Methionin ist eine schwefelhaltige, essentielle Aminosäure, die als Ausgangsstoff für zahlreiche Methylierungsreaktionen im Körper dient und nicht vom Menschen selbst hergestellt werden kann. Aus Methionin entsteht SAM (S-Adenosylmethionin), die wichtigste Methylgruppendonor-Verbindung im Körper. Zudem ist Methionin Vorstufe von Cystein, Taurin und Glutathion. Besonders viel steckt in Fleisch, Fisch, Eiern und Sesam.
| Typ | essentielle, schwefelhaltige Aminosäure |
|---|---|
| Entdeckung | 1922 aus Casein isoliert |
| WHO-Richtwert | ca. 13–15 mg/kg Körpergewicht täglich (Methionin + Cystein) |
| Wichtigste Quellen | Rindfleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Sesam, Paranüsse, Hülsenfrüchte |
| Schlüsselmetabolit | S-Adenosylmethionin (SAM); Vorstufe von Cystein, Taurin, Glutathion |
| Methylierungszyklus | Methionin → SAM → Homocystein → (Remethylierung via B12/Folat) |
Methionin wurde 1922 von John Howard Mueller aus Casein (Milchprotein) isoliert und gehört zu den schwefelhaltigen Aminosäuren – erkennbar am leicht schwefligen Geruch von Methionin-Präparaten. Die Aminosäure steht am Anfang nahezu jeder Proteinkette: Das Start-Codon AUG der DNA codiert für Methionin, und jedes Protein beginnt mit ihm – selbst wenn es später wieder abgespalten wird.
Vorkommen und Nahrungsquellen
Methionin steckt in vielen Proteinquellen. Die reichhaltigsten sind:
- Tierisch: Hühnchen, Truthahn, Thunfisch, Lachs, Eier (besonders Eiweiss), Rindfleisch, Hartkäse.
- Pflanzlich: Paranüsse (aussergewöhnlich reichhaltig), Sesam (und Tahini), Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne.
- Hülsenfrüchte: Enthalten Methionin in bescheidenen Mengen – daher gilt Methionin in Hülsenfrüchten als limitierende Aminosäure, während Lysin in Getreide limitiert ist. Klassische Kombination: Reis + Bohnen.
Funktion im Körper
Methionin ist Ausgangsstoff für wichtige Verbindungen:
SAM – der Methylgruppendonor
Aus Methionin und ATP entsteht SAM (S-Adenosylmethionin). SAM ist die wichtigste Methylgruppendonor-Verbindung des Körpers – es überträgt Methylgruppen auf DNA, Neurotransmitter, Phospholipide und viele andere Moleküle. Methylierung reguliert u. a. die Genexpression und beeinflusst die Produktion von Serotonin und Dopamin.
Cystein und Glutathion
Methionin liefert (über Homocystein und Serin) den Schwefel für Cystein. Cystein ist seinerseits Vorstufe von Glutathion, dem wichtigsten körpereigenen Antioxidans. Ausreichend Methionin und ausreichend Vitamine B6, B12 und Folat sind nötig, damit dieser Weg reibungslos funktioniert.
Homocystein-Gleichgewicht
Beim SAM-Abbau entsteht Homocystein. Dieses muss entweder über Folat/B12 (Remethylierung) oder über B6 (Transsulfurierung) weiterverarbeitet werden. Erhöhte Homocysteinwerte im Blut gelten als Risikofaktor; sie entstehen bei Methionin-Überschuss ohne ausreichend B-Vitamine oder bei genetischen Varianten des Enzymstoffwechsels.
Methionin und vegane Ernährung
Methionin ist in rein pflanzlicher Ernährung die «knappste» Aminosäure in Hülsenfrüchten. Die Lösung: Getreidekombinationen (Sesam, Kürbiskerne, Paranüsse) oder Sojaprodukte regelmässig einbauen. Für gesunde Veganer ist ein echter Methioninmangel selten, solange die Gesamtproteinzufuhr ausreichend ist.
Häufige Fragen
Was ist SAM?
SAM steht für S-Adenosylmethionin – eine Verbindung, die der Körper aus Methionin und ATP bildet. SAM überträgt Methylgruppen auf DNA, Neurotransmitter und andere Moleküle. Es ist auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.
Kann zu viel Methionin schädlich sein?
Sehr hohe Mengen aus Supplementen können Homocysteinspiegel erhöhen, besonders bei B-Vitamin-Mangel. Über normale Lebensmittel ist eine Überversorgung kaum möglich. Ärztlichen Rat bei Nieren- oder Lebererkrankungen einholen.
Warum ist Methionin in Hülsenfrüchten limitierend?
Warum beginnt jedes Protein mit Methionin?
Das Start-Codon AUG codiert für Methionin. Jede Proteinbiosynthese beginnt daher an diesem Startpunkt. In vielen Proteinen wird das Start-Methionin anschliessend enzymatisch abgespalten.
Ist Methionin gut für die Haut?
Methionin ist Vorstufe von Cystein und Glutathion. Diese Verbindungen spielen eine Rolle in der Antioxidationsabwehr. EU-zugelassene Health Claims für Methionin bei Hautgesundheit gibt es nicht; allgemeine Proteinversorgung ist jedoch für normales Gewebewachstum nötig.
Fazit
Methionin ist eine essentielle, schwefelhaltige Aminosäure mit Schlüsselrolle im Methylierungsstoffwechsel. Über SAM beeinflusst es die Genregulation und Neurotransmittersynthese; als Vorstufe von Cystein und Glutathion trägt es zur körpereigenen Antioxidationsabwehr bei. Wer sich proteinreich und abwechslungsreich ernährt, deckt seinen Bedarf problemlos. B-Vitamine (B6, B12, Folat) sind wichtige Begleiter für eine reibungslose Methionin-Verwertung.
Quellen
- WHO/FAO/UNU: «Protein and Amino Acid Requirements in Human Nutrition», Technischer Bericht 935, 2007.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies – Scientific Opinion on Dietary Reference Values for Protein, 2012.
- Mudd S.H. et al.: «Methionine metabolism and human disease», Trends in Biochemical Sciences, 2001.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
