Eibischwurzel ist das getrocknete Rhizom und die Wurzel des Echten Eibischs (Althaea officinalis L.), einer mehrjährigen Malvengewächspflanze aus Europa und Westasien, die seit der Antike wegen ihrer schleimstoffreichen Eigenschaften in der Pflanzenheilkunde eingesetzt wird. Der hohe Schleimstoffgehalt (Polysaccharide wie Pektin und Arabinogalactan) macht die Wurzel zu einem klassischen Demulgens – einem Stoff, der sich auf Schleimhäute schützend und reizmildernd legt. Aus Eibischsaft wurde in früheren Jahrhunderten übrigens der Vorläufer des modernen Marshmallows hergestellt.
| Botanischer Name | Althaea officinalis L. |
|---|---|
| Familie | Malvengewächse (Malvaceae) |
| Verwendete Teile | Wurzel (Radix Althaeae), auch Blätter und Blüten |
| Hauptinhaltsstoffe | Schleimpolysaccharide (bis 35 % i. d. Wurzel), Pektin, Flavonoide, Phenolsäuren |
| Traditionelle Indikationen | Reizhusten, Mundschleimhautreizung, Halsbeschwerden (EMA-HMPC) |
| Besonderer Hinweis | Schleimstoff kann Medikamentenabsorption im Magen-Darm-Trakt verlangsamen |
Der Name «Althaea» leitet sich vom griechischen «althainein» (heilen) ab. Die blaufilzigen Blätter und rosa Blüten des bis zu 2 Meter hohen Echten Eibischs sind an Feuchtstandorten in ganz Europa zu finden. In der europäischen Klostermedizin und der arabischen Heilkunde war er ein wichtiges Mittel gegen Reizhusten, Halsschmerzen und Verdauungsbeschwerden. Der Schleimstoff wird durch Kaltauszug besonders gut gewonnen – heisses Wasser kann den Schleim teilweise abbauen.
Inhaltsstoffe und Wirkmechanismus
Die therapeutisch relevanten Eigenschaften der Eibischwurzel sind direkt an ihren Schleimstoffgehalt geknüpft:
- Schleimpolysaccharide (Pektin, Arabinogalactane, Glucomannane): Bis zu 35 % in der getrockneten Wurzel; bilden bei Kontakt mit Wasser ein visköses, schützend-bedeckendes Gel auf Schleimhäuten
- Phenolische Verbindungen (Hydroxyzimtsäuren, Quercetin, Kaempferol): Antioxidative Eigenschaften in vitro; Kumarine in geringen Mengen
- Aminosäuren: Asparagin und weitere freie Aminosäuren in der Wurzel
- Sterole: Beta-Sitosterol in Spurenmengen
Der physikalische Schutzeffekt der Schleimschicht ist gut verstanden: Der Schleim legt sich auf die gereizte Mukosa (Mund, Rachen, Speiseröhre) und schützt sie vor Irritantien. Entzündliche Prozesse werden dadurch nicht direkt gehemmt, aber die mechanische Schutzschicht kann subjektive Symptome lindern.
EMA-Monographie und anerkannte Anwendungen
Das HMPC der EMA hat für Eibischwurzel eine Monographie mit traditioneller Anwendung veröffentlicht. Anerkannte Indikationen («traditional herbal medicinal product»):
- Reizung der Mundschleimhaut und Rachenschleimhaut sowie damit verbundener trockener Reizhusten
- Leichte Beschwerden der Magen-Darm-Schleimhaut (Magenbeschwerden)
Diese Anerkennung basiert auf langjähriger Verwendungserfahrung, nicht auf klinischen Studien aus kontrollierten Trials. Für weitergehende medizinische Ansprüche (z. B. Wundheilung, Nierenprobleme, Herzgesundheit) liegen keine ausreichenden Belege vor.
