Threonin ist eine essentielle Aminosäure, die als letzte der zwanzig proteinogenen Aminosäuren identifiziert wurde und in den 1930er Jahren vom amerikanischen Biochemiker William Rose entdeckt wurde. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen; sie muss täglich über die Nahrung aufgenommen werden. Threonin ist wichtig für die Kollagen- und Elastinsynthese, das Immunsystem und die Funktion der Leber. Fleisch, Milchprodukte und Hülsenfrüchte sind die Hauptquellen.
| Typ | essentielle Aminosäure |
|---|---|
| Entdeckung | William Cumming Rose, 1930er Jahre (letzte proteinogene AS) |
| WHO-Richtwert | ca. 15 mg/kg Körpergewicht täglich (Erwachsene) |
| Reiche Quellen | Fleisch, Fisch, Eier, Hüttenkäse, Sojabohnen, Linsen |
| Schlüsselfunktion | Kollagen/Elastin-Vorstufe, T-Zellen, Leberfettreduktion |
| Besonderheit | zwei Chiralitätszentren; L-Threonin ist die biologisch aktive Form |
Threonin hat zwei Chiralitätszentren, also vier theoretische Stereoisomere – in Proteinen kommt jedoch ausschliesslich L-Threonin vor. Als eine der wenigen Aminosäuren kann Threonin nicht direkt zu einer anderen proteinogenen Aminosäure umgewandelt werden. Die tägliche Aufnahme über Nahrung ist daher unverzichtbar. William Rose bewies in seinen Versuchen mit Ratten und Menschen, dass Threonin für das Wachstum und das Stickstoffgleichgewicht zwingend nötig ist.
Vorkommen und Nahrungsquellen
Threonin steckt in fast allen eiweissreichen Nahrungsmitteln. Besonders reiche Quellen sind:
- Tierisch: Rind- und Schweinefleisch, Hühnchen, Thunfisch, Lachs, Eier, Hüttenkäse, Joghurt.
- Pflanzlich: Sojabohnen (und Sojaprodukte), Linsen, Kidneybohnen, Quinoa.
- Nüsse und Samen: Kürbiskerne, Erdnüsse, Cashewkerne liefern moderate Mengen.
In Getreideprodukten ist Threonin nach Lysin die zweite Aminosäure, die häufig als «limitierend» gilt. Vegetarische und vegane Ernährungsweisen können durch gezielte Kombination von Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide ausreichend Threonin liefern.
Funktion im Körper
Threonin ist an zahlreichen Prozessen beteiligt:
Kollagen und Elastin
Threonin ist ein direkter Baustein von Kollagen und Elastin, den wichtigsten Strukturproteinen in Haut, Knorpel und Blutgefässen. Ohne ausreichend Threonin kann die körpereigene Kollagenproduktion nicht optimal laufen.
Immunsystem
Threonin ist für die Bildung von T-Lymphozyten wichtig und unterstützt die Produktion von Antikörpern. In der Thymusdrüse, wo T-Zellen heranreifen, ist der Threoninbedarf besonders hoch.
Leberstoffwechsel
Threonin hat eine sogenannte lipotrope Wirkung: Es hilft, Fetteinlagerungen in der Leber zu reduzieren, indem es die Fettverarbeitung unterstützt. Diese Eigenschaft ist in der Veterinärmedizin gut belegt (Schweine, Geflügel) und wird auch beim Menschen diskutiert.
Mucin-Synthese
Die schützende Schleimschicht im Darm (Mucin) besteht zu einem grossen Teil aus Threonin. Eine ausreichende Versorgung trägt zu einer normalen Darmschutzbarriere bei.
Threonin und pflanzliche Ernährung
Vegetarisch oder vegan lebende Menschen sollten auf eine abwechslungsreiche Proteinzufuhr achten. Threonin ist in Getreide die zweite limitierende Aminosäure nach Lysin. Wer regelmässig Hülsenfrüchte, Soja oder Quinoa isst, kann seinen Bedarf jedoch gut decken. Threonin-Supplements sind für gesunde Menschen selten nötig.
Häufige Fragen
Ist Threonin essenziell?
Ja. Der Körper kann Threonin nicht selbst herstellen; es muss täglich über Lebensmittel aufgenommen werden. WHO und DGE geben einen Richtwert von ca. 15 mg je Kilogramm Körpergewicht an.
Was passiert bei Threoninmangel?
Echte Mängel sind in der westlichen Welt selten. Bei sehr einseitiger Ernährung (z. B. nur Mais) kann Threonin limitierend werden, was sich in Wachstumsstörungen und eingeschränkter Immunfunktion äussern kann.
Wer hat Threonin entdeckt?
William Cumming Rose identifizierte Threonin in den 1930er Jahren – es war die letzte der zwanzig proteinogenen Aminosäuren, die entdeckt wurde. Rose erhielt dafür international hohe Anerkennung.
Hilft Threonin der Leber?
Threonin hat lipotrope Eigenschaften, die in Tierstudien die Fettansammlung in der Leber reduzieren. Beim Menschen ist die Evidenz begrenzt; Threonin ersetzt keine medizinische Behandlung von Lebererkrankungen.
Kann man zu viel Threonin aufnehmen?
Über normale Lebensmittel praktisch nicht. Sehr hohe Dosen aus Supplementen können theoretisch das Gleichgewicht anderer Aminosäuren stören. Für Gesunde gilt Threonin bei üblichen Mengen als gut verträglich.
Fazit
Threonin ist eine essentielle Aminosäure mit zentraler Bedeutung für Kollagenaufbau, Immunabwehr und Darmmukosa. Die historische Bedeutung als letzte entdeckte proteinogene Aminosäure unterstreicht ihre Einzigartigkeit. Mit einer abwechslungsreichen Ernährung aus Fleisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten ist die Versorgung für gesunde Menschen gut gewährleistet.
Quellen
- WHO/FAO/UNU: «Protein and Amino Acid Requirements in Human Nutrition», Technischer Bericht 935, 2007.
- Rose W.C.: «The amino acid requirements of adult man», Nutritional Abstracts and Reviews, 1957.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies – Scientific Opinion on Dietary Reference Values for Protein, 2012.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
