillöl ist ein Omega-3-reiches Öl aus antarktischem Krill (Euphausia superba), einem kleinen Krebs aus dem Südpolarmeer, und unterscheidet sich von Fischöl vor allem durch die Phospholipid-Bindungsform seiner EPA- und DHA-Fettsäuren. Es enthält zudem Astaxanthin, ein rotes Carotinoid mit antioxidativen Eigenschaften. In der Schweiz und der EU ist Krillöl als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

Krillöl auf einen Blick
Quelle Antarktischer Krill (Euphausia superba)
Wichtigste Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure)
Bindungsform Phospholipide (vs. Triglyceride in Fischöl)
Besonderheit Astaxanthin (natürlicher Antioxidans; rote Farbe)
Allergen Krebstiere (Kennzeichnungspflicht nach EU VO 1169/2011)
Mögliche Wechselwirkung gerinnungshemmende Mittel (Warfarin, ASS)

Krillöl ist für viele der interessantere Bruder des Fischöls. Seine Omega-3-Fettsäuren liegen als Phospholipide vor – dieselbe Bindungsform, die auch in menschlichen Zellmembranen vorkommt. Ob das einen messbaren Vorteil in Bioverfügbarkeit bringt, ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Für Menschen mit Schalentierallergien ist Krillöl jedoch tabu.

EPA und DHA: Warum Omega-3 aus Meeresquellen?

EPA und DHA sind langkettige Omega-3-Fettsäuren. Der Körper kann sie zwar aus alpha-Linolensäure (ALA, in Pflanzen) selbst herstellen, aber nur in sehr kleiner Menge (~1–5 %). Meerestiere wie Krill und Fisch akkumulieren EPA und DHA, weil sie Mikroalgen fressen, die diese Fettsäuren direkt produzieren. Krillöl liefert EPA und DHA in Form von Phospholipiden, Fischöl als Triglyceride.

EU-zugelassene Gesundheitsaussagen für EPA und DHA

Die EU hat folgende Health Claims für EPA und DHA nach EU VO 432/2012 zugelassen:

  • DHA trägt zur Erhaltung normaler Gehirnfunktion bei.
  • DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
  • EPA und DHA tragen zur normalen Herzfunktion bei.

Diese Aussagen gelten für Omega-3-Quellen generell, also auch für Krillöl, sofern ausreichend EPA und DHA geliefert werden.

Krillöl vs. Fischöl im VergleichKrillölEPA/DHA als Phospholipide+ Astaxanthin (antioxidativ)– tieferer EPA/DHA-Gehalt/g– SchalentierallergenFischölEPA/DHA als Triglyceride+ höherer EPA/DHA-Gehalt/g+ günstiger– kein Astaxanthin
Beide Quellen liefern marine Omega-3-Fettsäuren – der Hauptunterschied liegt in der Bindungsform und dem Astaxanthin-Gehalt.

Astaxanthin – das rote Antioxidans aus Krill

Astaxanthin ist das Carotinoid, das Krill (und damit auch Lachs und Flamingos) ihre rötliche Farbe gibt. Es zählt zu den stärksten natürlichen Antioxidantien im Laborversuch. Ob diese Eigenschaft im menschlichen Körper identisch wirkt, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt; zugelassene Gesundheitsaussagen für Astaxanthin gibt es in der EU nicht.

Sicherheit und Hinweise

Wichtig für Allergiker: Krill ist ein Krebstier. Wer auf Garnelen, Krabben oder Langusten reagiert, muss Krillöl meiden. Dies ist ein deklarationspflichtiges Allergen nach EU VO 1169/2011.
Antikoagulanzien: Omega-3-Fettsäuren in hohen Dosen können die Blutgerinnung beeinflussen. Wer gerinnungshemmende Medikamente (Warfarin, ASS, neue orale Antikoagulanzien) einnimmt, muss ärztliche Rücksprache halten.

Häufige Fragen

Was ist besser – Krillöl oder Fischöl?

Beide liefern EPA und DHA. Krillöl enthält sie als Phospholipide und enthält Astaxanthin; Fischöl enthält mehr EPA/DHA pro Gramm und ist günstiger. Für die meisten Menschen mit ausgewogener Omega-3-Versorgung ist der Unterschied im Alltag gering.

Kann ich Krillöl einnehmen, wenn ich auf Meeresfrüchte allergisch bin?

Nein. Krill ist ein Krebs – Personen mit Schalentierallergie dürfen Krillöl nicht einnehmen. In diesem Fall ist Algenöl (pflanzliche EPA/DHA-Quelle) eine sichere Alternative.

Welche Omega-3-Dosierung ist sinnvoll?

Fachgesellschaften empfehlen für kardiovaskuläre Gesundheit oft 250–500 mg EPA+DHA täglich. Für therapeutische Zwecke werden höhere Dosen eingesetzt – immer ärztlich abgestimmt.

Hat Krillöl Nebenwirkungen?

Mögliche Nebenwirkungen: fischiger Nachgeschmack (milder als bei Fischöl), Magen-Darm-Beschwerden, Blutungsneigung bei hohen Dosen. Bei Schalentierallergie: allergische Reaktion möglich.

Ist Krillöl nachhaltig?

Krill bildet die Basis vieler mariner Nahrungsketten. Gut regulierte MSC-zertifizierte Krillölfischerei gilt als nachhaltig; bei der Produktwahl auf entsprechende Zertifizierungen achten.

Fazit

Krillöl ist eine hochwertige marine Omega-3-Quelle mit dem Zusatznutzen von Astaxanthin. Die EU-zugelassenen Health Claims für EPA und DHA gelten auch für Krillöl. Für Menschen mit Schalentierallergie ist es keine Option – Algenöl bietet dann eine pflanzliche Alternative. Wer Antikoagulanzien nimmt, bespricht die Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt.

Quellen

  1. EU-Verordnung 432/2012 – zugelassene Gesundheitsaussagen für DHA und EPA.
  2. Ulven SM, Holven KB – „Comparison of bioavailability of krill oil versus fish oil omega-3 fatty acids», Vascular Health and Risk Management, 2015.
  3. EU-Verordnung 1169/2011, Anhang II – Schalentiere als deklarationspflichtiges Allergen.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.