Tamarinde

Kurze Antwort

Die Tamarinde (Tamarindus indica) ist ein tropischer Hülsenfrüchtler aus Afrika, dessen süss-saure Fruchtpulpe seit Jahrtausenden als Gewürz, Säuerungsmittel und Heilpflanze in der Ayurveda-Medizin sowie der westafrikanischen und südostasiatischen Küche verwendet wird. Die Fruchtpulpe enthält Weinsäure (8–18 %), B-Vitamine, Kalium, Eisen und Polyphenole. Eine wenig bekannte Interaktion: Tamarinde kann die Resorption von Aspirin und Ibuprofen erhöhen und die Wirkung von Antidiabetika beeinflussen.

Tamarinde auf einen Blick
Botanischer Name Tamarindus indica
Familie Fabaceae (Hülsenfrüchtler)
Herkunft Tropisches Afrika; heute Asien, Lateinamerika
Geschmack süss-sauer, mild fruchtig; Leitgeschmack: Weinsäure
Kalorien ~239 kcal/100 g Fruchtpulpe
Hauptinhaltsstoffe Weinsäure, Thiamin (B1), Kalium, Eisen, Polyphenole
Wechselwirkungen Aspirin/Ibuprofen (erhöhte Resorption), Antidiabetika

Tamarinde ist in der Weltküche weit verbreitet: als Grundlage von Worcestershire-Sauce, als Säuerungsmittel in indischen Chutneys und Currys, als Basis für mexikanische Süssigkeiten und tropische Erfrischungsgetränke. In der Ayurveda-Medizin und in der westafrikanischen Ethnobotanik wird die ganze Pflanze (Früchte, Blätter, Samen, Rinde) für zahlreiche Anwendungen beschrieben.

Herkunft, Anbau und Geschichte

Tamarindus indica stammt wahrscheinlich aus dem tropischen Afrika – viele Forscher nehmen das sudanesische Trockenwaldgebiet als Ursprung an. Im Laufe der Jahrtausende verbreitete sie sich nach Indien, wo sie seit über 3 000 Jahren kultiviert wird. Arabische Händler brachten die Tamarinde im Mittelalter nach Südeuropa; ihr Name leitet sich vom arabischen „tamar hindī» (Indische Dattel) ab.

Kulinarische Verwendung weltweit

  • Indien: Grundlage für Tamarindenpaste in Currys, Dal und Sambhar; Chutney-Komponente
  • Mexiko & Lateinamerika: Süssigkeiten (dulces de tamarindo), Erfrischungsgetränk Tamarindo
  • Thailand: Pad Thai – Tamarindenpaste als Säuerungsmittel
  • Westafrika: Dakhar (Senegalesisches Tamarindengetränk), Locust-Bean-Paste
  • Industriell: Worcestershire-Sauce, Fruchtkonzentrate, saure Süssigkeiten

Nährstoffe und Inhaltsstoffe

100 g rohe Tamarindenfruchtpulpe enthalten laut USDA:

  • Energie: 239 kcal
  • Kohlenhydrate: 62,5 g (davon Zucker 57,4 g)
  • Ballaststoffe: 5,1 g
  • Thiamin (B1): 0,43 mg (39 % NRV)
  • Kalium: 628 mg
  • Eisen: 2,8 mg
  • Magnesium: 92 mg
  • Vitamin C: 3,5 mg

Der Gehalt an Weinsäure (8–18 % der Trockenmasse) macht Tamarinde zu einer der reichhaltigsten natürlichen Weinsäurequellen überhaupt. Weinsäure ist ein natürliches Antioxidans und gibt der Tamarinde ihr charakteristisches Säureprofil.

Ausgewählte Nährstoffe – 100 g Tamarinden-FruchtpulpeKalium628 mgThiamin (B1)0,43 mg (39% NRV)Magnesium92 mgEisen2,8 mgVitamin C3,5 mgQuelle: USDA FoodData Central · Werte gerundet · NRV = EU-Nährstoffbezugswert
Tamarinde punktet vor allem beim Kalium- und Thiamingehalt; ihr hoher Zuckergehalt ist bei diabetischer Ernährung zu beachten.

