Cannabigerol

Kurze Antwort

Cannabigerol (CBG) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid aus der Hanfpflanze (Cannabis sativa) und gilt als biochemischer Vorläufer der bekannteren Cannabinoide THC, CBD und CBC. In reifen Pflanzen ist CBG nur in sehr geringen Mengen vorhanden – typischerweise unter 1 %. Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen; zugelassene Gesundheitsaussagen gibt es weder in der EU noch in der Schweiz.

Cannabigerol (CBG) auf einen Blick
Chemische Bezeichnung Cannabigerol; Vorläufer: Cannabigerolsäure (CBGa)
Pflanze Cannabis sativa L. (Nutzhanf)
Psychoaktiv? Nein – kein THC, kein Rauscheffekt
Rezeptoren Partieller CB1/CB2-Agonist (niedrige Affinität); weitere Rezeptoren in Forschung
Rechtslage CH (2026) CBG aus Hanf mit < 0,3 % THC als NEM erhältlich; kantonale Unterschiede möglich
Zugelassene Health Claims EU/CH Keine
Forschungsstand Hauptsächlich In-vitro- und Tierstudien; kaum Humanstudien

Cannabigerol ist unter Cannabinoiden ein Newcomer im Fokus der Forschung. Während CBD und THC seit Jahren intensiv untersucht werden, gilt CBG als weniger bekannte Substanz, die erst in jüngerer Zeit mehr Aufmerksamkeit erhält. Wichtig zu wissen: CBG ist weder dasselbe wie CBD (Cannabidiol) noch wie THC (Tetrahydrocannabinol). Es hat eigene chemische Eigenschaften, eine andere Wirkungsweise und eine eigene rechtliche Einordnung. Dieser Eintrag erklärt sachlich, was CBG ist, was die Wissenschaft bislang weiss – und wo klare Grenzen der verfügbaren Daten liegen.

CBG als „Mutter-Cannabinoid»

CBG wird manchmal als „Mutter-Cannabinoid» bezeichnet, weil Cannabigerolsäure (CBGa) der biosynthetische Ausgangsstoff ist, aus dem die Hanfpflanze die Säureformen der anderen Cannabinoide bildet: THCa, CBDa und CBCa entstehen alle aus CBGa. Beim Erhitzen (Decarboxylierung) werden diese Säureformen in die jeweiligen aktiven Cannabinoide umgewandelt.

Warum ist CBG in reifen Pflanzen selten?

Weil die Pflanze das meiste CBGa enzymatisch in andere Cannabinoide umwandelt, bevor die Beeren reifen. In jungen Pflanzen – kurz vor der Blüte – ist der CBG-Gehalt am höchsten. Speziell gezüchtete Hanfsorten können höhere CBG-Anteile erzielen; normale Nutzhanfsorten enthalten oft weniger als 1 % CBG in der reifen Blüte.

Rechtslage in der Schweiz (Stand 2026)

In der Schweiz ist CBG aus Nutzhanf mit einem THC-Gehalt unter 0,3 % als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Es unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG), sofern der THC-Gehalt des Endprodukts innerhalb der gesetzlichen Grenzen liegt. Dabei gilt:

  • Der relevante Grenzwert ist der THC-Gehalt im Produkt, nicht der CBG-Gehalt selbst.
  • Kantonale Behörden können in der Auslegung variieren – bei Unsicherheiten empfiehlt sich eine direkte Anfrage bei der kantonalen Lebensmittelkontrolle.
  • Hanfextrakte mit THC-Gehalt über 1 % sind in der Schweiz weiterhin dem BetmG unterstellt.
  • In der EU wird CBG in vielen Ländern ähnlich wie CBD unter der Novel-Food-Verordnung reguliert – rechtliche Klarheit fehlt teilweise noch.

Wer CBG-Produkte kauft, sollte auf ein unabhängiges Laborzertifikat (Certificate of Analysis, CoA) achten, das den THC-Gehalt bestätigt.

Forschungsstand: Was ist belegt, was nicht

Die wissenschaftliche Datenlage zu CBG ist dünn. Der Grossteil der verfügbaren Studien sind In-vitro-Experimente (Zellkulturen) und Tierversuche. Ergebnisse aus dem Labor lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Folgende Bereiche werden untersucht:

  • Antibakterielle Eigenschaften: In-vitro-Studien zeigen Aktivität gegen bestimmte Bakterienstämme, darunter Staphylococcus aureus (MRSA) und Streptococcus mutans. Was das für den menschlichen Körper bedeutet, ist unklar.
  • Entzündungshemmende Effekte: Tierversuche und Zellstudien weisen auf mögliche entzündungshemmende Mechanismen hin; klinische Humanstudien fehlen weitgehend.
  • Neuroprotektive Eigenschaften: Präklinische Daten (Tiermodelle) werden untersucht, ohne dass Schlussfolgerungen für den Menschen gezogen werden können.

