Jod

Kurze Antwort

Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper ausschliesslich über Nahrung oder Trinkwasser aufnehmen muss und das für die Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) unentbehrlich ist. Ohne ausreichend Jod kann die Schilddrüse keine regulären Hormonmengen produzieren, was zu Funktionsstörungen und – bei Kindern – zu Entwicklungsschäden führen kann. Der EU-Referenzwert (NRV) beträgt 150 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene.

Jod auf einen Blick
Typ essenzielles Spurenelement (Halogen, Atomsymbol I)
NRV (EU) 150 µg pro Tag (Erwachsene); 220 µg Schwangerschaft; 290 µg Stillzeit
Wichtigste Funktion Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4
Beste Nahrungsquellen Meeresalgen, Seefisch, Milch und Milchprodukte, jodiertes Salz
Mangelfolge Struma (Kropf), Hypothyreose, kognitive Störungen bei Föten/Kindern
Toxizität möglich bei sehr hoher Zufuhr; EFSA-Toleranzwert: 600 µg/Tag

Jodmangel ist weltweit die häufigste vermeidbare Ursache für kognitive Entwicklungsstörungen. In der Schweiz und Deutschland ist jodiertes Speisesalz die wichtigste Massnahme zur Jodversorgung der Bevölkerung. Die Jodversorgung gilt in Mitteleuropa als grenzwertig ausreichend – regelmässige Kontrolle und bewusstes Essen jodhaltiger Lebensmittel bleiben wichtig. Mit dem NRV-Rechner kannst du sehen, wie viel eine bestimmte Menge zum Tagesbedarf beiträgt.

NRV-Rechner

Wie viel deckt eine Menge vom Tagesbedarf (Nährstoffbezugswert)? Nährstoff wählen, Menge einstellen.

Nährstoff

Aufgenommene Menge
150 µg

Anteil am Tagesbedarf (NRV)
NRV-Referenzwert
EU-Tagesbedarf (Erwachsene)
Einheit
mg = Milligramm · µg = Mikrogramm
Hinweis: Der NRV (Nährstoffbezugswert nach EU-Verordnung 1169/2011) ist ein Durchschnittswert für gesunde Erwachsene, keine individuelle Empfehlung. Mehr ist nicht automatisch besser – bei einigen Stoffen gibt es Höchstmengen. Keine Heilaussage; bei Fragen zur Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Funktionen im Körper

Jod ist essenziell für die Synthese der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Diese Hormone regulieren:

  • Grundumsatz und Energiestoffwechsel
  • Herzfrequenz und Körpertemperatur
  • Wachstum und Entwicklung – besonders des Gehirns im Fötal- und Kleinkindalter
  • Reifung des Knochensystems und des Nervensystems

In der EU ist nach Verordnung 432/2012 als zugelassene gesundheitsbezogene Aussage anerkannt, dass Jod zur normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen beiträgt sowie zur normalen kognitiven Funktion und zur normalen Entwicklung von Kindern.

Nahrungsquellen und Jodversorgung

Jodgehalt ausgewählter Lebensmittel (Richtwerte)
Nori-Algen (getrocknet, 2 g) bis zu 200 µg (stark variabel)
Kabeljau (100 g, gegart) ca. 100–170 µg
Vollmilch (200 ml) ca. 30–60 µg
Joghurt (150 g) ca. 25–40 µg
Jodiertes Speisesalz (1 g) ca. 15–25 µg (in CH/DE)
Ei (1 Stück) ca. 25 µg

Der Jodgehalt von Meeresalgen kann extrem variieren (bis > 10 000 µg/100 g bei Kelp/Seetang) und birgt bei regelmässigem Konsum das Risiko einer Überdosierung.

