Brunnenkresse

Kurze Antwort

Brunnenkresse (Nasturtium officinale, Familie Brassicaceae) ist eine wasserbewohnende Wildpflanze aus der Familie der Kreuzblütler und gehört zu den nährstoffreichsten essbaren Wildkräutern Mitteleuropas. Bereits eine Tasse (34 g) frische Brunnenkresse überschreitet den empfohlenen Tagesbedarf an Vitamin K und liefert bedeutende Mengen Vitamin C, Vitamin A sowie Glucosinolate mit krebspräventiven Eigenschaften im Tierversuch.

Brunnenkresse auf einen Blick
Botanisch Nasturtium officinale, Familie Brassicaceae
Lebensraum Saubere, fliessende Gewässer, Quellen; in der Schweiz heimisch
Kaloriengehalt Extrem kalorienarm: ca. 3,7 kcal / Tasse (34 g)
Vitamin K (34 g) >100 % NRV (Vitamin K₁ für Blutgerinnung und Knochenstoffwechsel)
Weitere Nährstoffe Vitamin C (~24 % NRV), Vitamin A (~22 % NRV), Beta-Carotin, Lutein, Zeaxanthin
Glucosinolate PEITC (Phenethylisothiocyanat) nach enzymatischer Spaltung; krebspräventiv in Studien
Wichtige Wechselwirkung Antikoagulantien (Warfarin / Sintrom): Vitamin K beeinflusst Blutgerinnung

Brunnenkresse wächst an klaren Quellen und Bächen – ein zartes, pfeffriges Kraut, das in der Küche Tradition hat und gleichzeitig ein beeindruckendes Nährstoffprofil aufweist. In Frankreich und England ist sie seit Jahrhunderten kultiviert; in der Schweiz wächst sie wild an sauberen Fliessgewässern. Wer sie wild sammelt, sollte die Wasserqualität im Blick haben.

Botanik und Lebensraum

Brunnenkresse ist ein ausdauerndes Kraut, das in flachen Bächen, Quellen und Gräben mit klarem, kühlem Wasser wächst. Sie kann bis zu 60 cm lang werden und treibt an den Knoten Wurzeln aus. Die weissen Blüten erscheinen von April bis Oktober. Als Kreuzblütler ist sie verwandt mit Senf, Meerrettich und Kapuzinerkresse – von denen sie auch die scharfwürzigen Schwefelverbindungen teilt.

Wildes Sammeln vs. kultivierte Ware

Wild gesammelte Brunnenkresse kann mit Leberegeln (Fasciola hepatica) kontaminiert sein, wenn Weidetiere Zugang zum Gewässer haben. Beim Kauf von kultivierter Brunnenkresse (im Handel als Wasserkresson) entfällt dieses Risiko. Wildsammlungen sollten nur aus bestätigten sauberen Quellen stammen; rohe Verarbeitung ist riskant. Einige Experten empfehlen, wild gesammeltes Kresse vor dem Verzehr kurz zu blanchieren.

Nährstoffe und bioaktive Substanzen

Brunnenkresse besticht durch ihr extremes Nährstoff-zu-Kalorie-Verhältnis. Die 3,7 kcal einer Tasse (34 g) stehen einem Vitamin-K-Gehalt gegenüber, der über den NRV hinausgeht. Vitamin K₁ ist essenziell für die Blutgerinnung und den Knochenstoffwechsel. Dazu kommen Beta-Carotin (Vitamin A), Lutein und Zeaxanthin (Augen-Carotinoide) sowie Vitamin C.

Glucosinolate und Isothiocyanate

Wie alle Kreuzblütler enthält Brunnenkresse Glucosinolate, aus denen beim Zerkleinern Isothiocyanate entstehen – darunter Phenethylisothiocyanat (PEITC). Im Tierversuch und in Zellstudien zeigten sich krebspräventive Eigenschaften. Klinische Humanstudien stehen noch aus; der Mechanismus über Entgiftungsenzyme (Phase-II-Enzyme) ist wissenschaftlich gut dokumentiert.