Klar ist: Es gibt keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) für CBG in der EU oder der Schweiz. Behauptungen, CBG heile oder verhindere Krankheiten, sind nicht durch Zulassungen gedeckt und dürfen in der Werbung nicht gemacht werden.

CBGa als Ausgangsstoff im Cannabinoid-Biosyntheseweg (vereinfacht)CBGa(Cannabigerolsäure)THCa → THCpsychoaktivCBDa → CBDnicht psychoaktivCBCa → CBCnicht psychoaktivVereinfacht; tatsächliche Biosynthese umfasst weitere Zwischenstufen und Enzyme
Cannabigerolsäure (CBGa) ist der gemeinsame Vorläufer von THCa, CBDa und CBCa – daher der Beiname „Mutter-Cannabinoid».

Mögliche Wechselwirkungen und Sicherheitshinweise

Auch wenn CBG nicht psychoaktiv ist, handelt es sich um eine pharmakologisch aktive Substanz. Folgende Hinweise sind wichtig:

  • CYP-Enzyme: Wie andere Cannabinoide kann CBG Cytochrom-P450-Enzyme hemmen oder beeinflussen. Diese Enzyme bauen viele Medikamente ab. Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind theoretisch möglich; systematische Daten fehlen.
  • Medikamente: Bei gleichzeitiger Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten – besonders Gerinnungshemmern, Antiepileptika oder Immunsuppressiva – sollte vor der Nutzung von CBG-Produkten unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Es gibt keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Schwangere und Stillende. Aus Vorsichtsgründen wird von einer Einnahme abgeraten.
  • Langzeitdaten: Mangels Langzeitstudien am Menschen ist unklar, welche Effekte eine dauerhaft hohe CBG-Einnahme hätte.

Häufige Fragen

Ist CBG dasselbe wie CBD?

Nein. CBG (Cannabigerol) und CBD (Cannabidiol) sind zwei verschiedene Cannabinoide mit unterschiedlicher chemischer Struktur, unterschiedlichen Rezeptorprofilen und unterschiedlichem Forschungsstand. CBD ist deutlich besser untersucht; für CBG fehlen vergleichbare Humanstudien.

Macht CBG high?

Nein. CBG ist nicht psychoaktiv und erzeugt keinen Rauscheffekt. Das psychoaktive Cannabinoid ist THC, das in legal erhältlichen CBG-Produkten nur in sehr geringen Mengen (unter dem gesetzlichen Grenzwert) enthalten ist.

Ist CBG in der Schweiz legal?

CBG aus Nutzhanf mit einem THC-Gehalt unter 0,3 % im Endprodukt ist in der Schweiz als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Massgeblich ist immer der THC-Gehalt des Produkts, nicht der CBG-Gehalt. Auf unabhängige Laborzertifikate (CoA) achten.

Gibt es zugelassene Health Claims für CBG?

Nein. Weder in der EU noch in der Schweiz gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben für CBG. Aussagen wie „CBG heilt X» oder „CBG schützt vor Y» sind weder wissenschaftlich belegt noch rechtlich zulässig in der Werbung.

Was unterscheidet CBG von anderen Cannabinoiden?

CBG ist der biosynthetische Vorläufer mehrerer anderer Cannabinoide. Es hat eine niedrige Affinität zu CB1- und CB2-Rezeptoren und wirkt daher anders als THC oder CBD. Ausserdem ist es in reifen Hanfpflanzen nur in sehr geringer Menge vorhanden, was Extraktion und Produktion aufwendiger macht.

Kann ich CBG zusammen mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln nehmen?

Das hängt von den jeweiligen Präparaten ab. CBG kann theoretisch mit abbauenden Leberenzymen interagieren. Bei Kombinationen mit anderen pharmakologisch aktiven Stoffen oder Nahrungsergänzungsmitteln in hoher Dosierung empfiehlt sich im Zweifelsfall das Gespräch mit einer Apothekerin, einem Apotheker oder einer Ärztin.

Fazit

Cannabigerol (CBG) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das als Vorläufer von THC, CBD und CBC gilt. In der Schweiz sind CBG-Produkte aus Nutzhanf mit gesetzeskonformem THC-Gehalt legal erhältlich, aber es existieren keine zugelassenen Health Claims. Die Forschung beschränkt sich bisher hauptsächlich auf Zellkulturen und Tierversuche – Ergebnisse, die nicht einfach auf Menschen übertragen werden können. Wer CBG-Produkte verwenden möchte und gleichzeitig Medikamente einnimmt, sollte das zuerst ärztlich abklären. Schlagzeilenartige Heilsversprechen sind durch den aktuellen Forschungsstand nicht gedeckt.

Quellen

  1. Russo E.B. (2011): Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology 163(7):1344–1364.
  2. Deiana S. (2017): Potential Medical Uses of Cannabigerol: A Brief Overview. In: Preedy V.R. (Hrsg.): Handbook of Cannabis and Related Pathologies. Academic Press.
  3. Swissmedic / Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) (2024): Cannabinoide in Lebensmitteln – aktuelle Informationen. www.blv.admin.ch

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.