Jod-Bedarf nach Personengruppe (µg/Tag, NRV/DGE)90 µgKleinkinder120 µgSchulkinder150 µgErwachsene (NRV)220 µgSchwangere290 µgStillendeWerte nach DGE/DACH-Referenzwerten und EU-NRV 1169/2011
Der Jodbedarf steigt in der Schwangerschaft und Stillzeit erheblich an – besonders wichtig für die Hirnentwicklung des Kindes.

Jodmangel und Jodüberschuss

Jodmangel führt zur Vergrösserung der Schilddrüse (Struma/Kropf) als Kompensationsreaktion sowie zur Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Schwerwiegende Folgen entstehen besonders bei Mangel während der Schwangerschaft: Kretinismus (schwere körperliche und geistige Entwicklungsstörung) und kognitive Einschränkungen beim Neugeborenen. In der Schweiz und Deutschland ist die Jodversorgung durch die Jodsalzprophylaxe verbessert, aber noch nicht optimal.

Jodüberschuss ist seltener, aber bei Nahrungsergänzungsmitteln, hochjodhaltigen Algen oder radioaktivem Jod (Notfallsituation) möglich. Die EFSA nennt als tolerable obere Tagesmenge 600 µg für Erwachsene. Bei bestehender Schilddrüsenerkrankung kann sowohl Mangel als auch Überschuss problematisch sein – ärztlicher Rat ist unerlässlich.

Häufige Fragen

Wie viel Jod brauche ich täglich?

Der EU-Referenzwert (NRV) beträgt 150 µg für Erwachsene. In der Schwangerschaft empfiehlt die DGE 220 µg, in der Stillzeit 290 µg. Diese erhöhten Mengen lassen sich oft nicht allein durch Ernährung erreichen; ärztlich abgestimmte Supplementierung kann nötig sein.

Welche Lebensmittel sind besonders jodreich?

Meeresfisch (Kabeljau, Scholle, Seelachs), Milch und Milchprodukte sowie jodiertes Speisesalz sind die wichtigsten Quellen in der mitteleuropäischen Ernährung. Meeresalgen haben extreme Gehalte – hier besteht bei regelmässigem Konsum Überdosierungsgefahr.

Brauche ich in der Schweiz Jodsalz?

Ja. In der Schweiz enthält Speisesalz seit Jahrzehnten standardmässig Jod (Jodsalzprophylaxe). Da die Böden in Binnenländern jodfarm sind, bleibt jodiertes Salz für die Bevölkerungsversorgung wichtig.

Kann ich Jod aus Algen beziehen?

Theoretisch ja, aber Algen – besonders Kelp/Seetang – können extrem hohe und stark schwankende Jodmengen enthalten. Regelmässiger Konsum kann zur Überdosierung führen. Wer Algenpräparate einnimmt, sollte den Jodgehalt prüfen.

Darf ich einfach Jodtabletten kaufen und einnehmen?

Niedrig dosierte Jodpräparate (100–150 µg/Tag) sind frei erhältlich. Bei Schilddrüsenerkrankungen oder Hashimoto-Thyreoiditis muss die Jodeinnahme ärztlich begleitet werden, da Jod die Erkrankung beeinflussen kann.

Fazit

Jod ist ein unverzichtbares Spurenelement mit klar belegten Funktionen für die Schilddrüse und die Entwicklung des Nervensystems. Der Tagesbedarf von 150 µg lässt sich durch eine sorgfältige Ernährung mit Fisch, Milchprodukten und jodiertem Salz gut decken. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf, der häufig ärztlich abgestimmte Supplementierung erfordert. Bei bestehenden Schilddrüsenproblemen ist Jodeinnahme immer ärztlich zu besprechen.

Quellen

  1. EU-Verordnung 1169/2011, Anhang XIII – Nährstoffbezugswert Jod: 150 µg.
  2. EU-Verordnung 432/2012 – zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Jod.
  3. EFSA Panel on Dietetic Products (2014): Scientific Opinion on tolerable upper intake level of iodine. EFSA J. 12(5):3660.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.