Weißdorn

Kurze Antwort

Weissdorn (Crataegus spp.) ist ein Rosengewächs, dessen Blätter, Blüten und Beeren seit dem Mittelalter als pflanzliches Herztonikum genutzt werden. Hauptwirkstoffe sind Flavonoide wie OPC, Hyperosid, Quercetin und Vitexin sowie Pektin. In Tier- und kleineren Humanstudien wurden Einflüsse auf Herzfunktion und Kreislauf beobachtet; die Evidenz ist für therapeutische Empfehlungen bislang nicht ausreichend.

Weissdorn auf einen Blick
Botanischer Name Crataegus monogyna, C. laevigata, C. oxyacantha
Familie Rosengewächse (Rosaceae)
Verwendete Teile Blüten, Blätter, Beeren (Früchte)
Hauptwirkstoffe OPC (oligomere Proanthocyanidine), Hyperosid, Quercetin, Vitexin, Rutin, Pektin
Traditionell Herztonikum, Blutdruck, Kreislauf
Vorsicht Wechselwirkungen mit Digoxin und Blutdruckmedikamenten möglich

Weissdorn gehört zu den ältesten Heilpflanzen Europas. Schon die alten Griechen und amerikanischen Ureinwohner nutzten ihn bei Herzproblemen. Im Mittelalter war er in der europäischen Klostermedizin fest verankert. Heute ist Weissdornextrakt in Deutschland als Phytotherapeutikum zugelassen – für Patienten mit Herzinsuffizienz im Frühstadium (NYHA II) gibt es ein standardisiertes Präparat.

Inhaltsstoffe und Wirkmechanismen

Die Wirkungen des Weissdorns werden vor allem seinen Flavonoiden zugeschrieben. OPC (oligomere Proanthocyanidine) wirken als Antioxidanzien und sollen die Kapillaren schützen. Hyperosid und Vitexin sind gut untersuchte Flavonoide mit gefässerweiternden Eigenschaften. Quercetin hemmt in vitro die Oxidation von LDL-Cholesterin. Das enthaltene Pektin (lösliche Ballaststoffe) kann im Darm Gallensäuren binden und so möglicherweise den Cholesterinspiegel beeinflussen. All diese Wirkungen sind jedoch vorwiegend aus Zell- und Tierversuchen bekannt.

Was sagen Humanstudien?

Kleinere klinische Studien deuten auf eine leichte Verbesserung der Herzleistung bei früher Herzinsuffizienz hin. Eine grosse Studie (SPICE-Trial, 2008) mit über 2 500 Patienten zeigte jedoch keinen signifikanten Unterschied zu Placebo. Bei Bluthochdruck und Cholesterin ist die Humanstudien-Lage noch dünner.

Weissdorn – wichtige Flavonoid-GruppenOPCAntioxidansHyperosidFlavonol-GlucosidVitexingefässerweiternd (vitro)QuercetinAntioxidans (vitro)Wirkungen stammen weitgehend aus Tier- und Zellversuchen; Humanstudien sind begrenzt
Standardisierte Weissdorn-Extrakte werden auf OPC und Vitexin-Gehalt eingestellt.

Anwendung

Weissdorn ist als Tee (aus Blüten und Blättern), als Tinktur und als standardisierter Trockenextrakt erhältlich. Für therapeutische Zwecke empfehlen Phytotherapeuten standardisierte Präparate (WS 1442 oder ähnliche), die auf Flavonoid-Gehalt normiert sind. Tee und Haushaltszubereitungen liefern weniger definierte Wirkstoffmengen. Eine Anwendungsdauer von mindestens sechs Wochen wird empfohlen, um erste Effekte beobachten zu können.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Weissdorn gilt in üblichen Dosierungen als gut verträglich. Wichtig zu wissen: Er kann die Wirkung von Digoxin (Herzglykosid) verstärken – eine Kombination ist nur unter ärztlicher Kontrolle sinnvoll. Auch Wechselwirkungen mit anderen Blutdruckmedikamenten sind möglich. Wer Herzprobleme hat, sollte Weissdorn nicht eigenständig als Ersatz für verordnete Medikamente einsetzen, sondern ärztlichen Rat einholen. In der Schwangerschaft ist die Datenlage unzureichend – besser meiden.

Häufige Fragen

Kann Weissdorn den Blutdruck senken?

Tierstudien und einzelne kleine Humanstudien liefern Hinweise. Belastbare Evidenz aus grossen kontrollierten Studien fehlt. Weissdorn sollte keine verordneten Blutdruckmedikamente ersetzen.

Hilft Weissdorn bei Herzproblemen?

In Deutschland ist ein standardisierter Extrakt für leichte Herzinsuffizienz (NYHA II) zugelassen. Die SPICE-Studie konnte jedoch keinen klaren Nutzen gegenüber Placebo nachweisen. Wer Herzprobleme hat, gehört in ärztliche Behandlung.

Welche Teile des Weissdorns werden verwendet?

Blüten, Blätter und Beeren. Phytotherapeutisch werden vor allem Blüten-Blatt-Extrakte eingesetzt; Beeren werden auch zu Tee verarbeitet.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Ja – vor allem mit Digoxin (Wirkungsverstärkung) und Blutdruckmitteln. Vor der Einnahme bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer ärztliche Beratung einholen.

Ist Weissdorn dasselbe wie Rotdorn?

Rotdorn ist ein Zierstrauch mit roten Blüten (meist Lavandin-Kreuzung). Für die Phytotherapie werden Crataegus monogyna und C. laevigata mit weissen Blüten verwendet.

Fazit

Weissdorn ist eine der am besten untersuchten Herzpflanzen der europäischen Phytotherapie. Seine Flavonoide zeigen interessante Eigenschaften in Labor und Tier. Für Menschen mit ernsten Herzerkrankungen ist er kein Ersatz für konventionelle Medizin – und die grossen Humanstudien sind gemischt. Als ergänzende Massnahme unter ärztlicher Begleitung kann er für leichte Beschwerden eine Option sein.

Quellen

  1. Pittler MH et al.: Hawthorn extract for treating chronic heart failure – Cochrane Review, 2008.
  2. Holubarsch CJF et al.: The efficacy and safety of Crataegus extract WS 1442 in patients with heart failure (SPICE trial), Eur J Heart Fail 2008.
  3. ESCOP Monographie Crataegi folium cum flore – 3. Aufl.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.