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Ein Medikament, das fast schon universell eingesetzt werden kann und bei jeder Krankheit eine Wirkung zu sein scheint – das ist der Traum vieler Menschen. Wer online nach einem solchen Mittel sucht, wird schnell fündig: MMS Erfahrungsberichte gegeben an, dass es gegen Infektionen, Hauterkrankungen und sogar gegen schwerwiegende Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Hepatitis C wirken soll. Doch warum wird ein solches Mittel nicht schon längst von Ärzten verschrieben? Ganz einfach: Weil seine vermeintliche Wirkung bislang weder wissenschaftlich in Studien nachgewiesen, noch auf irgendeine andere Art belegt werden konnte. Die Multieffekt Mineral Solution kann sogar schwerwiegende Nebenwirkungen haben und wurde deshalb in Kanada bereits verboten. Worum es sich bei diesem Präparat genau handelt, welche Wirkungen ihm genau nachgesagt werden und warum die Verwendung dennoch nicht zu empfehlen ist, erfahren Sie im Folgenden.

Was ist MMS?

Was ist MMS

MMS wurde von Jim Humble erfunden und ist eine durch Säure aktivierte Natriumchloritlösung. Genauer handelt es sich um eine Lösung bestehend aus 28 Prozent Natriumchlorit, deren Aktivierung durch eine 10-prozentige „Aktivator“-Zitronensäurelösung zustande kommen soll. Geprägt wurde die Bezeichnung „MMS“ durch das Buch „The Miracle Mineral Solution of the 21st Century“, das von dem amerikanischen Ingenieur Jim Humble geschrieben wurde. Er selbst bezeichnet es als Wundermittel, das als „alternatives Antibiotikum“ eingesetzt werden und gegenüber Krankheitserregern und diversen Erkrankungen eine vorbeugende oder sogar eine heilende Wirkung aufweisen könne. [1]

MMS gdp infografik

Wie soll MMS angeblich wirken?

Wie soll MMS wirken

Die Grundsubstanz des MMS von Jim Humble ist das Natriumchlorid. Durch das zumischen von Zitronensäure kommt es zu einer Reaktion und es entsteht hochreaktives giftiges Chlordioxid. Dieser Stoff wird in Haushalten und in der Industrie für gewöhnlich zum Desinfizieren von Oberflächen und zum Bleichen eingesetzt. Und genau diese desinfizierende Eigenschaft scheinen sich Menschen wie Jim Humble zunutze machen zu wollen. Sie glauben, dass die Mischung in der Lage sei, Krankheitserreger abzutöten – selbst solche, die gegen Antibiotika resistent seien. Auch sind viele der Meinung, dass das Miracle Mineral Supplement das Immunsystem stimulieren könne und die roten Blutkörperchen vermehrt Sauerstoff aufnehmen könnten. Zudem soll es den Anhängern von Jim Humbles Theorie in der Lage sein, Abfallstoffe aus dem Körper zu leiten.

Allerdings gibt es nicht nur keinerlei wissenschaftliche Nachweise für diese Wirkungen, es gibt sogar behördlich dokumentierte Todesfälle, die im Zusammenhang mit der MMS Anwendung stehen. [2]

Deshalb spricht nicht nur das schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic eine MMS Warnung aus. Auch andere Gesundheitsbehörden in Deutschland, Kanada, den USA und vielen weiteren Staaten raten dringen von einer Einnahme des Chloroxids ab.

Warum wird MMS gar nicht erst wissenschaftlich getestet?

Viele Befürworter von MMS, welches es zu kaufen gibt, verlangen, dass sich die Wissenschaft doch ernsthaft in Studien mit der Wirkung der Substanz auseinandersetzen sollte. Dass dies nicht geschieht, liegt nicht an einer geheimen Verschwörung oder an der Angst, dass MMS Tropfen möglicherweise andere gewinnbringende Medikamente überflüssig machen könnte. Man kann weder der Medizin noch der Pharmaindustrie vorwerfen, dass sie nicht aufgeschlossen wären: Allein bei der Suche nach neuen Antibiotika werden sehr zahlreich auch viele völlig unbekannte und unbedeutende Pflanzen untersucht, nur um mögliche neue Wirkstoffe zu finden. Die Weigerung, MMS, welches es zu kaufen gibt, wissenschaftlich zu untersuchen, muss daher vielmehr darin begründet sein, dass es bereits nach logischem Dafürhalten überhaupt keinen Grund gibt, irgendeine gesundheitlich positive, geschweige denn heilende Wirkung überhaupt auch nur zu vermuten. Es liefert eine deutlich bessere Erklärung, als irgendein an den Haaren herbeigezogenes Verschwörungsmodell.

