Progesteron

Kurze Antwort

Progesteron ist ein körpereigenes Steroidhormon aus der Gruppe der Gestagene, das vor allem im Gelbkörper des Eierstocks gebildet wird. Es bereitet die Gebärmutter auf eine Einnistung vor, hält eine bestehende Schwangerschaft aufrecht und wirkt als Gegenspieler des Östrogens. Auch Nebennieren und Hoden produzieren kleine Mengen.

Progesteron auf einen Blick
Typ Steroidhormon (Gestagen)
Bildungsort Gelbkörper des Eierstocks, Plazenta, Nebennieren, Hoden
Wichtigste Funktion Vorbereitung und Aufrechterhaltung der Schwangerschaft
Zyklische Schwankung steigt nach dem Eisprung, sinkt kurz vor der Menstruation
Medizinische Formen oral, vaginal (Gel, Zäpfchen), transdermal, injizierbar
CH-Rechtslage verschreibungspflichtig; rezeptfreie Hormoncremes reguliert

Progesteron ist für alle bekannt, die sich mit reproduktiver Gesundheit beschäftigen. Das Hormon steuert die zweite Hälfte des Menstruationszyklus, beeinflusst die Fruchtbarkeit und spielt in der Schwangerschaft eine tragende Rolle. Dieser Artikel erklärt, wie es gebildet wird, was ein zu niedriger Spiegel bedeutet und was du über medizinische Progesteron-Präparate wissen solltest.

Bildung und Regulation im Körper

Nach dem Eisprung – ausgelöst durch einen Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) aus der Hirnanhangdrüse – entwickelt sich aus dem geplatzten Follikel der Gelbkörper. Dieser produziert in der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) Progesteron. Wenn keine Befruchtung stattfindet, bildet sich der Gelbkörper zurück, der Progesteronspiegel fällt, und die Gebärmutterschleimhaut löst sich ab (Menstruation). Bei einer Befruchtung übernimmt ab der 8.–10. Schwangerschaftswoche die Plazenta die Hauptproduktion.

Progesteron bei Männern

Auch Männer benötigen Progesteron – es ist Vorstufe des Testosterons. Die Mengen sind geringer und entsprechen etwa dem Spiegel in der Follikelphase der Frau. Ein deutlich niedrigerer Progesteronspiegel kann bei Männern mit Libidoverlust, Müdigkeit oder verminderter Knochendichte in Verbindung stehen.

Funktion und Aufgaben

  • Schwangerschaftserhalt: Progesteron verhindert Gebärmutterkontraktionen und bereitet die Schleimhaut (Endometrium) für die Einnistung vor.
  • Östrogen-Gegenspieler: Es schützt das Endometrium vor einer unkontrollierten östrogenbedingten Proliferation.
  • Schlaf und Stimmung: Progesteron hat eine leicht beruhigende Wirkung über GABA-Rezeptoren. Starke Schwankungen können Stimmungsveränderungen (PMS-Symptome) auslösen.
  • Knochengesundheit: Gemeinsam mit Östrogen trägt es zur Knochenerhaltung bei.
Progesteron im Zyklus (schematisch)Tag 1 · MenstruationEisprung ~Tag 14Lutealphase: Progesteron hochAbfall → Menstruation
Schematischer Verlauf: Progesteron steigt nach dem Eisprung an und fällt ohne Befruchtung wieder ab.

Niedriger Progesteronspiegel: Symptome und Ursachen

Ein zu niedriger Progesteronspiegel kann verschiedene Beschwerden verursachen. Typische Zeichen bei Frauen sind unregelmässige oder ausbleibende Perioden, wiederholte Fehlgeburten, prämenstruelles Syndrom (PMS) sowie eine sogenannte Östrogendominanz (Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen, Libidoverlust). Ursachen können eine eingeschränkte Gelbkörperfunktion, Stress (erhöhter Cortisolspiegel verdrängt Progesteron), Schilddrüsenprobleme oder ein niedrigkörperliches Gewicht sein.

Progesteron als Medikament

In der Schweiz und der EU sind Progesteron-Präparate verschreibungspflichtig. Sie werden eingesetzt bei:

  • Lutealinsuffizienz und Unfruchtbarkeitsbehandlungen (ART)
  • Unterstützung in der Frühschwangerschaft bei Fehlgeburtsrisiko
  • Hormontherapie in den Wechseljahren (kombiniert mit Östrogen, wenn die Gebärmutter erhalten ist)
  • Behandlung von Endometriose und unregelmässigen Gebärmutterblutungen

Wichtig: Medizinisches Progesteron ist nicht dasselbe wie synthetische Gestagene (Progestine) in der Pille. Mikronisiertes Progesteron (z.B. Utrogestan) entspricht strukturell dem körpereigenen Hormon. Alle Anwendungen gehören in ärztliche Hände.

Häufige Fragen

Was bewirkt Progesteron im Körper?

Es bereitet die Gebärmutter auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor, hält die Schwangerschaft aufrecht, wirkt als Östrogen-Gegenspieler und hat eine leicht beruhigende Wirkung auf das zentrale Nervensystem.

Was sind Zeichen eines niedrigen Progesteronspiegels?

Mögliche Hinweise sind unregelmässige Zyklen, PMS, Einschlafprobleme, Stimmungsschwankungen und – bei Kinderwunsch – Schwierigkeiten, eine Schwangerschaft zu erhalten. Ein Bluttest klärt den tatsächlichen Spiegel.

Ist Progesteron dasselbe wie ein Gestagen in der Pille?

Nein. Synthetische Gestagene (z.B. Levonorgestrel) ähneln Progesteron in ihrer Wirkung, weichen aber chemisch ab und können andere Effekte haben. Mikronisiertes Progesteron entspricht dem natürlichen Hormon.

Kann man Progesteron ohne Rezept kaufen?

In der Schweiz ist Progesteron verschreibungspflichtig. Freiverkäufliche Cremes mit niedrigen Dosierungen existieren, ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht gesichert – lass dich ärztlich beraten.

Welche Nebenwirkungen hat Progesteron?

Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Stimmungsschwankungen, Brustspannen und Schmierblutungen. Bei oraler Einnahme kann Schläfrigkeit auftreten, weshalb Abendeinnahme üblich ist.

Fazit

Progesteron ist ein essenzielles Hormon für den weiblichen Zyklus, die Schwangerschaft und das hormonelle Gleichgewicht. Bei einem Verdacht auf niedrige Spiegel oder Beschwerden rund um Zyklus und Fruchtbarkeit ist ärztliche Diagnostik der richtige erste Schritt – Selbstmedikation mit Hormonen ist nicht empfehlenswert.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) – Leitlinien zur Hormontherapie und Gestagentherapie.
  2. EFSA – Scientific Opinion on the safety of progesterone preparations, 2016.
  3. Schweizerisches Heilmittelinstitut Swissmedic – Arzneimittelinformationen zu mikronisiertem Progesteron.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.