Borax (Natriumtetraborat, Na₂B₄O₇·10H₂O) ist ein natürlich vorkommendes Mineralsalz aus Bor, das in der Industrie als Reinigungsmittel, Flussmittel und Konservierungsstoff weit verbreitet ist. Als Lebensmittelzusatzstoff ist Borax in der EU und den USA verboten. Interne Einnahme kann zu schweren Vergiftungen führen; das Mineral ist nicht zur Gesundheitsanwendung am Menschen zugelassen.
| Chemische Formel | Na₂B₄O₇·10H₂O (Natriumtetraborat-Decahydrat) |
|---|---|
| CAS-Nummer | 1303-96-4 |
| Industrielle Verwendung | Reiniger, Flussmittel, Flammschutz, Glasherstellung, Keramik |
| Lebensmittelzusatzstoff | In der EU und den USA verboten (FDA-Verbot seit 1984) |
| Toxizität | Oral toxisch: LD50 Ratte ~5,6 g/kg; für Kinder schon ab 5 g gefährlich |
| Wichtiger Sicherheitshinweis | NICHT intern einnehmen – gesundheitsschädlich; Haut-/Augen-/Atemwegschutz tragen |
Borax kursiert in Alternativmedizin-Kreisen als angebliches Allheilmittel – von Arthritis bis Hormonregulation. Diese Behauptungen sind wissenschaftlich nicht belegt und ignorieren die nachgewiesene Toxizität von Borax bei interner Einnahme. Aus informierter Sicht: Borax ist ein Reinigungsmittel – kein Nahrungsergänzungsmittel.
Was ist Borax?
Borax ist das Natriumsalz der Borsäure. Es kommt natürlich in ariden Salzseenvorkommen vor – wichtige Lagerstätten befinden sich im US-Bundesstaat Kalifornien (Boron, Searles Lake), in der Türkei, Chile und Tibet. Das weisse, kristalline Pulver ist gut wasserlöslich und leicht alkalisch.
Industrielle Anwendungen
- Glas und Keramik: Borosilicatglas (Pyrex), Glasfasern, Keramikglasuren.
- Reinigungsmittel: Haushaltsreiniger, Waschmittel (Aufheller), Schimmelentferner.
- Flammschutzmittel: Holz, Papier, Textilien.
- Elektronik und Halbleiter: Dotierungsmittel für Silizium.
- Landwirtschaft: Mikronährstoff (Bor) für Böden mit Bormangel.
Toxizität und Sicherheit – kritische Bewertung
Borax ist bei interner Einnahme gesundheitsgefährdend. Folgende Fakten sind entscheidend:
- Orale Toxizität: Bei Ratten liegt die LD50 bei ca. 5,6 g/kg Körpergewicht. Beim Menschen sind schon deutlich geringere Mengen problematisch.
- Kinder: Laut dem Children’s Healthcare von Wisconsin können bereits 5 g Borax für ein Kind gefährlich oder tödlich sein.
- Symptome einer Borax-Vergiftung: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schock, Nierenversagen, Tod.
- Fortpflanzungsschäden: Borax ist in der EU als reproduktionstoxisch eingestuft (Kategorie 1B); es kann die Fertilität beeinträchtigen und den Fötus schädigen.
- REACH-Verordnung (EU): Borax steht auf der SVHC-Liste (Substanzen mit besonders besorgniserregenden Eigenschaften).
FDA-Verbot und EU-Regulierung
Die US-amerikanische FDA hat Borax als Lebensmittelzusatzstoff verboten. In der EU ist Borax kein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff. Als Reinigungsprodukt ist Borax (20 Mule Team Borax) legal erhältlich – aber explizit nicht zur Einnahme bestimmt.
Sichere Verwendung als Reinigungsmittel
Als Haushaltsreiniger ist Borax im Einsatz – dabei sind folgende Schutzmassnahmen wichtig:
- Schutzhandschuhe tragen; Kontakt mit Haut und Schleimhäuten vermeiden.
- Nicht einatmen; bei Staubentwicklung Atemschutzmaske verwenden.
- Ausser Reichweite von Kindern und Haustieren lagern.
- Nie zur Herstellung von Kinderspielzeug (Schleim) verwenden – Kinder nehmen Substanzen leicht über Hände und Mund auf.
Häufige Fragen
Kann Borax als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden?
Nein. Borax ist in der EU und den USA als Lebensmittelzusatzstoff verboten und ist kein zugelassenes Nahrungsergänzungsmittel. Interne Einnahme ist gesundheitsschädlich und kann zu schweren Vergiftungen führen.
Warum ist Borax in Online-Foren als «Heilmittel» populär?
Missverständnisse über «natürlich = sicher» verbreiten sich leicht. Borax ist zwar natürlich vorkommend, aber das bedeutet keine Ungefährlichkeit. Natürlich vorkommende Substanzen können hochgiftig sein.
Ist Bor dasselbe wie Borax?
Nicht ganz. Bor (Element) ist in Spuren in Lebensmitteln (Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte) enthalten und gilt in kleinen Mengen als unbedenklich. Borax ist das Natriumsalz der Borsäure und enthält Bor in einer anderen chemischen Form, die bei Einnahme toxisch wirkt.
Welche Symptome zeigt eine Borax-Vergiftung?
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Hautrötungen, Schock und bei schwerer Vergiftung Nierenversagen. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Notaufnahme aufsuchen.
Darf Borax in der Schweiz verkauft werden?
Ja – als Reinigungsmittel. Es ist in der Schweiz nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Die EU-REACH-Klassifikation (reproduktionstoxisch 1B) gilt auch in der Schweiz.
Fazit
Borax ist ein nützliches industrielles Mineral für Reinigung, Glasherstellung und Flammschutz. Als «Heilmittel» oder Nahrungsergänzungsmittel ist es gefährlich: Es ist in der EU reproduktionstoxisch eingestuft, als Lebensmittelzusatzstoff verboten und kann bei interner Einnahme zu schweren Vergiftungen führen. Behauptungen über gesundheitliche Vorteile durch interne Einnahme sind nicht wissenschaftlich belegt und im Gegenteil gesundheitsgefährdend.
Quellen
- EU-REACH-Verordnung 1907/2006 – SVHC-Liste: Borax (Natriumtetraborat).
- EFSA Scientific Opinion on Boric acid and Borates – EFSA Journal 2012.
- US FDA: Code of Federal Regulations, 21 CFR – Borax als verbotener Lebensmittelzusatzstoff.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
