DMSO – hochreines Dimethylsulfoxid in 99,9% pharmazeutischer Qualität

DMSO gdp
Kurze Antwort

DMSO (Dimethylsulfoxid) ist eine natürlich vorkommende organische Schwefelverbindung, die seit 1866 bekannt ist und im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) als Rohstoff geführt wird. Als bipolares Lösungsmittel durchdringt DMSO Zellmembranen aussergewöhnlich schnell und kann so als Trägerstoff für andere Wirkstoffe dienen. Gesundheitsbehörden warnen ausdrücklich vor unkritischer Selbstbehandlung ohne ärztliche Abklärung.

DMSO auf einen Blick
Chemische Bezeichnung Dimethylsulfoxid (auch: Methylsulfinylmethan, Sulfinyldimethan)
Entdeckt von Dr. Alexander M. Saizew, russischer Chemiker, 1866
Zertifizierung Ph. Eur. (Europäisches Arzneibuch), pharmazeutische Reinheit 99,9 %
Behältnismaterial Glas oder HDPE (kein anderer Kunststoff – löst Schadstoffe heraus)
Charakteristisches Merkmal Knoblauch-/Austerngeruch nach Einnahme (über Atem und Haut)
Regulierung CH/EU Kein zugelassenes Arzneimittel zur Selbstbehandlung; Ph. Eur.-Rohstoff

DMSO entsteht natürlich im Meer und gelangt über Verdunstung in die Atmosphäre sowie zurück mit dem Regen in Boden und Wasser. Es war zunächst ein reines Industrielösungsmittel, bis Anfang der 1960er Jahre US-amerikanische Transplantationsmediziner bemerkten, dass Organe in DMSO-Lösung länger haltbar blieben. Seitdem wird die Substanz intensiv erforscht, vor allem in Hinblick auf ihre Trägerstoffeigenschaft und entzündungshemmende Wirkung – eine endgültige arzneimittelrechtliche Zulassung für die meisten behaupteten Anwendungen steht aus.

Warum ist DMSO so penetrierend?

DMSO kann sowohl fettlösliche (lipophile) als auch wasserlösliche (hydrophile) Substanzen aufnehmen. Das ist aussergewöhnlich: Die meisten Lösungsmittel können das nicht. Diese Eigenschaft erklärt, warum DMSO

  • Zellmembranen leicht durchdringt und Gelenkkapseln, Fettgewebe und sogar die Blut-Hirn-Schranke erreicht,
  • als Trägerstoff die Aufnahme anderer Substanzen beschleunigt – gewollte Wirkstoffe, aber auch Schadstoffe aus falschem Behältermaterial.

Kritischer Punkt: HDPE-Pflicht

DMSO löst aus herkömmlichen Kunststoffen Weichmacher, Stabilisatoren und andere Chemikalien heraus und schleust sie in den Körper ein. Erlaubt sind ausschliesslich Glasgefässe oder Behälter aus HDPE (High-Density-Polyethylen). Wer Pipetten, Sprühköpfe oder Einwegspritzen aus anderen Kunststoffen verwendet, gefährdet sich selbst.

Anwendungsbereiche und Forschungsstand

Äussere Anwendung

Am besten belegt ist die topische (äussere) Anwendung von DMSO. Klinische Belege existieren für:

  • Arthritis/Arthrose: Mehrere Studien zeigen Schmerzlinderung bei äusserlicher Applikation (25–70 % Lösung je nach Körperregion); die FDA liess DMSO-haltige Präparate zur Blasenspülung zu (interstitielle Zystitis).
  • Sportverletzungen: Beschleunigte Resorption von Hämatomen und Schwellungen; Studien publiziert in Pubmed 25899864.
  • Wundheilung: Unterstützung der Regeneration geschädigter Haut bei leichten Verbrennungen und Schürfwunden (Pubmed 6576717).

Innere Anwendung (oral)

Die orale Einnahme stark verdünnter DMSO-Lösungen (1–2 % in Wasser) wird in Alternativmedizin-Kreisen propagiert, ist aber ärztlich kaum kontrollierbar. Typische Empfehlung lautet 0,1 g pro kg Körpergewicht, stark verdünnt. Schon 10 % Lösung kann Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Für die innere Anwendung fehlen robuste klinische Studien zu Nutzen und Langzeitsicherheit.

