Allantoin ist ein weisses, geruchloses, wasserlösliches Pulver, das natürlich in der Beinwellwurzel (Symphytum officinale), Rosskastanie und weiteren Pflanzen vorkommt und in der Kosmetik als hautberuhigender, wundheilungsfördernder Wirkstoff eingesetzt wird. Es gilt als nicht reizend, gut verträglich und ist in einer Vielzahl von Hautpflegeprodukten – von Feuchtigkeitscremes bis Babypflege – enthalten. Für die industrielle Herstellung wird Allantoin heute hauptsächlich chemisch aus Harnsäure synthetisiert.
| Chemischer Name | (2,5-Dioxo-4-imidazolidinyl)harnstoff (INCI: Allantoin) |
|---|---|
| Natürliche Quellen | Beinwellwurzel, Rosskastanie, Weizensprossen, Zuckerrüben |
| Herstellung Industrie | Chemische Synthese aus Harnsäure (Glyoxylsäure) |
| Eigenschaften | Hautberuhigend, zellwachstumsfördernd, feuchtigkeitsspeichernd |
| Typische Konzentration | 0,1–2 % in Kosmetika |
| Verträglichkeit | Sehr gut; hypoallergen, nicht reizend |
Allantoin begegnet einem in langen Zutatenlisten von Feuchtigkeitscremes, Wundsalben, Rasiercremes, Sonnencremes und Babypflegeprodukten – oft weit hinten auf der Liste, aber mit wichtiger Funktion. Als beruhigender, heilungsunterstützender Wirkstoff ist es seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Dermatokosmetik. Die Studienlage ist für einen Kosmetikinhaltsstoff recht gut.
Herkunft und Geschichte
Allantoin wurde erstmals 1800 von dem Chemiker Luigi Brugnatelli isoliert – ursprünglich aus der Allantoisflüssigkeit von Föten (daher der Name). Die pflanzliche Quelle Beinwellwurzel war schon in der Volksmedizin bei Wunden und Knochenbrüchen bekannt; heute weiss man, dass Allantoin der entscheidende Wirkstoff dabei ist. Manche Naturkosmetikprodukte verwenden pflanzliche Extrakte als Quelle; die synthetische Version ist chemisch identisch und gilt ebenfalls als unbedenklich.
Warum Allantoin in so vielen Produkten steckt
Allantoin ist günstig, stabil, geruchsneutral und reagiert praktisch nicht mit anderen Inhaltsstoffen. Es ist in fast jeder Formel einsetzbar – saure pH-Werte reduzieren seine Löslichkeit leicht, aber in üblichen Kosmetikformulierungen ist das kein Problem. Das macht es zum idealen Zusatzwirkstoff in Seren, Cremes und Gelen.
Wirkungsweise
Allantoin wirkt auf mehreren Ebenen:
- Keratolytisch (mild): Es lockert verhorntes Gewebe und fördert so die Zellabschilferung – allerdings sehr sanft, nicht scharf wie AHA oder Salicylsäure.
- Zellproliferation: Es soll die Zellteilung und damit die Wundheilung und Geweberegeneration fördern.
- Feuchtigkeitsbindung: Als Humectant zieht es Wasser an und hält es in der Hornschicht.
- Beruhigend: Es lindert Irritationen und reduziert Juckreiz – beliebt in After-Sun- und After-Shave-Produkten.
Anwendungsbereiche in Produkten
- Feuchtigkeitscremes: Unterstützt die Feuchtigkeitsbindung und beruhigt trockene Haut.
- After-Sun: Klassischer Einsatz nach Sonnenexposition gegen Rötungen und Trockenheit.
- Wundsalben: In Kombination mit Panthenol oder Zinkoxid bei kleinen Wunden, Abschürfungen, Rasurbränden.
- Babypflege: Besonders geeignet dank exzellenter Verträglichkeit auch auf sensibler Babyhaut.
- Lippenpflege: Bei rissigen Lippen als regenerierender Zusatzstoff.
- Anti-Aging-Produkte: Zur Unterstützung der Zellregeneration und Feuchtigkeitsversorgung.
Sicherheit
Allantoin ist eines der bestuntersuchten kosmetischen Inhaltsstoffe und gilt laut Cosmetic Ingredient Review (CIR) sowie SCCS (EU Scientific Committee on Consumer Safety) als sicher in Konzentrationen bis 2 %. Es ist nicht reizend, nicht sensibilisierend, nicht komedogen und für alle Hauttypen geeignet – einschliesslich sensibler und Babyhaut. Allergien auf Allantoin sind sehr selten; Kreuzreaktionen mit Beinwell-Allergie sind theoretisch denkbar.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Allantoin aus Beinwell und synthetischem Allantoin?
Chemisch sind sie identisch – beide sind 2,5-Dioxo-4-imidazolidinyl-Harnstoff. Naturkosmetikmarken verwenden Beinwellextrakt als Quelle; konventionelle Produkte nutzen die kostengünstigere Synthese. Dermatologisch gibt es keinen Unterschied in der Wirkung.
Kann Allantoin mit Retinol oder AHA kombiniert werden?
Ja – Allantoin kann irritationsbedingte Nebenwirkungen von Retinol oder AHA/BHA mildern und wird deshalb bewusst in Formeln mit diesen Wirkstoffen eingesetzt.
Hilft Allantoin gegen Narben?
Es gibt Hinweise, dass Allantoin die Wundheilung und die Reifung von Narbengewebe unterstützt. Klinische Studien zu Narbenpflege sind jedoch begrenzt; Erwartungen sollten realistisch bleiben.
Ist Allantoin auch für Akne-Haut geeignet?
Ja – es ist nicht komedogen und beruhigt entzündliche Hautirritationen. Es hat aber keine direkten antibakteriellen oder keratolytischen Wirkungen auf dem Niveau von Azelainsäure oder Salicylsäure.
In welcher Konzentration wird Allantoin in Kosmetika eingesetzt?
Üblicherweise zwischen 0,1 und 2 %; die meisten Produkte liegen bei 0,2–0,5 %. Bereits geringe Konzentrationen zeigen Wirkung, da das Molekül sehr aktiv ist.
Fazit
Allantoin ist ein stiller Star der Dermatokosmetik – selten auf dem Etikett gross beworben, aber in unzähligen Produkten präsent und gut untersucht. Seine Stärken sind breite Verträglichkeit, vielseitige Wirkung und problemlose Kombinierbarkeit. Ob in der Babypflege, der After-Sun-Creme oder einem Anti-Aging-Serum: Allantoin gehört zu den Inhaltsstoffen, bei denen man sich auf die Scienz verlassen kann.
Quellen
- Cosmetic Ingredient Review (CIR) Expert Panel (2010): Safety Assessment of Allantoin and Its Related Complexes as Used in Cosmetics.
- SCCS/1090/14 – EU Scientific Committee on Consumer Safety: Opinion on Allantoin.
- EU-Verordnung 1223/2009 über kosmetische Mittel – Anforderungen an Inhaltsstoffe.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