Anwendungsformen
Für einen schleimstoffreichen Eibischwurzeltee empfiehlt sich ein Kaltauszug: 2–4 g getrocknete, grob zerkleinerte Wurzel in kaltes Wasser (ca. 200 ml) einlegen, 30 Minuten bis 2 Stunden ziehen lassen, dann abseihen und lauwarm trinken. Kochendes Wasser baut die empfindlichen Polysaccharide teilweise ab; der Kaltauszug bewahrt den Schleimstoffgehalt besser. Im Handel erhältlich als Teezubereitung, Tinktur, Pastillen und Sirup.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Eibischwurzel gilt als gut verträglich. Folgende Punkte sind zu beachten:
- Resorptionsverlangsamung: Der Schleim kann die Magenentleerung und damit die Aufnahme von Arzneimitteln verlangsamen. Eibisch daher zeitlich versetzt zu oralen Medikamenten einnehmen (mindestens 1 Stunde Abstand)
- Diabetes / Antidiabetika: Tierversuche zeigen mögliche blutzuckersenkende Effekte; bei laufender Diabetestherapie ärztlich abklären
- Schwangerschaft und Stillzeit: Keine ausreichenden Sicherheitsdaten; prophylaktisch meiden
- Lithium: Diuretische Eigenschaften könnten die Lithiumausscheidung beeinflussen; bei Lithiumtherapie Arzt befragen
Häufige Fragen
Wie macht man einen Kaltauszug aus Eibischwurzel?
2–4 g grob zerkleinerte Eibischwurzel in einem Glas mit etwa 200 ml kaltem Wasser verrühren, 30 bis 120 Minuten ziehen lassen, abseihen und bei Bedarf lauwarm erwärmen (nicht kochen). Der Kaltauszug liefert mehr wirksame Schleimpolysaccharide als ein heisser Tee.
Kann Eibischwurzel bei trockenem Reizhusten helfen?
Für diese Indikation ist Eibischwurzel gemäss EMA-HMPC-Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt. Der Schleimstoff legt eine schützende Schicht auf die Rachenschleimhaut und kann den Hustenreiz lindern. Bei anhaltendem Husten ärztlich abklären.
Was hat Eibischwurzel mit Marshmallows zu tun?
Die ersten «Marshmallows» im 19. Jahrhundert wurden tatsächlich aus dem süsslichen Saft der Eibischwurzel hergestellt – gemischt mit Eiweiss und Zucker. Heute sind kommerzielle Marshmallows aus Gelatine und Zucker und enthalten keinen echten Eibischextrakt mehr.
Muss ich beim Kauf auf etwas achten?
Auf die korrekte botanische Bezeichnung (Althaea officinalis, Radix Althaeae) achten, nicht mit Malve (Malva sylvestris) oder Hibiskus verwechseln. Qualitativ hochwertige Drogen sollten einen Schleimgehalt von mindestens 2 % gemäss Ph. Eur. aufweisen.
Ist Eibischwurzel für Kinder geeignet?
In Pastillenform wird Eibischwurzel-Extrakt traditionell auch für Kinder über 3 Jahren bei Reizhusten eingesetzt. Für Kinder unter 3 Jahren und Säuglinge keine Anwendung ohne ärztlichen Rat.
Fazit
Eibischwurzel ist ein klassisches, gut verträgliches pflanzliches Schleimhautmittel mit langer Tradition und EMA-Monographie-Anerkennung für Reizhusten und leichte Magen-Darm-Beschwerden. Die Wirkweise ist physikalisch und gut verstanden; der Kaltauszug ist die bevorzugte Zubereitungsform für maximalen Schleimstoffgehalt. Wechselwirkungen mit Medikamenten durch Resorptionsverlangsamung sollten durch zeitlichen Abstand vermieden werden.
Quellen
- EMA/HMPC: Community herbal monograph on Althaea officinalis L., radix (EMA/HMPC/256484/2013).
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.) – Monographie Eibischwurzel (Althaeae radix).
- Wichtl M. (Hg.): Teedrogen und Phytopharmaka, 6. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
