Mit einem Klettersteigset durch steile Felswände klettern

Auf einem Klettersteig kann man ohne Klettererfahrung am Seil die steilsten Felsen erklimmen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden von den Alpenvereinen die ersten Klettersteige errichtet. Diese bekamen in den Dolomiten im Krieg eine ganz andere Bedeutung. Sie wurden von der Armee genutzt. Nach dem Krieg wurden diese Steige für Touristen umfunktioniert, die jetzt mit einem Klettersteigset ausgerüstet, die Via ferrata erobern. [1]

 

Klettersteige, verschiedene Wege am Fels

Klettersteige, auch via ferrata genannt, werden nach ihrer Bauweise unterschieden. Es gibt die versicherten Steige, die klassischen Klettersteige und Sportklettersteige. [1]

 

Versicherte Steige

Bei diesen Steigen ist kein durchgehendes Seil vorhanden. Einige ausgesetzte und schwierige Stellen sind mit Seilen abgesichert. Diese Steige können ohne ein Klettersteigset begangen werden.

 

Klassische Klettersteige

Die klassischen Klettersteige besitzen ein durchgehendes Sicherungsseil. Zur Begehung dieser Steige ist ein Klettersteigset nötig.

 

Sportklettersteige

Diese Steige besitzen ein durchgehendes Seil und sie befinden sich im steilen Felsgelände. Nur erfahrene Klettersteiggeher mit sehr guter Kondition sollten diese Steige nutzen. Sportklettersteige haben mit Hängebrücken und Seilbahnen oft spektakuläre Ausführungen.

 

Aufbau und Ausführung eines Klettersteigsets

Das Klettersteigset ist die Verbindung zwischen dem Klettergurt und dem Stahlseil am Felsen.

Ein Klettersteigset besitzt mindestens zwei Band- oder Seilschlingenäste, an deren Enden jeweils ein Karabiner befestigt ist, der in das Stahlseil eingeklinkt wird. Ein vorhandener Fangstoßdämpfer/Bandfalldämpfer am Set nimmt die Fallenergie bei Stürzen auf. Am Ende des Klettersteigsets ist eine Anseilvorrichtung vorhanden, an der das Set mit dem Klettergurt verbunden wird.

 

Zwei Ausführungsarten des Klettersteisets

Klettersteigsets sind in der Y-Form und der V-Form zu finden, wobei die Y-Form moderner ist. Die V-Form sollte nicht mehr benutzt werden, da einige Sicherheitsmängel auftreten.

 

Y-Form

Bei dieser Form erinnert das Set an ein Y. Hierbei teilt sich die Ausrüstung in der Mitte und es sind 2 Äste vorhanden, die unterschiedlich lang sind und jeweils am Ende einen Karabiner integriert haben.

Bei dieser Y-Form läuft eines der beiden Seilstücke durch eine Bremsplatte. Bei einem Sturz läuft das Bremsseil durch diese Platte. Die Bremsfunktion ist dynamisch.

Bei dieser Form des Klettersteigsets sollten immer beide Karabiner in das Stahlseil eingehängt werden. Dadurch ist der Klettersteiggeher doppelt gesichert und auch durch die verschiedenen Astlängen wird eine Redundanz (mehrfache Sicherheit) erzeugt. [2]

Vorteile

  • Durch Einhängen von 2 Karabinern höhere Sicherheit
  • Bremsfunktion ist dynamisch
  • modernere Version
  • Redundanz

Nachteile

  • Bedienung umständlich
  • Gewicht höher als bei V-Form

V-Form

Bei dieser Form des Klettersteigsets ist nur ein einzelnes Seilstück vorhanden. In der Mitte des Seilstückes befindet sich hier die Bremsplatte.

Beim Klettern mit der V-Form ist immer nur ein Karabiner am Stahlseil befestigt. Dies ist eine Bedingung, dass das Bremsseil bei einem Sturz durch die Bremsplatte gezogen wird. Bei zwei eingehängten Karabinern wird das Seil nicht durch die Platte gezogen. Somit wird der Sturz nicht abgebremst. [2]

Vorteile

  • Für leichtere Klettersteige geeignet
  • Besitzt geringeres Gewicht
  • leicht bedienbares Set

Nachteile

  • Durch fehlende Redundanz nur geringe Sicherheit
  • Stürze durch Bedienungsfehler haben schlimme Folgen
  • Veraltete Version

 

Band- beziehungsweise Seilschlingenäste

Diese Äste bestehen oft aus Schlauchbandmaterial oder Seil. Sie sind meist sehr lang und somit nicht so leicht zu handhaben. Um dieses Problem zu umgehen, werden in die Äste elastische Komponenten eingenäht oder eingewebt.

 

Fangstoßdämpfer vs Bandfalldämpfer

Bei älteren Klettersteigsets besteht der Fangstoßdämpfer aus einem Klemmelement oder einer Lochplatte. Durch diese wird das Seil beim Durchlauf durch Reibung abgebremst. Diese dynamische Abbremsung vermeidet einen harten Sturz.

Neuer Modelle besitzen dagegen einen Bandfalldämpfer. Darin ist eine Gewebestruktur eingenäht. Während eines Sturzes reißt diese ähnlich einer Ziehharmonika auf. So wird der Sturz gedämpft, da sich der Bremsweg verlängert.

Der Bandfalldämpfer ist bei Nässe sicherer als der Fangstoßdämpfer und er verlängert den Bremsweg.

