Löwenzahn

Kurze Antwort

Löwenzahn (Taraxacum officinale, Familie Asteraceae) ist eine weltweit verbreitete Wildpflanze, deren Blätter, Blüten und Wurzeln seit Jahrhunderten in Küche und Kräutermedizin eingesetzt werden. Die Pflanze liefert Vitamin A, C, K und E, Folsäure sowie Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium, Magnesium und Kalium. Aus der Wurzel wird Inulin gewonnen – ein präbiotischer Ballaststoff. Für einige traditionelle Anwendungen (harntreibende Wirkung) liegen erste klinische Hinweise vor.

Löwenzahn auf einen Blick
Botanisch Taraxacum officinale agg., Familie Asteraceae
Verwendbare Teile Blätter, Blüten, Stängel, Wurzel (alle Teile nutzbar)
Vitamine (Blätter) Vitamin A (Beta-Carotin), C, K, E, Folsäure
Mineralstoffe Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium
Wurzel Inulin (präbiotischer Ballaststoff), Bitterstoffe
Zugelassene Wirkung (Ph. Eur.) Traditionelle Anwendung: Verdauungsförderung, Diuretikum (Volksmedizin)
Wichtige Wechselwirkungen Lithium, Antikoagulantien, Diuretika, Antidiabetika

Löwenzahn ist eine der am häufigsten vorkommenden Wildpflanzen der Schweiz – und gleichzeitig eine der am meisten unterschätzten Küchenpflanzen. Von den zarten Frühlingsblättern im Salat bis zum gerösteten Wurzelkaffee: Die ganze Pflanze ist essbar und nahrhaft. In der Kräutermedizin hat Löwenzahn eine lange Tradition als Leber- und Verdauungsstärkung.

Botanik und Vorkommen

Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und wächst auf Wiesen, Wegen und Rasenflächen der gesamten nördlichen Hemisphäre. Er blüht von März bis Oktober, manchmal in mehreren Schüben. Der Milchsaft in Stängeln und Blättern ist für Menschen kaum problematisch, kann aber bei empfindlicher Haut leichte Reaktionen auslösen. Die bekannte Federuhr (Pusteblume) ermöglicht eine effiziente Windverbreitung der Samen.

Verwechslung und verwandte Arten

Taraxacum officinale ist eine Sammelart mit zahlreichen Mikroarten; im Volksmund werden viele gelbblühende Korbblütler als „Löwenzahn» bezeichnet (z. B. Habichtskräuter). Für kulinarische und medizinische Zwecke ist der echte Löwenzahn mit seinem charakteristischen gezackten Blatt gemeint.

Nährstoffe und Inhaltsstoffe

100 g frische Löwenzahnblätter liefern mehr Beta-Carotin (Vitamin A-Vorstufe) als viele Gemüsesorten, zudem bedeutende Mengen Vitamin K (wichtig für Blutgerinnung und Knochen), Vitamin C sowie Folsäure. Die Wurzel ist besonders reich an Inulin – einem löslichen Ballaststoff, der als Präbiotikum das Darmmikrobiom ernährt. Bitterstoffe (u. a. Taraxacin) regen die Gallenproduktion und Verdauung an.

Traditionelle Anwendungen

  • Diuretikum (harntreibend): In der Volksmedizin zur Entwässerung eingesetzt; eine kleine Humanstudie bestätigte eine erhöhte Urinfrequenz nach Löwenzahnblätterextrakt.
  • Leberstärkung: Traditionell als „Frühjahrstonikum» für Leber und Gallenblase – Evidenz bleibt präklinisch.
  • Verdauungsunterstützung: Bitterstoffe fördern die Magensaft- und Gallensekretproduktion.
  • Salatpflanze: Junge Blätter im Frühling roh im Salat, älter eher gedünstet (Bitterkeit nimmt zu).
Löwenzahnblatt: Schlüsselnährstoffe (je 100 g frisch)Vitamin K~350 µg (ca. 470 % NRV)Beta-Carotin (Vit. A)~5.900 µgVitamin C~35 mg (ca. 44 % NRV)Kalzium~187 mgEisen~3,1 mgNRV = Nährstoffbezugswert nach EU-VO 1169/2011 · Werte können je nach Standort und Jahreszeit variieren
Löwenzahnblätter sind besonders reich an Vitamin K und Beta-Carotin – eine günstige Wildpflanze mit beachtlichem Nährstoffprofil.

Wechselwirkungen und Hinweise

Der hohe Vitamin-K-Gehalt kann die Wirkung von Antikoagulantien (z. B. Warfarin / Sintrom) beeinflussen. Die diuretische Wirkung kann Lithiumspiegel erhöhen und andere Diuretika verstärken. Bei Antidiabetika ist wegen möglicher Blutzuckerbeeinflussung Vorsicht geboten. Personen mit Allergie gegen Korbblütler (Ragweed, Chrysanthemen, Kamille) können auf Löwenzahn kreuzreagieren. Der Milchsaft kann bei Hautkontakt gelegentlich Reaktionen auslösen.

Häufige Fragen

Kann man Löwenzahn einfach vom Feld essen?

Ja, sofern die Wiese ungedüngt und unbehandelt ist und nicht in der Nähe stark befahrener Strassen liegt. Blätter waschen und junge, zarte Blätter bevorzugen. Ältere Blätter sind bitterer, aber noch essbar (z. B. gedünstet).

Was steckt im Löwenzahnwurzel-Kaffee?

Geröstete Löwenzahnwurzel enthält Inulin und Bitterstoffe, die einen kaffeeähnlichen, leicht süsslichen Geschmack ergeben. Er ist koffeinfrei und gilt als verträgliche Kaffeealternative.

Hilft Löwenzahn wirklich beim Entwässern?

Es gibt eine kleine klinische Studie, die eine erhöhte Urinausscheidung nach Löwenzahnblätterextrakt zeigt. Die Evidenz reicht nicht für einen EU-Health-Claim; die Anwendung als traditionelles Diuretikum ist aber langjährig üblich.

Wann darf ich Löwenzahn nicht nehmen?

Bei Einnahme von Blutverdünnern (Warfarin), Lithium, Diuretika oder Antidiabetika sowie bei Korbblütlerallergie. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist Rücksprache mit dem Arzt empfehlenswert.

Ist die Pusteblume dieselbe Pflanze wie der Salatlöwenzahn?

Ja. Die Pusteblume ist der Samenstand desselben Taraxacum officinale. Sämtliche Wachstumsstadien – Blatt, Blüte, Stängel, Wurzel und Samen – gehören zur gleichen Pflanze.

Fazit

Löwenzahn ist eine nährstoffreiche Wildpflanze mit langer Kräutertradition. Frische Blätter sind reich an Vitamin K und Beta-Carotin; die Wurzel liefert präbiotisches Inulin. Wer Blutverdünner, Lithium oder Antidiabetika nimmt, sollte bei regelmässigem Konsum ärztlichen Rat einholen. Als Salatpflanze und Frühlingsküche ist Löwenzahn eine unkomplizierte Bereicherung.

Quellen

  1. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.) – Monographie Löwenzahnwurzel mit Kraut (Taraxaci radix cum herba).
  2. Clare B.A. et al. (2009): The Diuretic Effect of Dandelion Leaf. Journal of Alternative and Complementary Medicine 15(8):929–934.
  3. USDA FoodData Central – Dandelion greens, raw (FDC ID 169145), Stand 2023.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.