Lebermoos

Kurze Antwort

Lebermoos ist der volkstümliche Sammelbegriff für leberartig gelappte Moospflanzen, allen voran das Gemeine Lebermoos (Marchantia polymorpha) – eines der ältesten Landpflanzengeschlechter der Erde. In der Pflanzenkunde gehören Lebermoose (Marchantiophyta) zu den Bryophyten; sie haben weder Wurzeln noch Leitgefässe.

Lebermoos auf einen Blick
Botanisch Marchantia polymorpha (Gemeines Lebermoos)
Abteilung Marchantiophyta (Lebermoose)
Namensgebung lappige, leberartige Form des Thallus (Pflanzenkörpers)
Vorkommen weltweit auf feuchten, schattigen Böden, Felsen, Mauern
Besonderer Inhaltsstoff Marchantin (Bisbibenzylen), Flavonoide; Radula perrottetii: Perrottetin E
Anwendung keine etablierte Anwendung in der CH/EU-Ernährung oder Kosmetik

Das Gemeine Lebermoos kennen viele als flache, grün-glänzende Pflanzenmasse auf nassen Steinen, Wegen oder Blumenerde in Innenräumen. Was viele nicht wissen: Es ist eine der evolutionär ältesten Landpflanzen überhaupt, nahe verwandt mit den Urformen des Pflanzenreichs. In der Ernährung und klassischen Pflanzenheilkunde der Schweiz und Deutschland spielt Lebermoos keine etablierte Rolle.

Botanik und Vielfalt der Lebermoose

Lebermoose sind eine eigene Abteilung (Marchantiophyta) mit rund 9.000 Arten weltweit. Die bekannteste Art ist Marchantia polymorpha. Sie wächst thallusförmig – als flacher, ungegliederter Pflanzenkörper ohne echte Wurzeln. Fortpflanzung geschieht geschlechtlich (über schirmförmige Strukturen) und ungeschlechtlich (über Gemmen in becherförmigen Vertiefungen).

Leberblümchen: oft verwechselt

Das Leberblümchen (Hepatica nobilis) ist kein Moos, sondern eine Blütenpflanze (Ranunculaceae). Es wird wegen ähnlich klingender Namen und der lobulierten Blattform oft mit Lebermoosen verwechselt. Leberblümchen und Lebermoose sind botanisch nicht verwandt. Im Volksmund wird «Lebermoos» manchmal auch für Leberblümchen verwendet – eine Ungenauigkeit, die zu Verwechslungen führt.

Inhaltsstoffe und Forschungsstand

Marchantia polymorpha enthält mehrere Stoffklassen, die wissenschaftlich untersucht werden:

  • Marchantine (Bisbibenzylen): eine für Lebermoose typische Verbindungsklasse, die auf antimikrobielle und antifungale Eigenschaften untersucht wird.
  • Flavonoide (Quercetin, Luteolin): natürliche Antioxidantien, auch in vielen Gemüsen und Kräutern vorhanden.
  • Terpenoide: geben dem Lebermoos seinen charakteristischen Geruch.

Radula perrottetii und Perrottetin E

Eine nahe verwandte Lebermoosart, Radula perrottetii, enthält den Stoff Perrottetin E – eine dem Tetrahydrocannabinol (THC) chemisch ähnliche Verbindung. Forscher der Universität Bern haben auf diese Ähnlichkeit hingewiesen. Radula perrottetii ist in Europa selten; Perrottetin E ist in der Schweiz und der EU nicht als Supplement zugelassen und stellt keine etablierte Anwendung dar.

Häufige Verwechslungen rund ums LebermoosLebermoosMarchantia polymorphaMoos, kein GefässLeberblümchenHepatica nobilisBlütenpflanze (Ranunculaceae)Laubmoosz. B. Mnium spp.anderer Stamm (Bryophyta)Alle drei werden im Volksmund manchmal als «Lebermoos» bezeichnet – botanisch sind sie verschieden
Lebermoos, Leberblümchen und Laubmoose werden im Volksmund oft durcheinandergebracht – botanisch handelt es sich um ganz verschiedene Pflanzengruppen.

Keine etablierte Nahrungsergänzung

Lebermoose sind in der Schweiz und der EU weder als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen noch als traditionelles Lebensmittel etabliert. Es liegen keine klinischen Studien zu Sicherheit und Verträglichkeit für Menschen vor. Von einem Eigenversuch mit wild gesammeltem Lebermoos ist abzuraten: Lebermoose wachsen oft auf kontaminierten Böden, und die Inhaltsstoffe wurden am Menschen nicht systematisch untersucht.

Häufige Fragen

Ist Lebermoos dasselbe wie Leberblümchen?

Nein. Das Leberblümchen (Hepatica nobilis) ist eine Blütenpflanze der Familie Ranunculaceae. Das Gemeine Lebermoos (Marchantia polymorpha) ist ein echtes Moos ohne Blüten, Wurzeln oder Leitgefässe. Die Namen klingen ähnlich, die Pflanzen sind jedoch botanisch nicht verwandt.

Was ist Perrottetin E und aus welchem Moos stammt es?

Perrottetin E ist eine cannabinoidähnliche Verbindung aus dem tropischen Lebermoos Radula perrottetii. Forscher der Universität Bern haben die chemische Ähnlichkeit zu THC beschrieben. Radula perrottetii ist in Europa selten; Perrottetin E ist in der Schweiz nicht als Supplement zugelassen.

Hat Lebermoos eine Anwendung in der Naturheilkunde?

Es existieren historische Hinweise auf volksheilkundliche Verwendungen, aber keine wissenschaftlich belegte Anwendung in der modernen Naturheilkunde oder Phytotherapie der Schweiz und EU. Entsprechende Produkte fehlen auf dem Markt.

Kann ich Lebermoos essen oder als Tee trinken?

Das ist nicht empfehlenswert. Lebermoose enthalten Stoffe, die am Menschen nicht systematisch auf Sicherheit geprüft wurden. Wild gesammeltes Moos kann zudem Schwermetalle oder Pflanzenschutzmittel aus dem Umfeld aufgenommen haben.

Warum heisst das Lebermoos so?

Der Name geht auf die lappige, leberfarbene und leberähnlich geformte Struktur des Thallus (Pflanzenkörpers) zurück. In früheren Jahrhunderten leitete man daraus eine mögliche Heilwirkung bei Leberleiden ab (Signaturlehre) – ein heute überholtes Konzept.

Fazit

Lebermoos (Marchantia polymorpha) ist ein faszinierendes Urgestein des Pflanzenreichs mit interessanten Inhaltsstoffen, die in der Wissenschaft untersucht werden. Als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel hat es in der Schweiz und der EU keine zugelassene Anwendung. Wer sich für die Botanik interessiert, findet in Lebermoosen eine bemerkenswerte Pflanzengruppe – von der inneren Einnahme ist jedoch abzuraten.

Quellen

  1. Asakawa Y.: Chemical constituents of Marchantiophyta. Progress in the Chemistry of Organic Natural Products 95:1–630, 2012.
  2. Appendino G. et al.: Cannabinoid-like compound in a liverwort (Radula perrottetii). Journal of Natural Products 72(5):912–916, 2009.
  3. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Novel Food und Botanicals – Gesetzliche Grundlagen, Bern 2024.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.