Wechselwirkungen mit Arzneimitteln

Tamarinde ist für ihre Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten bekannt – dies ist klinisch relevant, wenn grössere Mengen Tamarindenpaste oder -extrakt konsumiert werden:

  • Aspirin (ASS) und Ibuprofen: Studien zeigen, dass Tamarinde die Resorption dieser NSAR erhöhen kann – vermutlich durch pH-Veränderung im Magen-Darm-Trakt. Das kann die Plasmaspiegel erhöhen und das Blutungsrisiko steigern.
  • Antidiabetika: Tamarinde kann den Blutzucker senken; bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente (Metformin, Insulin u. a.) besteht ein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko.
  • Antihypertensiva: Einige Quellen beschreiben potenzielle additive blutdrucksenkende Effekte; Beratung empfohlen bei Blutdruckmitteln.

Diese Wechselwirkungen sind bei normalem kulinarischen Konsum (z. B. ein Teelöffel Paste) wahrscheinlich klinisch vernachlässigbar. Relevant ist die Information bei medizinischen Dosen, Nahrungsergänzungsmitteln oder bei gleichzeitiger Dauermedikation.

Häufige Fragen

Wofür wird Tamarinde in der Küche eingesetzt?

Tamarinde wird als Säuerungsmittel in Currys, Chutneys und Saucen verwendet, ist Basis für Worcestershire-Sauce und für Erfrischungsgetränke in Mexiko, Lateinamerika und Westafrika beliebt. Pad Thai enthält klassischerweise Tamarindenpaste.

Ist Tamarinde gut für die Verdauung?

Tamarinde enthält Ballaststoffe (5,1 g/100 g) und wird in traditionellen Medizinen als mildes Abführmittel beschrieben. EU-zugelassene gesundheitsbezogene Angaben für Tamarinde gibt es jedoch keine; der Beitrag zu Verdauungsfunktionen ist nicht offiziell zugelassen.

Kann man Tamarinde bei Diabetes essen?

Tamarindenpulpe hat einen relativ hohen Zuckergehalt (57 g/100 g). Zudem kann Tamarinde den Blutzucker senken, was bei gleichzeitiger Einnahme von Antidiabetika das Risiko einer Unterzuckerung erhöht. Ärztliche Rücksprache ist empfohlen.

Warum wechselwirkt Tamarinde mit Schmerzmitteln?

Studien zeigen, dass Tamarinde die gastrointestinale Resorption von Aspirin und Ibuprofen erhöhen kann – wahrscheinlich durch Veränderung des pH-Milieus. In kulinarischen Mengen ist dieser Effekt gering, bei hochdosierten Extrakten jedoch potenziell relevant.

Fazit

Tamarinde ist ein vielseitiges, nährstoffreiches Gewürz und Säuerungsmittel mit langer kulinarischer und ethnomedizinischer Geschichte. Ihr hoher Thiamin- und Kaliumgehalt ist positiv; der hohe Zuckergehalt und die potenziellen Wechselwirkungen mit NSAR und Antidiabetika erfordern Aufmerksamkeit, wenn Tamarinde in grossen Mengen oder als Nahrungsergänzung eingenommen wird. Dieser Eintrag ist informativ und ersetzt keine medizinische Beratung.

Quellen

  1. USDA FoodData Central – Tamarind, raw (FDC ID 167770).
  2. Ushanandini, S. et al.: Anti-diabetic properties of Tamarindus indica in streptozotocin-induced diabetic rats. Journal of Pharmacy Research 2010.
  3. Komutarin, T. et al.: Extract of the seed coat of Tamarindus indica inhibits nitric oxide production by murine macrophages. Food and Chemical Toxicology 2004.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.