Phosphatidylserin

Kurze Antwort

Phosphatidylserin ist ein Phospholipid, das natürlicher Bestandteil jeder menschlichen Zellmembran ist – besonders konzentriert im Gehirngewebe. Es gehört zur Gruppe der Glycerophospholipide und spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau und der Funktion von Nervenzellmembranen. In Nahrungsergänzungsmitteln wird es heute meist aus Soja oder Sonnenblumen gewonnen.

Phosphatidylserin auf einen Blick
Typ Phospholipid (Glycerophospholipid)
Abkürzung PS
Natürliche Quellen Soja, Sonnenblumenkerne, Fisch, Innereien, Eier
Ursprüngliche Quelle (historisch) Rinderhirn (heute aus Tierschutzgründen nicht mehr üblich)
Häufige Dosierungen in Studien 100–300 mg täglich in mehreren Portionen
Sicherheits-Status GRAS (Generally Recognized As Safe, USA); in EU als NEM zugelassen

Phosphatidylserin klingt nach Chemie, ist aber ein körpereigener Stoff. Fast alle Zellen im Körper enthalten es in ihrer Hülle; im Gehirn ist die Konzentration besonders hoch. Wer sich für Kognition, Gedächtnis oder sportliche Erholung interessiert, stösst früher oder später auf PS – so die gängige Abkürzung. Was steckt dahinter, und was ist wirklich belegt?

Funktion in der Zellmembran

Phosphatidylserin sitzt hauptsächlich an der inneren Seite der Zellmembran. Diese asymmetrische Verteilung ist kein Zufall: Wenn PS plötzlich auf der Aussenseite erscheint, ist das ein Signal – etwa für das Immunsystem, eine Zelle zu erkennen, die in die programmierte Zellsterbung (Apoptose) eingetreten ist. Im Nervensystem trägt PS zur Membranflüssigkeit bei und ist an der Freisetzung von Neurotransmittern beteiligt.

Herstellung von PS-Präparaten

In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde in klinischen Studien hauptsächlich PS aus Rinderhirngewebe verwendet (BS-PS). Aus Sicherheitsbedenken (BSE) wechselte die Industrie auf pflanzliche Quellen, vorwiegend Soja (SF-PS). Neue Studien verwenden auch Sonnenblumen-PS (für Soja-Allergiker). Ob die Ergebnisse der frühen Rindergehirn-Studien direkt auf pflanzliches PS übertragbar sind, ist wissenschaftlich noch offen.

Studienlage zur kognitiven Funktion

Die Datenlage zu PS ist gemischt. In älteren Studien (überwiegend mit BS-PS) wurden Hinweise auf verbesserte Gedächtnisleistung bei älteren Menschen mit leichten kognitiven Beschwerden beschrieben. Die US-amerikanische FDA erlaubte 2003 einen „qualified health claim» für PS und Hirnfunktion – mit ausdrücklichem Hinweis auf die schwache Evidenz. Die EFSA (Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde) hat keine gesundheitsbezogene Aussage nach EU-Recht zugelassen. Das bedeutet: PS darf in der EU nicht mit einem bestätigten Kognitionsanspruch beworben werden.

PS in der Zellmembran (schematisch)Äussere Membranseite – kaum PS unter normalen BedingungenInnere Membranseite – PS hauptsächlich hier konzentriertBei Apoptose (programmierter Zelltod) wechselt PS die Seite → Signal für das Immunsystem
Die asymmetrische Verteilung von Phosphatidylserin ist für Zellfunktion und Zelltod-Signaling entscheidend.

Natürliche Quellen und Ernährung

  • Sojaprodukte: Tofu, Sojaöl (für PS-Dosierungen wenig geeignet als Hauptquelle)
  • Fisch: Makrele, Hering und Thunfisch enthalten PS natürlich
  • Innereien: Rinderleber und Rinderhirn (letzteres kaum mehr verfügbar)
  • Eier: geringe Mengen

Die typische westliche Ernährung liefert schätzungsweise 100–200 mg PS pro Tag. Ältere Menschen und jene, die wenig Fleisch oder Fisch essen, nehmen tendenziell weniger auf.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Phosphatidylserin gilt bei moderaten Dosierungen (bis 300 mg/Tag) als sicher und gut verträglich. Bei höheren Mengen sind vereinzelt Magen-Darm-Beschwerden beschrieben. Wer gerinnungshemmende Mittel (z.B. Warfarin, ASS) einnimmt, sollte Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt halten, da PS in hohen Dosen die Blutgerinnung beeinflussen kann. Bei Personen mit Sojaallergie empfehlen sich Sonnenblumen-PS-Produkte.

Häufige Fragen

Was ist Phosphatidylserin und wozu wird es eingesetzt?

PS ist ein körpereigenes Phospholipid in Zellmembranen. Als Nahrungsergänzungsmittel wird es vor allem bei Kognitions- und Gedächtnisbeschwerden im Alter sowie zur sportlichen Erholung untersucht. Gesundheitsaussagen nach EU-Recht sind dafür nicht zugelassen.

Aus welcher Quelle stammt pflanzliches PS?

Hauptsächlich aus Soja; zunehmend auch aus Sonnenblumen. Ältere Studien verwendeten PS aus Rinderhirn (heute aus Tierschutz- und Sicherheitsgründen nicht mehr üblich).

Wann sollte ich Phosphatidylserin einnehmen?

Studien verwendeten meist eine Aufteilung auf 2–3 Tagesportionen zu den Mahlzeiten. Da PS ein Fettbegleiter ist, verbessert die gleichzeitige Einnahme mit einer fetthaltigen Mahlzeit möglicherweise die Aufnahme.

Hat Phosphatidylserin Nebenwirkungen?

Bei moderaten Mengen ist PS gut verträglich. In höheren Dosen sind Magen-Darm-Beschwerden möglich. Wer Gerinnungshemmer einnimmt, sollte die Ärztin befragen.

Ist PS in der EU als Nahrungsergänzung erlaubt?

Ja, PS ist als Nahrungsergänzungsmittel in der EU zugelassen. Eine von der EFSA genehmigte Gesundheitsaussage (Health Claim) für Gedächtnis oder Kognition gibt es bisher jedoch nicht.

Fazit

Phosphatidylserin ist ein natürlich vorkommendes Phospholipid mit klarer Rolle in Zellmembranen. Die Studienlage zur kognitiven Unterstützung ist interessant, aber noch nicht stark genug für zugelassene EU-Gesundheitsaussagen. Wer PS ergänzen möchte, sollte dies nach ärztlichem Rat tun – besonders bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenten.

Quellen

  1. EFSA Journal – Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to phosphatidylserine, 2011.
  2. Kidd PM – „Phosphatidylserine: A Versatile Therapeutic Nutrient», Alternative Medicine Review, 1996.
  3. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) – Zulässige Angaben zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.