Cystein ist eine schwefelhaltige, semi-essentielle Aminosäure, die der Körper aus Methionin und Serin herstellen kann – sofern ausreichend Folat, Vitamin B6 und B12 vorhanden sind. Cystein ist Vorstufe des körpereigenen Antioxidans Glutathion und bildet über Disulfidbrücken die dreidimensionale Struktur vieler Proteine (z. B. Keratin in Haaren und Nägeln). Nahrungsquellen sind vor allem Fleisch, Eier, Hülsenfrüchte und Zwiebeln.
| Typ | semi-essentielle, schwefelhaltige Aminosäure |
|---|---|
| Körpereigene Synthese | aus Methionin + Serin (benötigt Folat, B6, B12) |
| Wichtige Quellen | Fleisch, Eier (Eiweiss), Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Brokkoli |
| Schlüsselrolle | Vorstufe von Glutathion, Taurin, Coenzym A; Disulfidbrücken in Proteinen |
| NAC-Zusammenhang | N-Acetylcystein (NAC) ist die stabilere, besser verfügbare Supplementform |
| Zugelassener Health Claim | Cystein trägt zur normalen Keratin-Synthese bei (Hair, Nails) |
Der Name Cystein leitet sich vom griechischen «kystis» (Blase) ab – die Aminosäure wurde erstmals 1810 aus Blasensteinen isoliert. In Proteinen bildet Cystein durch seine Thiolgruppe (–SH) Disulfidbrücken zu anderen Cystein-Resten, was die räumliche Stabilität von Proteinen bestimmt. Keratin, das Strukturprotein der Haare und Nägel, enthält besonders viel Cystein; die Dauerwell-Methode nutzt chemisch die Aufspaltung und Neuknüpfung dieser Disulfidbrücken.
Vorkommen und Nahrungsquellen
Cystein steckt in proteinreichen Lebensmitteln. Da es schwefelhaltig ist, enthalten schwefelreiche Gemüsesorten ebenfalls nennenswerte Mengen:
- Tierisch: Hähnchenbrust, Thunfisch, Eier (Eiweiss), Schweinefleisch, Joghurt.
- Pflanzlich: Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch, Rosenkohl, Sojabohnen, Linsen, Sonnenblumenkerne.
- Besonders bei veganer Kost: Hülsenfrüchte + Nüsse/Samen kombinieren, um ausreichend Cystein aufzunehmen.
Funktion im Körper
Glutathion – körpereigenes Antioxidans
Cystein ist zusammen mit Glycin und Glutaminsäure einer der drei Bausteine von Glutathion. Glutathion gilt als eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien und schützt Zellen vor oxidativem Stress. Der limitierende Schritt bei der Glutathionsynthese ist oft die Cystein-Verfügbarkeit.
Disulfidbrücken und Proteinstruktur
Die Thiolgruppe (–SH) von Cystein reagiert mit einer anderen Thiolgruppe zu einer Disulfidbrücke (–S–S–). Diese Brücken sind entscheidend für die Faltung von Proteinen: Antikörper, Insulin, Keratin und viele andere Proteine verlassen sich auf sie.
Taurin und Coenzym A
Cystein ist Vorstufe von Taurin (wichtig für Herzfunktion und Gallensäuren) und von Coenzym A – einem zentralen Molekül im Energiestoffwechsel (Citratzyklus, Fettsäureabbau).
N-Acetylcystein (NAC)
NAC ist die stabilisierte Form von Cystein, die als Supplement und Medikament eingesetzt wird. Medizinisch ist NAC bei Paracetamol-Vergiftung das Gegenmittel der Wahl (es füllt Glutathion-Vorräte auf). Als Nahrungsergänzung ist NAC wegen seiner besseren Stabilität die bevorzugte Form. Hinweis: In der EU ist der Verkauf von NAC als Supplement reguliert – die Zulassungslage je nach Land prüfen.
Häufige Fragen
Ist Cystein essenziell?
Was ist der Unterschied zwischen Cystein und Cystin?
Cystin ist das Oxidationsprodukt aus zwei Cystein-Molekülen, die über eine Disulfidbrücke verbunden sind. Im Körper wechseln Cystein und Cystin je nach Redoxzustand ineinander über.
Warum ist Cystein für Haare wichtig?
Keratin, das Hauptstrukturprotein der Haare, ist sehr cysteinreich. Disulfidbrücken zwischen Cystein-Resten geben dem Haar Festigkeit und Form. Eine ausreichende Cystein- (und Methionin-)Zufuhr unterstützt normale Haare und Nägel.
Was ist NAC?
N-Acetylcystein (NAC) ist eine stabilisierte Form von Cystein. Medizinisch wird es als Gegenmittel bei Paracetamol-Vergiftung eingesetzt. Als Supplement soll es die Glutathionproduktion unterstützen. Zulassung und Verkaufsstatus je nach EU-Land verschieden.
Kann zu viel Cystein schaden?
Über normale Lebensmittel kaum. Sehr hohe Cysteinmengen aus Supplements können bei bestimmten Enzymdefekten (Cystinurie) problematisch sein. Immer ärztlichen Rat einholen, wenn Nieren- oder Leberprobleme bestehen.
Fazit
Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit zentraler Rolle in der Antioxidationsabwehr (Glutathion), der Proteinstruktur (Disulfidbrücken) und als Vorstufe von Taurin und Coenzym A. Wer ausreichend Methionin und B-Vitamine aufnimmt, kann Cystein selbst bilden. Nahrungsquellen wie Fleisch, Eier und Brokkoli decken den Bedarf gut. NAC als Supplement ist medizinisch relevant – für gesunde Menschen ist eine extra Zufuhr in der Regel nicht nötig.
Quellen
- WHO/FAO/UNU: «Protein and Amino Acid Requirements in Human Nutrition», Technischer Bericht 935, 2007.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies – Scientific Opinion on Dietary Reference Values for Protein, 2012.
- Atkuri K.R. et al.: «N-Acetylcysteine – a safe antidote for cysteine/glutathione deficiency», Current Opinion in Pharmacology, 2007.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
