Die Alraune (Mandragora officinarum) ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), die im Mittelmeerraum heimisch ist und seit der Antike in Medizin und Magie eine Rolle spielt. Alle Pflanzenteile enthalten giftige Tropanalkaloide; die Alraune ist für den Menschen toxisch und darf nicht innerlich eingenommen werden.
| Wissenschaftlicher Name | Mandragora officinarum |
|---|---|
| Familie | Nachtschattengewächse (Solanaceae) |
| Herkunft | Mittelmeerraum, Vorderasien |
| Giftige Inhaltsstoffe | Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin (Tropanalkaloide) |
| Letale Dosis (Erwachsene) | Schätzweise 3–6 mg Atropin – gesamte Pflanze ist gefährlich |
| Rechtslage CH/EU | Kein zugelassenes Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel; keine EU-Health-Claims |
Die Alraune fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden – als vermeintliche Zauberpflanze, als historisches Narkotikum und als gefährliches Gift. Wer sie heute im Internet als Nahrungsergänzung oder Heilmittel sieht, sollte äusserst skeptisch sein: Die Pflanze ist nicht für den menschlichen Verzehr geeignet.
Botanik und Vorkommen
Die Alraune ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit einer dicken, oft menschenförmig gespaltenen Pfahlwurzel – diese Form gab Anlass zu zahllosen Legenden. Die Blätter sind gross, eirund und leicht behaart; die Blüten violett-weiss; die Früchte sind kleine, tomatenartige, gelblich-orange Beeren, die verführerisch aussehen, aber giftig sind. Sie wächst bevorzugt auf steinigen, trockenen Böden im Mittelmeerraum und Vorderen Orient.
Geschichte und Folkore
Schon im Altertum kannte man die betäubende Wirkung der Alraune. Ärzte des antiken Griechenland und Roms setzten Alraunenextrakte als Narkosemittel bei Operationen ein – aufweichen Stöcken wurde Alraunenwein eingerieben, den Patienten zum Beissen gegeben. Im Mittelalter wurde die Pflanze mit Hexen, Magie und dem Teufel in Verbindung gebracht. Die Legende, die Wurzel schreie beim Herausreissen und wer das Schreien höre, sterbe, ist bis heute bekannt.
Alraune in der Literatur
Shakespeare, Machiavelli und ungezählte andere Autoren nutzten die Alraune als literarisches Motiv. Im deutschen Sprachraum ist sie durch den Volksglauben an den «Alraunenmann» als Glücksbringer bekannt – Würzeln wurden in Reisenden- und Händlerkreisen als Amulette gehandelt.
Wirkstoffe und Toxikologie
Die gefährliche Wirkung der Alraune stammt aus einer Gruppe von Tropanalkaloiden, vor allem:
- Atropin – blockiert das parasympathische Nervensystem (anticholinerg)
- Scopolamin – zentralwirksam, halluzinogen, stark sedierend
- Hyoscyamin – ähnlich Atropin, bewirkt Herzrasen, Mundtrockenheit, Sehstörungen
Der Gehalt variiert je nach Pflanzenteil, Wachstumsort und Jahreszeit stark. Vergiftungszeichen treten schon nach kleinen Mengen auf: trockener Mund, gerötete Haut, weite Pupillen, Herzrasen, Halluzinationen, Erregungszustände, Krämpfe, bis hin zu Bewusstlosigkeit und Herzstillstand. Die Pflanze ist für Kinder und Tiere besonders gefährlich – auch das Berühren der Schleimhäute nach Hautkontakt kann zu Vergiftungszeichen führen.
Medizinische Verwendung heute
Atropin – das wichtigste Alkaloid der Alraune – wird als reiner Wirkstoff in der modernen Medizin eingesetzt: als Augentropfen zur Pupillenerweiterung, als Notfallmedikament bei Bradykardie oder Vergiftungen mit Organophosphaten. Diese Anwendung erfolgt unter strenger ärztlicher Kontrolle mit exakt dosiertem Reinstoff – nicht mit Alraunenextrakt. Freiverkäufliche Alraunenpräparate sind in der Schweiz und der EU nicht als Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.
Rechtslage in der Schweiz und der EU
Produkte mit Alraunenextrakten sind in der Schweiz und in Deutschland nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verkehrsfähig. Es bestehen keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen (EU-Verordnung 432/2012). Angebote im Internet, die Alraune als «Heilkraut» oder «Superfood» vermarkten, bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone und sind aus toxikologischer Sicht gefährlich.
Häufige Fragen
Kann man Alraune als Tee trinken?
Nein. Alle Teile der Alraune – Wurzel, Blätter, Früchte – enthalten giftige Tropanalkaloide. Alraunentee kann zu schweren Vergiftungen führen und sollte auf keinen Fall selbst zubereitet oder eingenommen werden.
Wie unterscheidet sich Alraune von anderen Nachtschattengewächsen?
Tomate, Kartoffel und Paprika gehören ebenfalls zu den Solanaceae, sind aber keine Giftpflanzen. Die Alraune hingegen enthält hochpotente Tropanalkaloide in einer Konzentration, die medizinisch gefährlich ist.
Was tun bei Verdacht auf Alraunenvergiftung?
Sofort Notruf rufen. In der Schweiz: Tox Info Suisse 145, in Deutschland: 030 19240, in Österreich: 01 406 43 43. Kein Erbrechen herbeiführen. Die Vergiftung gehört in ärztliche Behandlung.
Wird Alraune in der Homöopathie eingesetzt?
Es gibt homöopathische Zubereitungen aus Mandragora. Diese enthalten bei hohen Verdünnungen (D6 und höher) kaum noch Wirkstoff. Das ändert aber nichts daran, dass unverdünnte Extrakte gefährlich sind.
Gibt es sichere «harmlose» Alraunenprodukte?
Als Zierpflanze oder getrocknetes Dekorationsobjekt ist die Alraune unbedenklich, solange du Blätter, Früchte und Wurzeln nicht anfasst oder issst. Als Supplement oder Tee hat die Pflanze nichts in deiner Küche zu suchen.
Fazit
Die Alraune ist eine faszinierende Pflanze mit reicher Geschichte, aber sie ist giftig und kein Heilmittel für den Heimgebrauch. Ihre Alkaloide finden als Reinstoffe Verwendung in der modernen Medizin – aber nur unter ärztlicher Kontrolle. Wer auf Alraunenprodukte im Netz trifft, sollte grösste Vorsicht walten lassen und keinesfalls ohne medizinische Beratung zu Experimenten greifen.
Quellen
- Tox Info Suisse: Pflanzenvergiftungen – Mandragora (Datenbank Giftinformationszentrale, 2025).
- Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis: Mandragora officinarum, Springer.
- Frohne, D. / Pfänder, H.-J.: Giftpflanzen, 6. Aufl., Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
