Ysop (Hyssopus officinalis) ist ein aromatisches, halbstrauchiges Kraut aus der Minzenfamilie, das in der Küche und Volksmedizin des Mittelmeerraums seit Jahrhunderten verwendet wird. Das ätherische Öl enthält Pinocamphon, ein krampfauslösendes Keton – deshalb darf Ysopöl oral nicht eingenommen werden und ist für Kinder, Schwangere und Epileptiker kontraindiziert.
| Wissenschaftlicher Name | Hyssopus officinalis L. |
|---|---|
| Pflanzenfamilie | Lamiaceae (Lippenblütler, Minzenfamilie) |
| Herkunft | Südeuropa, Mittelmeerraum, Westasien |
| Hauptwirkstoffe ätherisches Öl | Pinocamphon, Isopinocamphon, Cineol, Limonen |
| Warnung ätherisches Öl | ORAL NICHT EINNEHMEN – Krampfrisiko |
| Kulinarische Nutzung | Blätter als Gewürzkraut; Bestandteil von Chartreuse und Bénédictine |
Der Name Ysop stammt vom griechischen Hyssopos und dem hebräischen Azob – einem heiligen Reinigungskraut, das im Alten Testament mehrfach erwähnt wird. Ob der biblische Ysop tatsächlich Hyssopus officinalis war, ist unter Botanikern umstritten; möglicherweise handelte es sich um Majoran oder Thymian. Botanisch sicher ist: Hyssopus officinalis wächst im Mittelmeerraum auf trockenen, sonnigen Böden, blüht von Juni bis Oktober mit blauvioletten, rosa oder weissen Blüten und duftet intensiv nach Kampfer und Minze.
Inhaltsstoffe und Wirkprinzipien
Das ätherische Öl von Ysop enthält als Hauptbestandteile Pinocamphon und Isopinocamphon, zwei Ketone mit nachgewiesenem Krampfpotenzial. Weitere Inhaltsstoffe sind Cineol (Eucalyptol), Limonen, Sabinen, Camphen sowie Flavonoide (Diosmin, Hesperidin) und Rosmarinsäure. Die Schärfe und das kampferartige Aroma stammen von Terpenen; die Flavonoide werden im Forschungskontext auf antimikrobielle Eigenschaften untersucht.
Sicherheitshinweis zum ätherischen Öl
Ysopöl gehört zu den wenigen ätherischen Ölen, bei denen orale Einnahme klar kontraindiziert ist. Pinocamphon kann – selbst in kleinen Mengen (2–3 Tropfen bei Kindern) – schwere Krampfanfälle auslösen. In der wissenschaftlichen Literatur sind entsprechende Fallberichte dokumentiert. Aromatherapeutisch und topisch (stark verdünnt) kann Ysopöl angewendet werden, aber immer nach fachkundiger Beratung.
Kulinarische Verwendung
In der Küche werden frische oder getrocknete Ysopblätter als Gewürz verwendet – intensiv, würzig, leicht bitter. Die Menge ist entscheidend: Ein bis zwei frische Blätter geben Suppen, Eintöpfen, Sossen und Füllungen einen charakteristischen Geschmack. Ysop ist ein klassischer Bestandteil von Kräuterlikören: In Chartreuse und Bénédictine ist er eine der wichtigsten Zutaten. Im Nahen Osten wird Ysop zur Herstellung von Za’atar verwendet.
Tee aus Ysopblättern
Tee aus wenigen frischen oder getrockneten Ysopblättern gilt in üblichen Lebensmittelmengen als sicher. Er wird traditionell bei Erkältungshusten und Atemwegsbeschwerden eingesetzt. Das ist eine Volksmedizin-Anwendung ohne EU-zugelassene Health Claims; klinische Belege fehlen. Mehr als eine Tasse täglich ist nicht empfehlenswert, und Ysopkraut (nicht das Öl) enthält deutlich weniger Pinocamphon als das konzentrierte ätherische Öl.
Kontraindikationen und Vorsicht
Das ätherische Ysopöl darf nicht eingenommen werden von:
- Schwangeren – Ysopöl kann die Gebärmutter stimulieren und Fehlgeburten auslösen
- Stillenden Müttern – Sicherheitsdaten fehlen
- Kindern und Jugendlichen – hohes Krampfrisiko bereits bei kleinen Mengen
- Personen mit Epilepsie oder anderen Krampfleiden
- Personen mit Bluthochdruck (bei topischer grossflächiger Anwendung)
Häufige Fragen
Kann man Ysop als Tee trinken?
Tee aus wenigen Ysopblättern gilt in üblichen Lebensmittelmengen als sicher. Wichtig: Das ätherische Ysopöl darf nicht oral eingenommen werden – das ist das konzentrierte Destillat, nicht der Kräutertee.
Warum ist Ysopöl gefährlich?
Das ätherische Öl enthält Pinocamphon und Isopinocamphon, zwei Ketone, die Krampfanfälle auslösen können – selbst in sehr kleinen Mengen, besonders bei Kindern. Es gibt dokumentierte Vergiftungsfälle.
Wozu wird Ysop in der Küche verwendet?
Als intensives Würzkraut in Suppen, Fleischgerichten und Sossen; als Bestandteil von Kräuterlikören (Chartreuse, Bénédictine); in Za’atar-Mischungen im Nahen Osten. Sparsam dosieren wegen des intensiven Aromas.
Was ist der Unterschied zwischen Ysop und Hyssop?
Ysop und Hyssop bezeichnen dieselbe Pflanze (Hyssopus officinalis). Ysop ist die deutsche, Hyssop die englische Schreibweise.
Ist Ysop gut für die Atemwege?
Volksmedizinisch wird Ysoptee bei Husten und Bronchitis eingesetzt. Klinische Belege für diese Wirkungen beim Menschen fehlen, und es gibt keine EU-zugelassene Gesundheitsaussage.
Fazit
Ysop ist ein aromatisches Küchenkraut mit langer Tradition in Volksmedizin und Likörherstellung. Als Gewürz in kleinen Mengen und als gelegentlicher Kräutertee gilt es als sicher. Das konzentrierte ätherische Öl ist hingegen eine andere Geschichte: Es enthält krampfauslösende Ketone und darf unter keinen Umständen oral eingenommen werden. Schwangere, Kinder und Epileptiker müssen auch topische Anwendungen des Öls meiden.
Quellen
- Mayer R. (2021): Toxikologie ätherischer Öle – Pinocamphon und Ketone in Ysop. Phytopharmaka, 3. Auflage.
- European Medicines Agency (EMA, 2013): Assessment Report on Hyssopus officinalis – Herbal Medicinal Products Committee.
- Tisserand R., Young R. (2014): Essential Oil Safety, 2. Aufl., S. 320–322 – Hyssop oil safety data.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
