Lakritz wird aus dem eingedickten Wurzelextrakt der Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) hergestellt und enthält als charakteristischen Wirkstoff Glycyrrhizin, das in hohen Mengen den Blutdruck erhöhen und gefährliche Wechselwirkungen verursachen kann. Schon 100 mg Glycyrrhizin täglich gilt als Höchstmenge der WHO. Lakritz ist ein Lebensmittel, aber kein harmloses Genussmittel.
| Pflanze | Süssholz (Glycyrrhiza glabra, G. uralensis) |
|---|---|
| Charakteristischer Wirkstoff | Glycyrrhizin (Glycyrrhizinsäure) |
| WHO-Höchstmenge | 100 mg Glycyrrhizin/Tag (entspricht ca. 100 g normaler Lakritzwaren) |
| Bekannte Risiken | Bluthochdruck, Hypokaliämie, Wassereinlagerungen |
| Schwangerschaft | MEIDEN – wissenschaftlich nachgewiesene Risiken für das Ungeborene |
| DGL-Form | deglycyrrhiziniertes Lakritze (Glycyrrhizin entfernt) – verträglicher |
Lakritz ist keine gewöhnliche Süssigkeit. Der aktive Wirkstoff Glycyrrhizin ist bis zu 50-mal süsser als Zucker und greift aktiv in den Hormonhaushalt ein. Das unterscheidet Lakritz fundamental von anderen Süssigkeiten und macht es zu einem Produkt, bei dem Menge wirklich zählt. Dieser Artikel erklärt, was Glycyrrhizin im Körper macht und wann Lakritz wirklich gefährlich wird.
Was Glycyrrhizin im Körper anrichtet
Glycyrrhizin hemmt das Enzym 11-beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase (11β-HSD2), das normalerweise Cortisol in der Niere inaktiviert. Wird dieses Enzym blockiert, wirkt Cortisol wie das Hormon Aldosteron – mit folgenden Konsequenzen:
- Natriumretention: Der Körper hält Natrium und damit Wasser zurück → Wassereinlagerungen, Ödeme
- Kaliumverlust: Die Niere scheidet vermehrt Kalium aus → Hypokaliämie (Kaliummangel)
- Blutdruckerhöhung: Durch Natrium- und Wasserretention steigt der Blutdruck, teilweise stark
Diese Effekte treten bei empfindlichen Personen schon bei 50–100 mg Glycyrrhizin pro Tag auf. Salmiaklakritz enthält oft besonders hohe Glycyrrhizinmengen und ist damit besonders risikoreich.
Gefährliche Mengen und Risikogruppen
Die WHO empfiehlt als Höchstmenge 100 mg Glycyrrhizin täglich. Typische Lakritzsüssigkeiten enthalten je nach Produkt 2–25 mg Glycyrrhizin pro 10 g. Das bedeutet: Wer 100–200 g Lakritz täglich isst, überschreitet die WHO-Grenze schnell. Besonders gefährdet sind:
- Personen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schwangere (besonders kritisch – siehe unten)
- Personen mit Nierenerkrankungen oder Hypokaliämieneigung
- Ältere Menschen
- Personen, die Diuretika, Herzglykoside (Digoxin) oder Kortikoide einnehmen
Lakritz in der Schwangerschaft: MEIDEN
Schwangere sollten Lakritz vollständig meiden. Finnische Langzeitstudien (Räikkönen et al., 2017) haben gezeigt, dass hoher Lakritzverzehr in der Schwangerschaft mit kognitiven Problemen und ADHS beim Kind in Verbindung stehen kann. Glycyrrhizin schwächt die Plazentaschranke (hemmt 11β-HSD2 auch plazentar) und kann das Cortisolniveau des Ungeborenen erhöhen. Gesundheitsbehörden in Finnland, den Niederlanden und Deutschland raten Schwangeren klar vom Konsum ab.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
- Diuretika: Kombination verstärkt den Kaliumverlust → Hypokaliämie-Risiko
- Herzglykoside (Digoxin): Hypokaliämie erhöht die Toxizität von Digoxin erheblich
- Blutdruckmedikamente: Glycyrrhizin kann deren Wirkung abschwächen
- Kortikoide: Wechselwirkung verstärkt die kortisonähnliche Wirkung
- Antikoagulanzien (Warfarin): mögliche Interaktion
DGL – deglycyrrhiziniertes Lakritze
DGL (Deglycyrrhizinated Liquorice) ist ein Süssholzextrakt, aus dem Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde. Es wird in der traditionellen Phytotherapie bei Magenbeschwerden eingesetzt und gilt als deutlich verträglicher. DGL-Präparate lösen den blutdruckerhöhenden Effekt kaum aus – dennoch sollte man bei Medikamenten Rücksprache halten.
Häufige Fragen
Wie viel Lakritz kann ich täglich essen?
Die WHO nennt 100 mg Glycyrrhizin als Tageshöchstmenge. Je nach Produkt entspricht das etwa 100 g normaler Lakritzsüssigkeiten. Salmiaklakritz kann deutlich mehr enthalten – auf die Nährwertangaben achten.
Warum erhöht Lakritz den Blutdruck?
Warum sollten Schwangere Lakritz meiden?
Glycyrrhizin kann die Plazentaschranke schwächen und das Cortisolniveau des Ungeborenen erhöhen. Studien zeigen Zusammenhänge mit kognitiven Auffälligkeiten beim Kind. Schwangere sollten vollständig auf Lakritz verzichten.
Was ist der Unterschied zwischen Lakritz und DGL?
DGL (deglycyrrhiziniertes Lakritze) ist ein Süssholzextrakt, aus dem Glycyrrhizin entfernt wurde. Es zeigt kaum blutdruckerhöhende Wirkung und gilt als verträglicher. In der Phytotherapie wird es bei Magenbeschwerden eingesetzt.
Wann ist Lakritz wirklich gefährlich?
Bei täglichem hohem Konsum (mehr als 100 g/Tag), bei bestehenden Herzerkrankungen oder Bluthochdruck, in der Schwangerschaft sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika, Herzglykosiden oder anderen Medikamenten.
Fazit
Lakritz ist nicht einfach Süssigkeit – der Wirkstoff Glycyrrhizin ist pharmakologisch aktiv und kann bei regelmässigem Konsum den Blutdruck erhöhen, Kalium entleeren und gefährliche Medikamentenwechselwirkungen auslösen. Schwangere sollten es komplett meiden. Wer Lakritz liebt, sollte die Portionsgrössen bewusst halten und bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenten ärztlich abklären.
Quellen
- Räikkönen K et al. – „Maternal Licorice Consumption and Cognitive Outcomes in Children», American Journal of Epidemiology, 2017.
- WHO Technical Report Series 891 – Evaluation of certain food additives including glycyrrhizin.
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) – Merkblatt zu Lakritze und Glycyrrhizin.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