DMSO: Anwendung und Evidenzgrad (schematisch)Äussere AnwendungSportverletzungenInnere EinnahmeAugentropfenStudienbelege vorhandenStudienbelege vorhandenDatenlage dünnExperimentellIn allen Fällen: bei Erkrankungen immer zuerst ärztliche AbklärungPh. Eur.-Zertifikat = pharmazeutische Reinheit, kein Wirksamkeitsnachweis für spezifische Indikationen
DMSO als äusseres Mittel bei Gelenk- und Sportverletzungen hat die breiteste Studienbasis; innere Einnahme ist weniger belegt.

Sicherheitshinweise und Kontraindikationen

Die Einnahme und Anwendung von DMSO birgt spezifische Risiken, die nicht unterschätzt werden dürfen:

  • Kontraindiziert bei Neurodermitis, Schuppenflechte (kann Symptome verstärken).
  • Kontraindiziert bei Diabetes mellitus sowie Leber- und Nierenerkrankungen (Auswirkungen auf Stoffwechsel und Ausscheidung).
  • Schwangerschaft und Stillzeit: nicht empfohlen; Kinder unter 6 Jahren ausschliessen.
  • Knoblauchgeruch: Das Abbauprodukt Dimethylsulfid wird über Atem und Haut ausgeschieden – dieser Geruch lässt sich 24–48 Stunden nicht vermeiden.
  • Wärmeentwicklung: Beim Verdünnen mit Wasser entsteht eine exotherme Reaktion; langsam mischen.

Häufige Fragen

Was bedeutet «Ph. Eur.» bei DMSO?

Ph. Eur. steht für Pharmacopoea Europaea – das Europäische Arzneibuch. Die Bezeichnung garantiert einen Reinheitsgrad von 99,9 %, besagt aber nicht, dass das Produkt für konkrete Heilzwecke zugelassen oder getestet wurde.

Welchen Behälter darf ich für DMSO verwenden?

Ausschliesslich Glas (Braungas oder Mironglas) oder HDPE-Kunststoff. Alle anderen Kunststoffe geben Schadstoffe an DMSO ab, die dann in den Körper gelangen.

Kann ich DMSO innerlich einnehmen?

In sehr niedrigen Konzentrationen (1–2 %) wird es in der Alternativmedizin eingesetzt. Klinische Belege für spezifische heilende Wirkungen fehlen; es gibt keine offizielle Indikation für die orale Einnahme. Ohne ärztliche Absprache ist davon abzuraten.

Was tun, wenn DMSO auf der Haut juckt oder brennt?

Sofort mit Wasser abspülen und die Konzentration beim nächsten Mal reduzieren. Leichtes Kribbeln und Rötung sind normal; starker Juckreiz oder Blasenbildung sind ein Zeichen, die Anwendung zu beenden und ärztlichen Rat einzuholen.

Kann DMSO als Trägerstoff für andere Naturheilmittel dienen?

Ja, das ist einer der häufigsten Einsatzbereiche. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: DMSO transportiert nicht nur erwünschte Wirkstoffe, sondern auch Schadstoffe aus unreinen Substanzen oder falschem Behältermaterial direkt in den Körper.

Fazit

DMSO ist eine biologisch aktive Substanz mit dem seltenen Vermögen, sowohl fett- als auch wasserlösliche Stoffe in den Körper zu schleusen. Für die äussere Anwendung bei Gelenkentzündungen und Sportverletzungen gibt es solide Hinweise; für Heilversprechen bei inneren Erkrankungen fehlt die Beweislage. Die HDPE-Pflicht und die langen Kontraindikationslisten zeigen, dass DMSO kein harmloses Hausmittel ist. Pharmazeutische Reinheit (Ph. Eur.) und ärztliche Abklärung vor der Anwendung sind das Mindeste.

Quellen

  1. Santos N. C. et al.: «Multifaceted uses and effects of dimethyl sulfoxide», Biochemistry and Molecular Biology Education, 2003.
  2. Brien S. et al.: «Systematic review of the nutritional supplements dimethyl sulfoxide and methylsulfonylmethane», Health Technology Assessment, 2008 (Pubmed 18616888).
  3. European Pharmacopoeia (Ph. Eur.): Monograph Dimethyl sulphoxide, aktuelle Ausgabe.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.