Rizinusöl ist ein dickflüssiges, farbloses bis leicht gelbliches Pflanzenöl, das durch Kaltpressung der Samen der Rizinuspflanze (Ricinus communis) gewonnen wird. Hauptbestandteil ist die Ricinolsäure (ca. 90 %), die dem Öl seine einzigartigen Eigenschaften verleiht. In der Kosmetik wird es vor allem für Haut- und Haarpflege eingesetzt; medizinisch bekannt ist es als Abführmittel. In der Schweiz und der EU unterliegt die orale Anwendung strengen Hinweisen.
| Stammpflanze | Ricinus communis (Rizinus, Wunderbaum) |
|---|---|
| Gewinnung | Kaltpressung der Samen |
| Hauptbestandteil | Ricinolsäure (~90 %) – eine hydroxylierte Fettsäure |
| Konsistenz | Sehr dickflüssig, kaum Geruch |
| Topische Anwendung | Haut, Haare, Wimpern, Nägel |
| Wichtiger Hinweis | Die gesamte Pflanze enthält Ricin (hochgiftig); kaltgepresstes Öl ist ricininfrei, aber oral nur unter ärztlicher Aufsicht |
Rizinusöl hat eine jahrtausendealte Geschichte: Im alten Ägypten wurde es als Lampenöl und Heilmittel genutzt. Heute ist es vor allem in der Kosmetikindustrie beliebt – als Bestandteil von Lippenstiften, Mascaras, Haarpflegeprodukten und Cremes. Für die topische Anwendung gilt Rizinusöl als gut verträglich; für die innere Einnahme ist ärztlicher Rat unbedingt erforderlich. Der Verdünnungsrechner unten hilft dir bei der richtigen Dosierung für die Haarpflege.
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Gewinnung und Zusammensetzung
Das kaltgepresste Öl stammt aus den Samen des Rizinus, einer Pflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und tropischen Teilen Afrikas stammt. Beim Kaltpressen wird das natürlich vorkommende Ricin (ein hochtoxisches Protein) im Presskuchen zurückgehalten – das fertige Öl ist ricininfrei und gilt als sicher für die äussere Anwendung. Hauptfettsäure ist Ricinolsäure, die entzündungshemmende und feuchtigkeitsspendende Eigenschaften hat. Daneben enthält das Öl Linolsäure, Ölsäure, Palmitinsäure sowie Vitamin E.
Rizinusöl vs. jamaikanisches schwarzes Rizinusöl
Das in Westafrika und der Karibik traditionelle jamaikanische schwarze Rizinusöl wird durch Rösten der Samen und anschliessende Pressung hergestellt. Es ist dunkler, riecht rauchiger und enthält mehr Asche (alkalischer pH-Wert). Ob es wirksamer ist als klassisches kaltgepresstes Öl, ist wissenschaftlich nicht belegt.
Topische Anwendungsgebiete
- Haarpflege: Rizinusöl wird auf die Kopfhaut und Haarwurzeln massiert, um die Pflege zu unterstützen. Wegen seiner Viskosität sollte es sparsam eingesetzt und gründlich ausgewaschen werden.
- Wimpern und Augenbrauen: Mit einem Wattestäbchen aufgetragen – abends, da es sehr ölig ist.
- Trockene Haut und Fersen: Als intensive Feuchtigkeitspflege für besonders trockene Stellen.
- Nägel und Nagelhaut: Einmassieren weicht die Nagelhaut auf und pflegt brüchige Nägel.
Sicherheit und rechtliche Hinweise
Für die äussere Anwendung gilt kaltgepresstes Rizinusöl als gut verträglich; Allergien sind selten, ein Patch-Test ist dennoch empfehlenswert. Die orale Einnahme (als Abführmittel) ist wirksam, kann aber Krämpfe, Übelkeit und Elektrolytverluste verursachen. In der Schweiz und Deutschland ist die orale Anwendung als Abführmittel zwar bekannt, sollte jedoch nur kurzfristig und nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Schwangere sollten Rizinusöl nicht innerlich anwenden, da es Wehen auslösen kann. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung.
Häufige Fragen
Lässt Rizinusöl Haare wachsen?
Eine direkte haarwachstumsfördernde Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Rizinusöl kann die Kopfhaut pflegen und die Haare glänzender machen; strukturelle Haarprobleme oder genetisch bedingter Haarausfall werden dadurch nicht beeinflusst.
Kann Rizinusöl ins Auge gelangen?
Bei der Wimpernpflege ist Vorsicht geboten. Rizinusöl ist zwar im Auge wenig reizend, dennoch sollte direkter Augenkontakt vermieden werden. Im Zweifelsfall mit Wasser ausspülen.
Wie entfernt man Rizinusöl aus den Haaren?
Wegen seiner Dicke braucht es mindestens zweimaliges Shampoonieren. Vorher das Öl etwas mit einem leichteren Öl (z. B. Mandelöl) verdünnen hilft beim Auswaschen.
Ist Rizinusöl dasselbe wie Kastoröl?
Ja – «Kastoröl» und «Rizinusöl» sind Synonyme für dasselbe Produkt (englisch: castor oil).
Darf Rizinusöl in der Schwangerschaft verwendet werden?
Topisch (äusserlich) gilt es als unbedenklich. Oral keinesfalls – Rizinusöl kann Wehen auslösen und wird in manchen Ländern sogar zur Geburtseinleitung eingesetzt; in der Schwangerschaft daher ohne Arztrat meiden.
Fazit
Rizinusöl ist ein vielseitiges, günstiges Pflegeöl mit einem interessanten Fettsäureprofil. Topisch angewendet ist es bei den meisten Menschen gut verträglich und eignet sich besonders für intensive Haarpflege sowie sehr trockene Hautstellen. Die orale Anwendung als Abführmittel gehört in ärztliche Hände. Wer Rizinusöl zum ersten Mal ausprobiert, sollte einen Hauttest machen.
Quellen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.) – Monographie Rizinusöl (Oleum Ricini).
- EFSA Scientific Opinion on the safety of castor oil as a food additive (EFSA Journal 2017).
- Merriam-Webster Medical Dictionary: Castor oil – Definition und Pharmakologie.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
