Klettenöl ist kein ätherisches Öl, sondern ein Pflanzenmazerat: Wurzeln der Grossen Klette (Arctium lappa) werden in einem Trägeröl eingelegt, wodurch fettlösliche Wirkstoffe übergehen. Traditionell wird es in der Haarpflege eingesetzt – zum Einmassieren in Kopfhaut und Haarlängen. Vor jeder Anwendung ist eine Verdünnung bzw. Einwirkzeit zu beachten.
| Stammpflanze | Arctium lappa (Grosse Klette) |
|---|---|
| Typ | Mazerat (Pflanzenöl-Extrakt), kein ätherisches Öl |
| Gewinnungsteil | Wurzel (getrocknet, in Trägeröl eingelegt) |
| Hauptstoffe | Inulin (bis 50 % in der Wurzel), Arctiin, Linolsäure |
| Anwendung | topisch: Kopfhaut, Haare; unverdünnt nicht in Augen |
| Hinweis | Trägeröl variiert (Sesam, Sonnenblume, Oliven) – Etikette lesen |
Die Klette ist vielen als hartnäckiges Unkraut bekannt – ihre Wurzel dagegen hat eine lange Tradition in der asiatischen und europäischen Naturkosmetik. Was als «Klettenöl» verkauft wird, ist in der Regel ein Mazerat: getrocknete Klettenwurzel wird in einem Trägeröl über Wochen ausgezogen. Das Ergebnis ist ein kräftiges, häufig dunkelbraunes bis grünliches Öl.
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Herkunft und Gewinnung
Die Grosse Klette (Arctium lappa) ist in Europa und Asien heimisch und wächst auf nährstoffreichen Böden. Für das Mazerat werden die Wurzeln im Herbst oder Frühling gegraben, getrocknet und dann in einem neutralen oder passenden Trägeröl – oft Sesamöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl – mehrere Wochen ausgezogen. Durch das Mazerieren gehen fettlösliche Pflanzenstoffe ins Öl über; wasserlösliche Stoffe wie Inulin verbleiben grösstenteils in der Pflanzenmasse.
Was steckt in der Klettenwurzel?
- Inulin (Hauptspeicherstoff, bis 50 %): ein unverdauliches Polysaccharid; relevant für die Pflanzenmasse, im Mazerat kaum löslich.
- Arctiin: ein Lignan-Glykosid, das in der Forschung untersucht wird.
- Linolsäure und weitere Fettsäuren (aus dem Trägeröl mitbestimmt).
- Geringe Mengen Phytosterole und Phenolsäuren.
Anwendung in der Haarpflege
Klettenöl wird traditionell in die Kopfhaut einmassiert und einige Stunden – häufig über Nacht – einwirken gelassen. Danach wird es gründlich ausgewaschen. Das Öl ist schwer und kann das Haar beschweren, wenn es nicht vollständig ausgespült wird. Aufgrund des Eigengewichts eignet es sich für trockene, poröse oder brüchige Haare; feines Haar kann es belasten.
Hinweise und Sicherheit
Klettenöl ist ein Kosmetikprodukt, kein Arzneimittel. Für die innere Anwendung von Klettenöl-Mazeraten gibt es keine gesicherte Grundlage; harntreibende Wirkungen werden der Klettenwurzel als Tee oder Tinktur zugeschrieben, nicht dem Öl. Bei Korbblütler-Allergien (z. B. Beifuss, Chrysantheme, Kamille) ist Vorsicht angebracht, da Kreuzreaktionen möglich sind. Bei Kopfhautreizungen den Hauttest zuerst an der Ellenbeuge machen und 24 Stunden abwarten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Klettenöl und einem ätherischen Öl?
Klettenöl ist ein Mazerat: Pflanzenwurzel wird in Fettöl eingelegt. Ätherische Öle entstehen durch Destillation und sind hochkonzentrierte, flüchtige Substanzen. Klettenöl enthält kein ätherisches Öl.
Wie lange soll Klettenöl einwirken?
Mindestens 30 Minuten, traditionell über Nacht unter einem Handtuch. Anschliessend gründlich mit einem milden Shampoo auswaschen – ein Durchgang reicht oft nicht.
Kann ich Klettenöl täglich verwenden?
Tägliche Anwendung ist nicht üblich und kann feines Haar belasten. Einmal pro Woche als Pflegekur ist die häufige Empfehlung.
Ist Klettenöl bei Korbblütler-Allergie problematisch?
Möglicherweise. Arctium lappa gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Bei bekannter Allergie auf Beifuss, Kamille oder Chrysanthemen sollte vor der Anwendung ärztlicher Rat eingeholt werden.
Kann man Klettenöl innerlich einnehmen?
Das Mazerat ist kein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Innere Anwendungen von Klettenwurzel erfolgen als Tee oder Tinktur – nicht als Öl.
Fazit
Klettenöl ist ein bewährtes Haarpflege-Mazerat mit einer langen Tradition in der asiatischen und europäischen Naturkosmetik. Es enthält fettlösliche Inhaltsstoffe der Klettenwurzel und wird topisch in Kopfhaut und Haare einmassiert. Als Kosmetikum ohne zugelassene Heilaussagen ist die richtige Anwendung entscheidend: einmassieren, einwirken lassen, gründlich ausspülen.
Quellen
- Chan Y.S. et al.: A review of the pharmacological effects of Arctium lappa (burdock). Inflammopharmacology 19(5):245–254, 2011.
- Wichtl M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka, 5. Aufl. – Klettenwurzel-Monographie.
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Kosmetika – Gesetzliche Grundlagen, Bern 2024.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