Das Klettersteigset muss nach einem Sturz, bei dem der Fangstoßdämpfer, bzw. der Bandfalldämpfer ausgelöst wurde, ausgetauscht werden.

 

Karabiner

walther luecker t gNM5ypMDo unsplashDie Karabiner eines Klettersteigsets sollten leicht zu bedienen sein, da sie sehr häufig geöffnet und geschlossen werden. Sie sollten aber auch einen Schutzmechanismus besitzen, der gegen das unbeabsichtigte Öffnen absichert. Eine hohe Biegefestigkeit des Karabiners ist zwingend, da dieser bei einem Sturz ungünstig belastet wird und sich so verbiegen oder brechen kann.

Karabiner können auf unterschiedliche Weise an die Seiläste angebunden sein. Es gibt Klettersteigsets, bei denen die Karabiner angenäht sind und Sets, bei denen sie durch einen Knoten angebunden sind. Hierbei ist die modernere Vernähung vorzuziehen.

Im Handel sind drei verschiedene Karabiner für Klettersteigsets erhältlich, einfache Karabiner, Karabiner mit Handballensicherung und Karabiner mit innenliegender Daumen-Sicherung. Vor dem Kauf sollte jeder Kletterer probieren, welcher Karabiner am besten zu seinen Gewohnheiten passt. [3]

 

Anseilvorrichtung

Bei modernen Klettersteigsets ist eine Anseilschlaufe vorhanden. Mittels eines Ankerstichs wird diese in den Klettergut eingebunden. Bei älteren Modellen wurde das Klettersteigset mit einem Karabiner am Klettergurt befestigt.

 

Fragen & Antworten zu Klettersteigsets

Anhand welcher Kriterien werden Klettersteigsets verglichen?

  • Lieferumfang der Ausrüstung (zusätzlich noch Helm oder Klettergurt im Set)
  • Bruchlast
  • Gewicht des Kletterers
  • Gewicht der Ausrüstung
  • Einsatzbereich
  • Vorteile

 

Was sagt die Bruchlast aus?

Die Bruchlast ist die Kraft, ab der ein Gegenstand versagt. Bei Kletterausrüstungen wird die Bruchlast in Kilonewton (KN) angegeben. Der ungefähre Normwert wird mit 20 KN (etwa 2000 kg) angegeben.

In diesem konkreten Fall reist der Gurt oder der Karabiner ab einem Gewicht von 2000 kg. Hierbei sollte aber immer beachtet werden, dass schon ab 900 kg irreparable Schäden am Körper auftreten.

Somit werden Klettersteigbremsen eingesetzt, die schon ab 4 KN auslösen. [2]

Warum ist das Gewicht eines Klettersteiggehers wichtig?

Die meisten Klettersteigsets sind für Personen mit einem Körpergewicht von 50 bis 100 kg ausgelegt. Für ein höheres oder niedrigeres Gewicht müssen andere Klettersteigsets gekauft werden.

Was kostet ein Klettersteigset?

Der Kostenpunkt bei einem Klettersteigset liegt zwischen 100 und 150 Euro. Es gibt aber auch Klettersteigsets für 200 Euro.

Was ist die Norm EN 958:2017?

Unter dieser Norm sind die strengen Sicherheitsvorschriften zusammengefasst. [4]

Welche Klettersteigsets eignen sich für Kinder?

Klettersteigsets, die der seit 2017 eingeführten Norm EN 958:2017 entsprechen, sind ab einem Körpergewicht von 40 Kilogramm zugelassen. Somit ist sicherzustellen, dass nur Kinder ab einem Gewicht von 40 Kilogramm das Klettersteigset nutzen.

Einige Firmen haben auch Klettersteigsets in ihrem Sortiment, die mit Karabinern ausgestattet sind, die besonders für Kinderhände konstruiert worden.

Wenn Kinder oder auch Anfänger auf einer Klettersteigtour mitgenommen werden, dann sollten sie noch extra mit einem Seil am erfahrenen Kletterer gesichert werden. [4]

 

Fazit

Vor dem Kauf eines Klettersteigsets sollte sich der Käufer einige Gedanken machen. Es sollte sich überlegen, wie das Klettersteigset aufgebaut sein soll. Soll das Set eine Seilbremse oder einen Bandfalldämpfer besitzen? Wie lang sollten die Band- bzw. Seilschlingenäste sein?

Da es verschiedenen Karabinerarten gibt, sollte sich der Käufer mit diesen vertraut machen und einen Karabiner wählen, dessen Handhabung ihm am besten liegt.

Solange das Klettersteigset der EN 958:2017 Norm entspricht, ist dieses Klettersteigset für den Einsatz geeignet.

 

  1. https://www.alpenverein.de/bergsport/aktiv-sein/klettersteiggehen_aid_10425.html
  2. https://www.outdoormeister.de/klettersteigset-test/#Worauf_muss_ich_beim_Kauf_eines_Klettersteigsets_achten
  3. https://bergsteiger.de/ausruestung/ausruestungstests/12-klettersteig-sets-im-test
  4. https://www.bergzeit.de/klettersteigset/
Über Barbara Eitelmann 9 Artikel
Barbara Eitelmann ist eine ehemalige Autorin Reuters Health. Sie ist eine Gesundheitsjournalistin, die über gesunde Ernährung schreibt und evidenzbasierte Ratschläge für normale Menschen anbietet. Barbara hat zwei Bücher für die beliebte Dummies Series mitverfasst. Barbara hat einen Master-Abschluss in Humanernährung von der Universität Hamburg.