Vitamin B12

Kurze Antwort

Vitamin B12 (Cobalamin) ist ein wasserlösliches Vitamin des B-Komplexes, das der Körper nicht selbst herstellen kann und das für die Bildung roter Blutkörperchen, die DNA-Synthese und die Gesundheit der Nervenzellen unentbehrlich ist. Der EU-Nährstoffbezugswert (NRV) beträgt 2,5 µg täglich. Es kommt ausschliesslich in tierischen Produkten vor; Veganer und Menschen über 50 haben ein erhöhtes Mangelrisiko.

Vitamin B12 auf einen Blick
Chemische Formen Cyanocobalamin, Methylcobalamin, Hydroxocobalamin, Adenosylcobalamin
NRV (EU, Erwachsene) 2,5 µg täglich (EU-VO 1169/2011, Anhang XIII)
Nahrungsquellen Leber, Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte (ausschliesslich tierisch)
Aufnahme über Intrinsic Factor (Magen); ab ~50. Lebensjahr oft eingeschränkt
Speicherung Leber speichert 2–5 mg (Vorrat für Jahre)
Risiko Veganer, Ältere, Metformin-Einnahme, Magensäureprobleme

Vitamin B12 enthält das seltene Element Kobalt und wird ausschliesslich durch Mikroorganismen (Bakterien und Archaeen) synthetisiert. Tiere nehmen es über Mikroben im Darm oder über die Nahrung auf – daher findet es sich in tierischen Produkten. Menschen, die keine tierischen Produkte essen, müssen Vitamin B12 unbedingt supplementieren.

NRV-Rechner

Wie viel deckt eine Menge vom Tagesbedarf (Nährstoffbezugswert)? Nährstoff wählen, Menge einstellen.

Nährstoff

Aufgenommene Menge
80 mg

Anteil am Tagesbedarf (NRV)
NRV-Referenzwert
EU-Tagesbedarf (Erwachsene)
Einheit
mg = Milligramm · µg = Mikrogramm
Hinweis: Der NRV (Nährstoffbezugswert nach EU-Verordnung 1169/2011) ist ein Durchschnittswert für gesunde Erwachsene, keine individuelle Empfehlung. Mehr ist nicht automatisch besser – bei einigen Stoffen gibt es Höchstmengen. Keine Heilaussage; bei Fragen zur Einnahme ärztlichen Rat einholen.

EU-zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen

Für Vitamin B12 sind mehrere Health Claims nach EU-Verordnung 432/2012 zugelassen. Vitamin B12 trägt bei:

  • Zur normalen Bildung roter Blutkörperchen
  • Zur normalen Funktion des Nervensystems
  • Zur normalen psychischen Funktion
  • Zum normalen Energiestoffwechsel
  • Zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung
  • Zur normalen Funktion des Immunsystems

Wie Vitamin B12 aufgenommen wird

Vitamin B12 aus der Nahrung ist an Eiweisse gebunden. In Magen und Darm wird es freigesetzt und bindet dann an den sogenannten Intrinsic Factor – ein Protein, das in der Magenschleimhaut gebildet wird. Dieser Komplex wird im letzten Abschnitt des Dünndarms (Ileum) aufgenommen. Fehlt der Intrinsic Factor (z.B. bei Autoimmungastritis = perniziöse Anämie), kann B12 nicht aufgenommen werden.

Mit zunehmendem Alter produziert die Magenschleimhaut weniger Intrinsic Factor und weniger Magensäure. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften Menschen ab 50 Jahren, B12-supplementierte Lebensmittel oder Präparate einzunehmen, da hochdosiertes B12 z. T. auch passiv (ohne Intrinsic Factor) resorbiert wird.

Vitamin B12: Quellen und RisikogruppenGute QuellenRinderleber ~65 µg/100 gHering ~13 µgRindfleisch ~2–3 µgEi/Milch/Käseausschliesslich tierischRisikogruppenVeganer/VegetarierÜber 50 JahrePerniziöse AnämieMetformin-EinnahmePPI / SäureblockerMangelsymptomeMegaloblastäre AnämieNervenstörungenMüdigkeitGedächtnisdefiziteBluttest zur Abklärung
Vitamin B12 kommt nur in tierischen Produkten vor; Risikogruppen sollten den Status im Blut prüfen lassen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Mehrere häufig eingenommene Medikamente können die B12-Aufnahme reduzieren:

  • Metformin (Diabetes-Mittel): Langzeiteinnahme reduziert B12-Spiegel – regelmässige Kontrolle empfohlen.
  • Protonenpumpenhemmer (PPI) und H2-Blocker: weniger Magensäure = schlechtere B12-Freisetzung aus Nahrung.
  • Colchicin (Gichtmittel) und Aminosalicylsäure: können Aufnahme hemmen.
  • Sehr hohe Vitamin-C-Dosen können B12 im Magen inaktivieren – zeitlichen Abstand einhalten.

Häufige Fragen

Brauche ich als Veganer wirklich B12-Supplement?

Ja, unbedingt. Pflanzliche Lebensmittel enthalten kein verwertbares Vitamin B12; Algen-B12 ist grösstenteils nicht bioverfügbar. Ein unbehandelter Mangel kann zu irreversiblen Nervenschäden führen.

Was sind Zeichen eines B12-Mangels?

Frühe Zeichen sind Müdigkeit, Blässe und Kribbeln in Händen und Füssen. Fortgeschrittener Mangel kann zu megaloblastärer Anämie und Nervenschäden führen. Da die Leber B12 über Jahre speichert, können Mängel bei veganer Ernährung erst nach 2–5 Jahren auftreten.

Wie überprüfe ich meinen B12-Status?

Über eine Blutuntersuchung. Neben dem Serum-Cobalamin-Wert sind Holotranscobalamin (aktives B12) und Methylmalonsäure aussagekräftige Marker. Dein Arzt kann entscheiden, welcher Test sinnvoll ist.

Welche Supplement-Form ist die beste?

Cyanocobalamin ist die stabilste und günstigste Form, gut belegt. Methylcobalamin und Hydroxocobalamin werden direkt aktiv ohne hepatischen Umbau. Alle Formen können Mängel ausgleichen; bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Leber-Morbus) spielt die Form eine Rolle.

Ist Vitamin B12 sicher in hohen Dosen?

Vitamin B12 gilt als gut verträglich und ist wasserlöslich; Überschüsse werden mit dem Urin ausgeschieden. In sehr hohen Dosen (Injektionen) können selten Akne-ähnliche Hautreaktionen auftreten. Toxizität durch orale Einnahme ist äusserst selten.

Fazit

Vitamin B12 ist ein essenzieller Nährstoff mit klar belegten Wirkungen auf Nervensystem, Blutbildung und Energiestoffwechsel. Risikogruppen – besonders Veganer und Menschen über 50 – sollten ihren Status regelmässig kontrollieren und bei Bedarf supplementieren. Wer Medikamente wie Metformin oder PPI einnimmt, sollte die Wechselwirkungen im Blick behalten.

Quellen

  1. EU-Verordnung 432/2012 – Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben für Vitamin B12.
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Vitamin B12.
  3. Green R. et al. (2017): Vitamin B12 deficiency. Nature Reviews Disease Primers 3:17040.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.