Serrapeptase

Kurze Antwort

Serrapeptase (Serratiopeptidase) ist ein proteolytisches Enzym aus dem Darmbakterium Serratia marcescens, das ursprünglich im Darmtrakt des Seidenspinners nachgewiesen wurde. Es baut Proteine ab und wurde in Japan ab den späten 1960er Jahren als Arzneimittel eingesetzt – dort aber 2011 wieder freiwillig vom Markt genommen. In der EU und der Schweiz ist Serrapeptase kein zugelassenes Arzneimittel, sondern wird als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben.

Serrapeptase auf einen Blick
Typ Proteolytisches Enzym (Serinprotease)
Herkunft Serratia marcescens (Darmbakterium des Seidenspinners Bombyx mori)
Geschichte Isoliert 1960er Japan; als Medikament 1968–2011 Japan; danach zurückgezogen
Rechtsstatus EU/CH Nahrungsergänzungsmittel – kein Arzneimittel
EU-Gesundheitsangaben keine zugelassen
Wichtige Wechselwirkung Antikoagulanzien, NSAR – erhöhtes Blutungsrisiko

Serrapeptase ist eines der kontroversesten Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt: In Japan wurde es für über 40 Jahre als entzündungshemmendes Arzneimittel eingesetzt, aber dann selbst zurückgezogen, weil post-marketing Studien keinen Nachweis der Wirksamkeit erbrachten. In Europa und der Schweiz findet es heute als Supplement Verwendung. Hier ein sachlicher Überblick über Datenlage, Einsatzmöglichkeiten und Risiken.

Potenzielle Wirkungen in der Forschung

Trotz des Rückzugs in Japan gibt es einzelne Studienergebnisse, die wissenschaftlich diskutiert werden:

  • Postoperative Schwellung: Einige ältere zahnmedizinische Studien zeigten eine mögliche Reduktion der Schwellung nach chirurgischen Eingriffen.
  • Schleimhautsekretion: Eine kontrollierte Studie (30 mg/Tag, 4 Wochen) bei chronischer Bronchitis fand eine Reduktion der Schleimviskosität und -menge.
  • Anti-Biofilm-Effekt: Laborversuche deuten darauf hin, dass Serrapeptase bakterielle Biofilme auflösen und dadurch die Wirksamkeit von Antibiotika verbessern kann – klinische Humanstudien fehlen dazu weitgehend.

Die Evidenz ist für alle Bereiche insgesamt dünn. Die wichtigsten Wirksamkeitsstudien stammen aus den 1980er und 1990er Jahren mit kleinen Fallzahlen; robuste aktuelle RCTs fehlen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Serrapeptase ist kein harmloses Supplement. Bekannte Nebenwirkungen umfassen Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Hautreaktionen und eine Beeinflussung der Blutgerinnung. Besonders kritisch:

  • Antikoagulanzien und NSAR: Gleichzeitige Einnahme von Aspirin, Warfarin, Heparin, Ibuprofen oder Diclofenac kann das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Vor Operationen: Mindestens 2 Wochen vor einem geplanten chirurgischen Eingriff absetzen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Keine ausreichenden Sicherheitsdaten; meiden.
  • Blutungserkrankungen: Bei bekannten Blutgerinnungsstörungen kontraindiziert.
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Serrapeptase wurde 2011 in Japan freiwillig vom Markt genommen – dieser Kontext fehlt in vielen Supplement-Beschreibungen.

Häufige Fragen

Warum wurde Serrapeptase in Japan vom Markt genommen?

Weil post-marketing Studien keine ausreichende Evidenz für die zugelassene Indikation (entzündungshemmend) erbrachten. Das japanische Pharmaunternehmen zog das Mittel 2011 freiwillig zurück.

Ist Serrapeptase in der EU ein Arzneimittel?

Nein. In der EU und der Schweiz ist Serrapeptase als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, nicht als Arzneimittel. Es gibt keine EU-zugelassenen Gesundheitsangaben.

Kann man Serrapeptase mit Blutverdünnern kombinieren?

Das solltest du nicht ohne ärztlichen Rat tun. Serrapeptase kann die Wirkung von Antikoagulanzien (Warfarin, Heparin) und NSAR (Aspirin, Ibuprofen) verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen.

Was sind die häufigsten Nebenwirkungen?

Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Hautreaktionen sind berichtet worden. Vor Operationen muss die Einnahme mindestens 2 Wochen vorher gestoppt werden.

Hilft Serrapeptase bei Narben oder Verklebungen?

Diese Behauptung ist weit verbreitet, aber es fehlen kontrollierte Humanstudien, die dies belegen. Keine EU-Zulassung für diese Indikation.

Fazit

Serrapeptase hat eine ungewöhnliche Geschichte: vom Medikament zurück zum Supplement, weil Wirksamkeitsbelege fehlten. Einzelne Studienergebnisse für bestimmte Einsatzgebiete sind vorhanden, aber die Gesamtevidenz ist schwach. Wechselwirkungen mit blutgerinnungshemmenden Mitteln machen eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme unbedingt erforderlich.

Quellen

  1. Shimizu, K. et al. (2003): Serrapeptase – Pharmacological and clinical review. Journal of International Medical Research.
  2. EFSA – Novel Foods und Enzympräparate: Rahmenbedingungen für proteolytische Enzyme als Lebensmittelzusätze.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Stellungnahmen zu proteolytischen Enzymen in Nahrungsergänzungsmitteln.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.