Gegen welche Beschwerden soll MMS angeblich helfen?

Hilft angeblich MMS

Bevor wir auf die angeblichen Wirkungen, die das Chlordioxid in MMS aufweisen soll, eingehen, möchten wir noch einmal auf die MMS Warnung diverser Institutionen aus verschiedenen Ländern hinweisen:

BehördeHaltung zu MMS
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)Rät dringend von der Einnahme ab
VerbraucherzentraleWarnung aufgrund erheblicher Gesundheitsgefahr
Swissmedic & Schweizer Bundesamt für GesundheitWarnung
Food and Drug Administration (FDA)mehrfache Warnung und Hinweis auf mögliche erhebliche gesundheitliche Schäden durch die Einnahme
Health CanadaWarnung und Verbot ausgesprochen

 

In der pharmakritischen Gesundheitszeitschrift GPSP wurde das Mittel zudem als Quacksalberei eingestuft. Die im Folgenden beschriebenen Wirkungen dienen daher der reinen Information und sollen keineswegs zur Anwendung von MMS animieren.

bei Malaria

Die wohl am häufigste genannte Erkrankung, bei der das Miracle Mineral Supplement helfen soll, ist Malaria. Der selbsternannte Entdecker der Mischung gibt an, dass seine Begleiter bei einer Exkursion in einem tropischen Gebiet an Malaria erkrankt seien. Daraufhin habe er ihnen Chlordioxid-Tabletten, die er ursprünglich zur Desinfektion des Trinkwassers dabeihatte, verabreicht. Innerhalb weniger Stunden hätten sich die Symptome aller Erkrankten verbessert. Einen Nachweis für diese Geschichte gibt es nicht.

Auch aus anderen Berichten, die unter anderem von Heilpraktikern und „Energie-Therapeuten“ stammen, geht hervor, dass nicht nur Jim Humble MMS bei Malaria eingesetzt hat. Auch andere sollen das bei Malaria-Kranken und sogar bei Säuglingen und Schwangeren mit Malaria eingesetzt haben. Sie berichten, von einer fiebersenkenden Wirkung, die innerhalb weniger Stunden einsetze. All diese Berichte sind aber weder wissenschaftlich noch in irgendeiner Form belegbar und bieten daher keinerlei Beweis für die Wirkung.

bei Hauterkrankungen

Gegen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Herpes, Schuppenflechte oder Akne wird die Mischung aus Natriumchlorit und Zitronensäure meist äußerlich angewandt. Dadurch soll das Chlordioxid schneller im Körper aufgenommen werden. Durch die MMS Anwendung sollen dann die für die Hauterkrankung verantwortlichen Erreger abgetötet werden. Der Abtransport soll dann direkt über die Haut stattfinden.  Beweise für eine solche Wirkung gibt es auch hier keine. [3]

gegen Viren, Bakterien, Pilze und Keime

Nachgesagt wird dem Präparat auch eine Wirkung gegen sonstige Bakterien, Viren, Pilze und Keime. Oft wird es zu diesem Verwendungszweck eingenommen – teils in sehr hohen Dosierungen. So soll das Chlordioxid gegen grippale Infekte und Lungenentzündungen sowie Hepatitis A, B und C wirken können, wenn man den teils sehr zweifelhaften Personen, die diese Wirkungsversprechen teilen, Glauben schenkt. Einige behaupten sogar, dass es gegen Infektionen mit dem Sars-Cov-2-Virus helfen könne. Wissenschaftliche Beweise zu all diesen Behauptungen gibt es nicht.

Da Chlordioxid als Desinfektionsmittel eingesetzt wird, kann zwar davon ausgegangen werden, dass es Keime abtötet. Allerdings ist der vermeintliche Nutzen, der von keiner seriösen Studie belegt wird, im Verhältnis zu den Nebenwirkungen, die die Einnahme meist mit sich bringt, marginal. Selbst bei der Einnahme einer geringen Menge der Mischung, treten bei vielen Menschen Berichten zufolge Beschwerden wie die folgenden auf:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Verätzungen der Schleimhäute und des Magen-Darm-Trakts
  • Nierenversagen
  • Atemprobleme

 

Außerdem tötet ein Desinfektionsmittel, wie Chlordioxid eines ist, nicht nur „schlechte“ Mikroben ab. Daher kann, wenn ein solches Mittel eingenommen wird, davon ausgegangen werden, dass auch die gesunden Darmbakterien in Mitleidenschaft gezogen werden. [4]

