Lycopin

Kurze Antwort

Lycopin ist ein roter Carotinoid-Farbstoff aus der Gruppe der Tetraterpene, der Tomaten, Wassermelonen und rosa Grapefruit ihre Farbe gibt und als Antioxidans gilt. Es gibt keine EU-zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Lycopin. Die Forschung zu Herzgesundheit und Krebsrisiko ist interessant, aber noch nicht schlüssig für Health-Claims.

Lycopin auf einen Blick
Typ Carotinoid (Tetraterpren, kein Provitamin A)
Farbe rot – absorbiert kurze Wellenlängen des Lichts
Reichste Quellen Tomatenprodukte (gekocht), Wassermelone, rosa Grapefruit, Guave
Bioverfügbarkeit erhöht durch Erhitzen und Fett (z. B. Olivenöl)
Sicherheit als sicher eingestuft; keine UL (Höchstmenge) festgelegt
EU-Health-Claims keine zugelassenen Angaben

Lycopin wurde erstmals 1910 aus Tomaten beschrieben; die Struktur des Moleküls wurde 1931 identifiziert. Als lineares Carotinoid mit elf konjugierten Doppelbindungen absorbiert Lycopin Licht im blauen bis grünen Spektralbereich – weshalb es rot erscheint. Im menschlichen Körper zirkuliert es als Gemisch von Isomeren (all-trans und cis-Formen), die unterschiedlich bioverfügbar sind. Der Körper kann Lycopin nicht selbst herstellen; es muss über die Nahrung aufgenommen werden.

Quellen und Bioverfügbarkeit

Tomaten und Tomatenprodukte sind mit Abstand die wichtigsten Lycopinquellen in westlichen Ernährungsweisen. Interessant: Erhitzen und Verarbeitung erhöhen die Bioverfügbarkeit von Lycopin, weil die cis-Isomere besser absorbiert werden als das natürliche all-trans-Lycopin. Tomatensauce und Tomatenmark liefern deshalb mehr bioverfügbares Lycopin als rohe Tomaten – sofern sie mit etwas Fett verzehrt werden, da Lycopin fettlöslich ist.

  • Guave: ca. 5 mg/100 g – eine der besten nichteuropäischen Quellen
  • Wassermelone: ca. 4–6 mg/100 g – lycopinreicher als rohe Tomaten
  • Tomatensauce (kommerziell): ca. 15–20 mg/100 g (prozessierte cis-Form)
  • Tomatenpüree: ca. 30–50 mg/100 g
  • Rosa Grapefruit: ca. 1–2 mg/100 g
  • Hagebutte: guter Lycopingehalt, wenig bekannt

Kochen und Lycopin

Das kurze Erhitzen von Tomaten – etwa zu Sauce oder Suppe – steigert die Lycopin-Aufnahme. Die Zugabe von Olivenöl verbessert sie weiter, da Lycopin als fettlösliches Carotinoid in Gegenwart von Fett deutlich besser aus dem Darm ins Blut übergeht. Frische Tomaten haben keinen Nachteil, aber niedrigere Bioverfügbarkeit.

Lycopin je 100 g (mg, Richtwerte)Tomatenpüree~30–50 mgTomatensauce~15–20 mgGuave~5 mgWassermelone~4–6 mgFrische Tomate~2–4 mgBioverfügbarkeit steigt durch Erhitzen und Fettzugabe – keine Höchstaufnahmemenge (UL) festgelegt
Verarbeitete Tomatenprodukte liefern deutlich mehr bioverfügbares Lycopin als frische Tomaten. Mit etwas Öl ist die Aufnahme am höchsten.

Forschungsstand zu Gesundheitsaspekten

Lycopin hat antioxidative Eigenschaften – es neutralisiert Singulett-Sauerstoff besonders effizient. Beobachtungsstudien haben Zusammenhänge zwischen hohem Lycopinkonsum und geringerem Risiko für Prostatakrebs und Herzerkrankungen gezeigt, wobei die Effekte moderat waren (z. B. ~9 % geringeres Prostatakrebs-Risiko in einer Metaanalyse bei hohem Lycopinkonsum). Wichtig: Kausalzusammenhänge lassen sich aus Beobachtungsstudien nicht ableiten, und Interventionsstudien mit Lycopin-Supplementen zeigten inkonsistente Ergebnisse. Die EFSA hat deshalb keine gesundheitsbezogenen Aussagen zugelassen.

Sicherheit und mögliche Wechselwirkungen

Lycopin gilt allgemein als sicher. Es gibt keine festgelegte Höchstaufnahmemenge (UL). In sehr seltenen Fällen bei ausserordentlich hohem, dauerhaftem Konsum (z. B. täglich 2 Liter Tomatensaft über Jahre) wurde eine harmlose orangefarbene Hautverfärbung (Lycopinämie) beschrieben, die nach Reduktion der Zufuhr verschwand. Lycopin hemmt zudem die Thrombozytenaggregation leicht – wer Blutgerinnungshemmer nimmt, sollte dies beim Arzt ansprechen.

Häufige Fragen

Schützt Lycopin vor Prostatakrebs?

Beobachtungsstudien zeigen Assoziationen, aber keinen Kausalnachweis. Eine Metaanalyse fand einen moderaten Zusammenhang (~9 % geringeres Risiko). Es gibt keine zugelassene EU-Aussage zu Lycopin und Krebsprävention.

Warum sind gekochte Tomaten besser als rohe?

Erhitzen wandelt natürliches all-trans-Lycopin in bioverfügbarere cis-Formen um. Zusätzlich werden die Zellwände aufgebrochen, was die Freisetzung von Lycopin verbessert. Olivenöl erhöht die Absorption weiter.

Kann man zu viel Lycopin aufnehmen?

Eine offizielle Höchstmenge gibt es nicht. Übermässiger Konsum kann zu einer harmlosen orangefarbenen Hautverfärbung (Lycopinämie) führen, die reversibel ist. Bei Blutgerinnungsmitteln: ärztlich absprechen.

Ist Lycopin dasselbe wie Beta-Carotin?

Nein. Beide sind Carotinoide, aber Lycopin ist kein Provitamin A – es wird nicht in Vitamin A umgewandelt. Beta-Carotin dagegen ist ein wichtiger Vitamin-A-Vorläufer.

Welche Früchte enthalten am meisten Lycopin?

Guave, Wassermelone und rosa Grapefruit gehören zu den lycopinreichsten Früchten. Bei Gemüse sind Tomaten (vor allem verarbeitet) die mit Abstand wichtigste Quelle.

Fazit

Lycopin ist ein natürlicher, roter Carotinoid-Farbstoff mit antioxidativen Eigenschaften, der hauptsächlich über Tomatenprodukte aufgenommen wird. Die Bioverfügbarkeit ist bei erhitzten Produkten mit Fettzusatz am höchsten. Klinisch schlüssige Beweise für Gesundheitsaussagen fehlen noch; EU-zugelassene Health Claims existieren nicht. Wer abwechslungsreich isst und regelmässig Tomatenprodukte in die Mahlzeiten integriert, nimmt Lycopin auf natürlichem Weg auf – Supplementierung ist für Gesunde nicht notwendig.

Quellen

  1. Giovannucci E. (1999): Tomatoes, tomato-based products, lycopene, and cancer. J Natl Cancer Inst 91(4):317–31.
  2. EFSA (2011): Evaluation of health claims related to lycopene – Scientific Opinion. EFSA Journal 9(4):2031.
  3. Story E.N. et al. (2010): An Update on the Health Effects of Tomato Lycopene. Annual Review of Food Science and Technology 1:189–210.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.