Kapuzinerkresse

Kurze Antwort

Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) ist eine einjährige Gartenpflanze, deren Blüten, Blätter und unreife Samen essbar sind und nach Kresse-scharf schmecken. Sie ist reich an Vitamin C und enthält antimikrobielle Senfölglykoside. In der Küche dient sie als Salatzutat; als Heilpflanze wird sie traditionell genutzt, solide klinische Evidenz für medizinische Anwendungen beim Menschen fehlt jedoch weitgehend.

Kapuzinerkresse auf einen Blick
Botanischer Name Tropaeolum majus L.
Familie Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae)
Essbarer Teil Blüten, Blätter, unreife Samen
Geschmack pfefferig-scharf (Senfölglykoside)
Inhaltsstoffe Glucotropaeolin, Vitamin C, Lutein, Flavonoide
Herkunft Anden (Südamerika); heute weltweit kultiviert

Die Kapuzinerkresse kam im 16. Jahrhundert aus Peru nach Europa und wurde zunächst als Gewürz- und Zierpflanze geschätzt. Heute ist sie ein vielseitiger Begleiter im Gemüse- und Blumengarten: Als Begleitpflanze hält sie viele Schädlinge fern und lockt gleichzeitig Blattläuse an – praktisch als „Opferpflanze». Ihre leuchtend orangefarbenen, gelben und roten Blüten sind ein Blickfang auf jedem Teller.

Inhaltsstoffe und Geschmack

Den scharfen, pfeffrigen Geschmack verdankt die Kapuzinerkresse den Senfölglykosiden – vor allem Glucotropaeolin. Beim Zerkauen wird es durch das Enzym Myrosinase zu Benzylisothiocyanat umgewandelt, dem eigentlichen Schärfestoff. Ähnliche Verbindungen kommen auch in Meerrettich und Senf vor. Dazu liefern die Blätter und Blüten:

  • Vitamin C in nennenswerten Mengen (roh, da hitzeempfindlich)
  • Lutein und andere Carotinoide (für die kräftige Farbe)
  • Flavonoide mit antioxidativem Potenzial
  • Spurenweise Mineralstoffe (Eisen, Kalzium)

Kulinarische Verwendung

Alle oberirdischen Teile der Kapuzinerkresse sind essbar und lassen sich roh verzehren:

  • Blüten: Salate, als essbare Dekoration, in Kräuterbutter.
  • Blätter: Pestoähnliche Aufstriche, Salate, pikante Wraps.
  • Unreife Samen: Eingelegt in Essig als Kapern-Ersatz («Kapuzinerkaper»).

Achtung: Gekaufte Pflanzen aus Gärtnereien können mit Pestiziden behandelt sein – für die Küche immer aus pestizidfreiem Anbau verwenden oder selbst ziehen.

Kapuzinerkresse: Pflanzenteile und VerwendungBlütenSalat · DekorationVitamin C · LuteinFlavonoideleuchtend orange/gelb/rotBlätterPesto · SalateGlucotropaeolinpfeffrig-scharfroh verwendenUnreife SamenKapern-Ersatzeingelegt in Essigkräftig-scharfnur unreif verwendenIn Schwangerschaft und bei Kindern unter 4 Jahren zurückhaltend dosieren
Blüten, Blätter und unreife Samen der Kapuzinerkresse sind essbar – jeder Teil schmeckt anders und enthält unterschiedliche Wirkstoffe.

Traditionelle Anwendung und Studienlage

Volksmedizinisch wurde Kapuzinerkresse bei Atemwegsinfekten, Harnwegsinfekten und Hautproblemen eingesetzt. Die Schärfestoffe (Isothiocyanate) zeigen in Laborstudien antimikrobielle Wirkung. Ein für die EU zugelassenes Phyto-Kombinationspräparat mit Kapuzinerkresse und Meerrettich (Sinupret) wird als Schleimhautmittel eingesetzt – dies basiert auf Zulassungsstudien, nicht auf einem EU-Health-Claim nach Verordnung 432/2012.

Für isolierte Kapuzinerkresse-Extrakte als Nahrungsergänzungsmittel fehlen robuste klinische Humanstudien. Aussagen über Heilwirkungen sind deshalb in der Schweiz und der EU nicht erlaubt.

Sicherheit und Hinweise

Kapuzinerkresse gilt in Lebensmittelmengen als sicher. Grössere Mengen (besonders der Saft oder Extrakte) können jedoch die Schleimhäute reizen und zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Für folgende Gruppen gilt besondere Vorsicht:

  • Schwangere: Grössere Mengen oder Extrakte meiden – Senfölglykoside können in hohen Dosen gebärmutterstimulierend wirken.
  • Kinder unter 4 Jahren: Extrakte nicht empfohlen.
  • Nierenprobleme: Oxalsäuregehalt beachten; ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Kann ich Kapuzinerkresse einfach im Garten anbauen?

Ja, sie ist sehr pflegeleicht, wächst an sonnigen Standorten und eignet sich auch für Töpfe und Balkons. Saat direkt nach der letzten Frostperiode ins Freiland oder auf die Fensterbank ab März.

Ist Kapuzinerkresse wirklich reich an Vitamin C?

Die Blätter und Blüten enthalten nennenswerte Mengen Vitamin C, das aber hitzeempfindlich ist. Für die beste Nährstoffausbeute roh essen, zum Beispiel als Salat.

Darf man Kapuzinerkresse in der Schwangerschaft essen?

Als gelegentliche Salatzutat in kleinen Mengen gilt sie als unbedenklich. Grössere Mengen, Extrakte oder konzentrierte Säfte sollten Schwangere meiden.

Was macht Kapuzinerkresse als Begleitpflanze so wertvoll?

Sie lockt Blattläuse an und schützt so benachbarte Pflanzen. Ausserdem schreckt sie Weisse Fliegen und einige Käferarten ab – ein natürliches «Opfer-Partnerprinzip».

Kann ich die reifen Samen essen?

Reife Samen werden nicht empfohlen, weil die Konzentration an Senfölglykosiden sehr hoch ist. Unreife Samen, eingelegt in Essig, sind hingegen eine klassische Delikatesse.

Fazit

Kapuzinerkresse ist eine köstliche, einfach anzubauende Pflanze mit beachtlichem Nährwert und einem interessanten Geschmack. Als Lebensmittel ist sie sicher und gut geeignet, um Salate und Gerichte zu bereichern. Medizinische Heilversprechen gehen über die aktuelle Forschungslage hinaus – als Kräuter-Küchenpflanze macht sie aber auf jeden Fall eine gute Figur.

Quellen

  1. Blumenthal M. et al. (2000): Herbal Medicine – Expanded Commission E Monographs. American Botanical Council.
  2. Fahey J. W. et al. (2001): Glucosinolates in cruciferous foods and anti-cancer properties. Phytochemistry.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Pflanzen und Pflanzenteile in Lebensmitteln – Positivliste.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.