Angebliche Wirkung gegen Krebs

Immer wieder gibt es MMS Erfahrungsberichte, in denen auch eine Wirkung von Jim Humble MMS bei Krebserkrankungen genannt wird. Selbsternannte und zweifelhafte „Therapeuten“ behaupten, dass die Mischung Krebszellen töten könne. Ob dies tatsächlich passiert, sei diesen Personen zufolge daran zu erkennen, ob dem Erkrankten nach der Einnahme übel werde. Tritt keine Übelkeit ein, empfehlen sie sogar, eine höhere Dosierung einzunehmen. [5]

Eine solche Begründung ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern ebenfalls medizinisch nicht haltbar. Übelkeit kann aus einer Vielzahl an ganz unterschiedlichen Gründen entstehen und nicht einfach als Bewertungskriterium für das Wirken oder Nicht-Wirken einer einzelnen Substanz herangezogen werden. So leiden beispielsweise krebskranke Menschen während Chemotherapien unter sehr häufig stattfindenden Übelkeitsattacken – für den einzelnen Kranken wäre es nun völlig unmöglich, zu unterscheiden, ob die gerade wahrgenommene Übelkeit von der Chemotherapie oder von der Einnahme des MMS herrührt. Ganz abgesehen davon ist subjektiv empfundene Übelkeit ganz allgemein ein viel zu unspezifisches Symptom, um als Bewertungskriterium für irgendwelche Körpervorgänge oder Medikamentenwirkungen zuverlässig herangezogen zu werden. Das wäre äußerst unseriös.

Wie wird MMS eingenommen bzw. wie dosiert man es?

Dosierung und Einnahme MMS

Es gibt zahlreiche Berichte von Menschen, die das Chlordioxid in MMS oral einnehmen. Sie dosieren das Mittel meist in Tropfen. Die Dosis steigern sie nach und nach. Andere wenden das Mittel äußerlich an. Sie schmieren es auf die Haut oder baden darin. Wiederum andere machen einen Einlauf mit der Mischung oder setzen sie sogar intravenös ein. Das heißt, sie injizieren die Mischung mithilfe einer Spritze in ihren Körper.

Egal, ob oral, intravenös oder als Einlauf, das MMS gelangt so immer in den Körper und in den Blutkreislauf. Die Folge können entsprechende Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, schwere Darmschädigungen, Blutdruckstörungen, Atemstörungen, Schmerzen und Nierenversagen sein. [6] Bei der äußeren Anwendung kann es zudem zur Verätzung der Haut kommen, während bei der inneren Anwendung immer wieder von Verätzungen an den Schleimhäuten berichtet wird.

Die Verwendung von Chlordioxid ist daher in keinem Fall zu empfehlen. Liegt eine Erkrankung vor, ist es immer sinnvoll und wichtig, einen Arzt zu kontaktieren, der über eine entsprechende Befähigung verfügt.

Von zwielichtigen „Heiler“, selbsternannten „Energie-Therapeuten“ und unseriösen Websites, die empfehlen Präparate wie das hier beschriebene Desinfektionsmittel einzunehmen, sollte dagegen Abstand genommen werden.

Fazit: Darum ist MMS so schädlich!

Fazit MMS schädlich

Das Jim Humble MMS mag auf den ersten Blick wie ein Wundermittel erscheinen, das bei nahezu jeder Erkrankung Abhilfe schafft. Bei genauerem Hinsehen wird allerdings klar, dass es sich hierbei um nichts anderes, als um ein klassisches Desinfektionsmittel handelt, das zur Behandlung von Erkrankungen oder gar zur Injektion absolut ungeeignet ist. Inzwischen gibt es bereits einige dokumentierte Todesfälle, die infolge einer MMS Anwendung aufgetreten sind. Daher ist von der Verwendung dieses Mittels in jedem Fall abzuraten. [7]

Quellenverzeichnis:

  1. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/02/11/wundermittel-mms-ist-immer-noch-zu-br-haben-auch-in-apotheken
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/MMS
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Natriumchlorit
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/549292
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/654371
  6. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/miracle-mineral-supplement-mms-erhebliche-gesundheitsgefahr-11044
  7. https://www.medizin-transparent.at/mms-das-gefaehrliche-wundermittel/
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Über den Autor

Giacomo Hermosa ist 37 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und verheiratet. Vor elf Jahren hat er die Magister der Biologie und Anglistik erfolgreich absolviert. Hier hat er sich interdisziplinär mit den Themen Bioverfügbarkeit und Medizinalhanf beschäftigt. In seiner Freizeit schreibt er v.a. in den Bereichen Fitness, Ernährung und – familiär bedingt – über einige besondere Autoimmunerkrankungen. Seine Veröffentlichungen findet man u.a. auf seiner Website und bei der taz.

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