Brunnenkresse: % des NRV je 34 g (1 Tasse)Vitamin K>100 %Vitamin C~24 %Vitamin A~22 %Kalzium~4 %Mangan~6 %NRV nach EU-VO 1169/2011 · bei nur ~3,7 kcal pro Tasse
Brunnenkresse: Ein bemerkenswertes Nährstoff-Dichte-Verhältnis – besonders Vitamin K weit über den NRV bei minimalen Kalorien.

Brunnenkresse in der Küche

  • Frischer Salat: pfeffrig-würzig, passt zu Käse, Rote Bete und Zitrusdressings.
  • Suppe: klassische Watercress Soup (britische Küche) oder Frühlingssuppen.
  • Sandwich / Wraps: als nährstoffreiche Basis anstelle von Kopfsalat.
  • Pesto: zusammen mit Parmesan, Nüssen und Olivenöl – intensiver Geschmack.

Wechselwirkungen und Hinweise

Der sehr hohe Vitamin-K-Gehalt ist die wichtigste Wechselwirkung: Bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin, Phenprocoumon / Sintrom) kann regelmässiger Konsum grösserer Mengen Brunnenkresse den Gerinnungswert (INR) verschieben. Wer Blutverdünner nimmt, sollte den Kressekonsum mit dem ärztlichen Team absprechen. Für eine weitere Wechselwirkung mit Chlorzoxazon (einem Muskelrelaxans) gibt es Hinweise; in normalen Speisemengen ist dieses Risiko aber gering.

Häufige Fragen

Ist Brunnenkresse und Gartenkresse dasselbe?

Nein. Brunnenkresse (Nasturtium officinale) wächst im Wasser. Gartenkresse (Lepidium sativum) wird auf Erde gezogen. Beide sind Kreuzblütler mit scharfem Geschmack, aber verschiedene Pflanzen.

Warum ist Brunnenkresse beim Wilden Sammeln riskant?

An Gewässern mit Weidezugang können Leberegel-Metazerkarien auf Brunnenkresse haften. Kurzes Blanchieren oder der Kauf kultivierter Ware eliminiert dieses Risiko.

Nimmt Kochen dem Vitamin K etwas weg?

Vitamin K ist hitzestabil und geht durch kurzes Kochen oder Blanchieren kaum verloren. Vitamin C hingegen ist hitzeempfindlich – frische Zubereitung bevorzugen.

Kann Brunnenkresse bei Warfarin ein Problem sein?

Ja. Der hohe Vitamin-K-Gehalt kann die Wirkung von Warfarin und anderen Vitamin-K-Antagonisten abschwächen. Menschen, die solche Blutverdünner nehmen, sollten den Kressekonsum konsistent halten und mit dem Arzt besprechen.

Gibt es EU-Health-Claims für Brunnenkresse?

Nicht spezifisch für Brunnenkresse als Pflanze. Die zugelassenen Health Claims für Vitamin K (Blutgerinnung, Knochenstoffwechsel) und Vitamin C (Immunfunktion, Antioxidans) gelten für diese Nährstoffe in allen Lebensmitteln, die sie enthalten – auch Brunnenkresse.

Fazit

Brunnenkresse ist ein Nährstoff-Powerhouse mit aussergewöhnlichem Vitamin-K-Reichtum bei minimalen Kalorien. Ihre Glucosinolate sind wissenschaftlich interessant, klinische Aussagen zu krebspräventiven Effekten beim Menschen stehen noch aus. Als Küchenkraut aus dem Handel ist sie sicher und empfehlenswert – besonders für alle, die ihr Vitamin-K-Profil stärken möchten.

Quellen

  1. USDA FoodData Central – Watercress, raw (FDC ID 170068), Stand 2023.
  2. Rose P. et al. (2000): Isothiocyanates from watercress as a biomarker of diet. Carcinogenesis 21(11):1983–1988.
  3. EU-Verordnung 432/2012 – zugelassene Health Claims für Vitamin K (Blutgerinnung, Knochenstoffwechsel).

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.