Quercetin ist ein pflanzliches Flavonoid (Bioflavonoid) aus der Gruppe der Flavonole, das in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommt und zu den am häufigsten untersuchten sekundären Pflanzenstoffen zählt. Es gilt als starkes Antioxidans und wird in der Forschung wegen möglicher entzündungshemmender, antiallergischer und blutdruckbeeinflussender Eigenschaften intensiv untersucht.
| Typ | Flavonoid (Untergruppe Flavonol) |
|---|---|
| Farbe/Eigenschaften | gelb, schlecht wasserlöslich, gut lipophil |
| Hauptquellen | Zwiebeln (~300 mg/kg), Kapern, Äpfel, Beeren, Brokkoli, grüner Tee, Olivenöl |
| Typische Supplementdosis | 500–1000 mg/Tag (in Studien; kein EU-NRV) |
| Bioverfügbarkeit | gering (~0,4–1 % als Aglykon); mit Bromelain oder Vitamin C verbessert |
| Mögliche Wechselwirkungen | CYP3A4-Hemmung; bei Medikamenteneinnahme vorab ärztlichen Rat einholen |
Quercetin kommt natürlich in Pflanzen meist als Glycosid vor – gebunden an einen Zuckerrest (z.B. Rutin = Quercetin-3-rutinosid). Diese glykosidische Form ist schlechter bioverfügbar als das freie Aglykon, das in Supplements verwendet wird. Trotz der Popularität als Supplement sind gesundheitsbezogene Aussagen für Quercetin in der EU nicht zugelassen – alle Wirkangaben auf dieser Seite sind rein informativ.
Quercetin als Antioxidans
Quercetin kann reaktive Sauerstoffspezies (freie Radikale) neutralisieren. In Zellkulturstudien und Tierversuchen wurden folgende Mechanismen beobachtet:
- Direkte Radikalfänger-Wirkung: durch die phenolische OH-Gruppen-Struktur.
- Chelatierung von Metallionen: Quercetin bindet Eisen und Kupfer, die Oxidationsprozesse katalysieren.
- Hochregulierung der endogenen Antioxidationsenzyme (Superoxiddismutase, Katalase).
Wie viel dieser Mechanismen beim Menschen nach oraler Einnahme tatsächlich relevant ist, hängt stark von der Bioverfügbarkeit ab – und die ist beim nativen Quercetin-Aglykon gering.
Entzündungshemmende Eigenschaften
In vitro hemmt Quercetin die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB sowie die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Das erklärt sein Interesse bei:
- Allergischen Reaktionen: Mastzell-Stabilisierung (Histaminfreisetzung ↓)
- Chronischen Entzündungserkrankungen (Tiermodelle)
- Sporterholung: Einige Studien berichten über leicht verringerte entzündliche Marker nach intensivem Training
Klinische Humanstudien zu Quercetin sind kleiner und mit gemischten Ergebnissen. Die Evidenz reicht nicht für EU-zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen.
Bioverfügbarkeit verbessern
Die schlechte Wasserlöslichkeit und geringe Resorption sind das grösste Hindernis bei der oralen Einnahme. Strategien zur Verbesserung:
- Liposomales Quercetin: eingebettet in Liposomen; bessere Resorption als Standardextrakte.
- Quercetin Phytosom (QUERCEFIT®): an Phospholipide gebunden; einige Studien zeigen 20-fach bessere Bioverfügbarkeit.
- Kombination mit Bromelain oder Vitamin C: verbessert Resorption moderat.
- Fetthaltige Mahlzeit: als lipophiler Stoff mit Fett besser aufgenommen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Quercetin gilt in Lebensmittelmengen als unbedenklich. Bei Supplementdosen (≥ 500 mg/Tag) sind folgende Punkte zu beachten:
- CYP3A4-Hemmung: Quercetin kann den Leberstoffwechsel bestimmter Medikamente verlangsamen (z.B. Cyclosporin, Statine, Antihistaminika). Bei Medikamenteneinnahme ärztlichen Rat einholen.
- Antikoagulantien: Mögliche Wechselwirkung mit Marcumar (INR-Kontrolle).
- Schwangerschaft/Stillzeit: Hochdosierte Supplemente sicherheitshalber meiden.
Häufige Fragen
Ist Quercetin ein Antihistaminikum?
In Zellkulturstudien hemmt Quercetin die Histaminfreisetzung aus Mastzellen. Es ist aber kein zugelassenes Antihistaminikum und kein Ersatz für verschreibungspflichtige Allergiemittel. Bei Allergien ärztliche Beratung suchen.
Wie nehme ich Quercetin am besten auf?
Am besten zu einer fetthaltigen Mahlzeit, da Quercetin lipophil ist. Liposomale oder phytosomale Formulierungen verbessern die Bioverfügbarkeit deutlich.
Was sind die besten Quercetinquellen in der Ernährung?
Kapern, rote und gelbe Zwiebeln, Äpfel (mit Schale), Kirschen, Brokkoli, Kale und grüner Tee liefern Quercetin über die Ernährung. Eine bunte, pflanzenreiche Kost deckt den natürlichen Bedarf.
Kann Quercetin Wechselwirkungen mit Medikamenten haben?
Ja. Quercetin hemmt das CYP3A4-Enzym der Leber und kann den Abbau verschiedener Medikamente verzögern. Bei Einnahme von Statinen, Cyclosporin oder anderen CYP3A4-Substraten vorher den Arzt befragen.
Gibt es zugelassene EU-Health-Claims für Quercetin?
Nein. Trotz intensiver Forschung hat die EFSA bislang keine gesundheitsbezogenen Aussagen für Quercetin oder seine Glykosidformen zugelassen. Alle Angaben zu möglichen Wirkungen sind daher informativ.
Fazit
Quercetin ist ein gut erforschter sekundärer Pflanzenstoff mit interessantem Wirkprofil in Laborstudien. Für klinisch relevante Wirkungen beim Menschen fehlt noch stärkere Evidenz aus grösseren Humanstudien. Wer viel Obst und Gemüse isst, nimmt automatisch Quercetin auf. Wer supplementiert, sollte auf gut bioverfügbare Formen achten und Wechselwirkungen mit Medikamenten berücksichtigen.
Quellen
- EFSA Scientific Opinion on Quercetin (EFSA Journal 2011).
- Li Y et al.: «Quercetin, Inflammation and Immunity», Nutrients 2016.
- Riva A et al.: «Improved oral absorption of quercetin from quercetin phytosome, a new delivery system», European Journal of Drug Metabolism and Pharmacokinetics 2019.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
