Aprikosenkernöl

Kurze Antwort

Aprikosenkernöl wird aus den Kernen der Aprikose (Prunus armeniaca) kaltgepresst und ist ein leichtes, hautfreundliches Pflegeöl mit hohem Anteil an Ölsäure und Linolsäure sowie Vitamin E. Es ist strikt vom Verzehr roher Aprikosenkerne zu trennen: Die Kerne (nicht das daraus gepresste Öl) enthalten Amygdalin, das im Körper zu Cyanid abgebaut werden kann.

Aprikosenkernöl auf einen Blick
Gewonnen aus Kernen der Aprikose (Prunus armeniaca)
Hauptfettsäuren Ölsäure (~60–65 %), Linolsäure (~25–30 %), Palmitinsäure (~5 %)
Vitamin E enthalten (Tocopherole)
Konsistenz leicht, dünnflüssig, zieht schnell ein
Rauchpunkt kaltgepresst ca. 200–210 °C
Verwendung Hautpflege, Massageöl, Trägeröl für ätherische Öle

Aprikosenkernöl ist in der Naturkosmetik ein Klassiker. Es zählt zu den leichten Pflegeölen, die von der Haut schnell aufgenommen werden und kein fettiges Gefühl hinterlassen. In der Küche ist es weniger verbreitet als zum Beispiel Mandelöl. Wichtig zu wissen: Das Öl selbst enthält kein Amygdalin – dieses ist wasserlöslich und bleibt im Presskuchen –, aber rohe Kerne können es enthalten.

Herstellung und Qualitäten

Für die Ölgewinnung werden die Kerne nach der Aprikosenverarbeitung (z. B. Fruchtkonserven) getrocknet und kaltgepresst. Kaltgepresstes Aprikosenkernöl ist hellgelb bis goldgelb, hat einen leicht nussigen Duft und enthält Vitamin E sowie andere fettlösliche Begleitsubstanzen. Raffiniertes Aprikosenkernöl ist farb- und geruchsneutral.

Kosmetisch vs. lebensmitteltauglich

Im Handel gibt es zwei Typen: kosmetisches Aprikosenkernöl (für Hautpflege, oft raffiniert) und lebensmitteltaugliches Aprikosenkernöl (kaltgepresst, z. B. als Salatöl). Achte auf die Kennzeichnung und kaufe Lebensmittelqualität, wenn du das Öl in der Küche einsetzen möchtest.

Fettsäureprofil

Die Kombination aus Ölsäure (Omega-9) und Linolsäure (Omega-6) macht das Öl ausgewogen: Ölsäure sorgt für Stabilität und Hautpflege, Linolsäure für eine gute Penetration in die Hautbarriere.

Fettsäuren in Aprikosenkernöl (ca. %, gerundet)Ölsäure (Omega-9) ~62 %Linolsäure (Omega-6) ~28 %Palmitinsäure ~10 %Richtwerte; schwanken je nach Herkunft und Pressung
Aprikosenkernöl ist ähnlich wie Mandelöl zusammengesetzt, aber etwas reicher an Linolsäure.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Rohe Kerne und Amygdalin

Rohe bittere Aprikosenkerne enthalten das Glykosid Amygdalin (auch als „Vitamin B17″ vermarktet – eine nicht anerkannte Bezeichnung). Im Körper wird Amygdalin enzymatisch zu Cyanwasserstoff (Blausäure) abgebaut. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in einer Bewertung aus dem Jahr 2016 festgestellt, dass schon ein einziger grosser bitterer Aprikosenkern die als sicher geltende Tagesmenge an Cyanid für Erwachsene überschreiten kann. Für Kinder ist das Risiko noch deutlich höher. Deshalb warnt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie das deutsche BfR ausdrücklich vor dem Verzehr roher bitterer Aprikosenkerne. Das Aprikosenkernöl selbst enthält – wenn korrekt hergestellt – kein Amygdalin, da dieses wasserlöslich ist und in den Presskuchen wandert.

Anwendung in der Pflege

  • Körperpflege: als Massage- und Körperöl, pur oder mit ätherischen Ölen gemischt.
  • Gesichtspflege: für trockene, reife und empfindliche Haut geeignet.
  • Haarpflege: als Kur oder Pflegezusatz für trockene Haare.

Häufige Fragen

Ist Aprikosenkernöl dasselbe wie Mandelöl?

Nein, aber ähnlich. Beides sind leichte Pflegeöle mit hohem Ölsäuregehalt. Aprikosenkernöl enthält etwas mehr Linolsäure und gilt als noch leichter in der Textur. Mandelöl stammt von der Süssmandel.

Kann ich Aprikosenkernöl auf der Haut anwenden?

Ja, Aprikosenkernöl ist ein klassisches kosmetisches Pflegeöl. Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich ein Hauttest (Ellenbeuge), um Unverträglichkeiten auszuschliessen.

Warum sind rohe Aprikosenkerne gefährlich?

Bittere rohe Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, das im Körper zu giftiger Blausäure (Cyanwasserstoff) abgebaut wird. Schon ein grosser Kern kann laut EFSA die sichere Tagesmenge für Erwachsene überschreiten. Aprikosenkernöl enthält diesen Stoff in der Regel nicht.

Kann ich Aprikosenkernöl für das Gesicht verwenden?

Ja. Es ist wegen seiner leichten Textur und des schnellen Einziehens ein beliebtes Gesichtspflegeöl, das auch für empfindliche Haut geeignet ist.

Wie lange ist Aprikosenkernöl haltbar?

Kaltgepresstes Aprikosenkernöl hält kühl, dunkel und verschlossen in der Regel 12–18 Monate. Der hohe Linolsäureanteil macht es etwas oxidationsempfindlicher als reine Ölsäure-Öle.

Fazit

Aprikosenkernöl ist ein vielseitiges, leichtes Pflegeöl mit gutem Fettsäureprofil und Vitamin E. In der Kosmetik und für sanftes Kochen gut einsetzbar. Unbedingt zu unterscheiden: Das sichere Öl und die potenziell gefährlichen rohen bitteren Kerne, die laut EFSA und BLV nicht konsumiert werden sollten.

Quellen

  1. EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM) – Acute health risks related to the presence of cyanogenic glycosides in raw apricot kernels and products derived from raw apricot kernels, EFSA Journal 2016.
  2. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) – Bittere Aprikosenkerne können Vergiftungen auslösen, Stellungnahme Nr. 010/2016.
  3. Rüger C.P. et al.: „Composition of Apricot Kernel Oil» – Journal of the American Oil Chemists‘ Society, 2019.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.