Der Seidelbast (Daphne spp.) ist ein beliebter Ziersträucher, der in Europa und Asien wächst – und gleichzeitig zu den giftigsten Gartenpflanzen zählt. Alle Pflanzenteile sind hoch giftig: Schon 2–3 rote Beeren können für ein Kind tödlich sein. Eine Verwendung als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist nicht möglich und lebensgefährlich.
| Wissenschaftlicher Name | Daphne mezereum (Kellerhals/Seidelbast), Gattung Daphne, Familie Thymeleaceae |
|---|---|
| Andere Arten | D. odora, D. bholua, D. laureola, D. gnidium – alle giftig |
| Giftige Inhaltsstoffe | Daphnetoxin, Mezerein (Diterpene) – in allen Pflanzenteilen |
| Besonders gefährlich | Beeren: 2–3 Beeren können ein Kind töten |
| Vorkommen | Europa (Wälder, Kalkgebiete), Asien; auch in Gärten kultiviert |
| Selbstmedikation | Absolut verboten – keine Verwendung als Lebensmittel oder Supplement möglich |
Im Winter duftende Blüten, im Frühling leuchtende rote Beeren – der Seidelbast wirkt einladend. Doch dieser Eindruck trügt gewaltig. Er ist eine der gefährlichsten Giftpflanzen Mitteleuropas, und Kinder zahlen jedes Jahr einen hohen Preis für die attraktiven Früchte.
Botanik und Verbreitung
Die Gattung Daphne umfasst über 90 Arten; in Mitteleuropa am häufigsten ist D. mezereum (Kellerhals oder Seidelbast). Er wächst als bis zu 1,5 m hoher Strauch in Laubwäldern, bevorzugt Kalkböden, und blüht schon im Februar bis März noch vor dem Laubaustrieb mit rosa-violetten, intensiv duftenden Blüten. Die Beeren reifen im Sommer und sind leuchtend rot bis orange. Weitere in Gärten verbreitete Arten: D. odora (winterduftend), D. bholua (himalayisch). Alle Arten enthalten die gleichen Giftstoffe.
Giftstoffe – was im Seidelbast steckt
Die Haupttoxine sind zwei Diterpene:
- Daphnetoxin – verursacht bei Hautkontakt Dermatitis und Blasenbildung; bei Einnahme schwere Schleimhautreizungen.
- Mezerein – stark entzündlicher, vesikant wirkender Stoff; wird in der Laborforschung auf antileukämische Eigenschaften untersucht, ist aber nicht als Medikament zugelassen.
Daneben enthält Daphne Cumarine, Flavonoide, Lignane und über 350 weitere Sekundärmetaboliten. Die wissenschaftliche Erforschung dieser Verbindungen läuft – Anwendungen am Menschen gibt es jedoch nicht.
Vergiftungsrisiko – wie gefährlich ist der Seidelbast?
Der Seidelbast ist eine der häufigsten Ursachen schwerer Pflanzenvergiftungen bei Kindern in Europa. Die roten Beeren sind attraktiv und schmecken zunächst süsslich – was Kinder dazu verleitet, mehrere auf einmal zu essen. Schon 2–3 Beeren können ein Kleinkind töten; bei Erwachsenen sind 10–12 Beeren als potentiell lethal beschrieben. Auch Hautkontakt mit Blättern oder Rinde kann zu Blasenbildung führen.
Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Notruf: Tox Info Suisse 145 (CH) oder 030 19240 (DE) oder 01 406 43 43 (AT). Kein Erbrechen herbeiführen.
Historische Verwendung – und warum sie Geschichte ist
In der mittelalterlichen Volksmedizin wurde D. mezereum (Mezereon) äusserlich bei Rheumatismus und trägen Geschwüren eingesetzt. Diese Anwendungen gelten heute als eindeutig unsicher und werden nicht mehr empfohlen. Homöopathische Präparate («Mezereum» bei rheumatischen Beschwerden) sind in Deutschland und Österreich zugelassen – bei extremen Verdünnungen (ab D4) liegt die Wirkstoffmenge unter der toxikologisch relevanten Schwelle. Standardpräparate oder Eigenextrakte sind aber unter keinen Umständen zumutbar.
Garten und Sicherheit
Der Seidelbast ist als Zierpflanze rechtlich nicht verboten und in der Schweiz weit verbreitet. Wer ihn im Garten hat oder anpflanzt, sollte:
- Kinder unmissverständlich auf die Gefahr hinweisen
- Haustiere, besonders Hunde, fernhalten (auch für sie giftig)
- Bei Gartenarbeit Handschuhe tragen und Augen- und Mundkontakt vermeiden
- Abfallmaterial nicht kompostieren, sondern im Kehrichtsack entsorgen
Forschungsstand – was Wissenschaft untersucht
Die über 350 Sekundärmetaboliten der Daphne-Gattung sind Gegenstand intensiver pharmakologischer Forschung. Mezerein zeigt in Labormodellen zytotoxische Effekte auf Leukämiezellen. Andere Extrakte werden auf antibakteriell, antivirall, entzündungshemmend und antioxidativ Wirkung untersucht. Keiner dieser Befunde hat bisher zu einem zugelassenen Medikament geführt – alle Versuche scheiterten an Toxizität und fehlendem Sicherheitsprofil für den Menschen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Seidelbast in der Natur?
Seidelbast blüht sehr früh (Februar–März) mit rosa-violetten, stark duftenden Blüten direkt am Stamm. Die Beeren sind im Sommer leuchtend rot, oval, sitzen eng am Ast. Die Blätter sind blaugrün, länglich. Im Zweifel: Hände weg und Kinder fernhalten.
Sind alle Daphne-Arten giftig?
Ja – alle bekannten Daphne-Arten enthalten Daphnetoxin und/oder Mezerein. Auch die in Gärten beliebten Arten D. odora und D. bholua sind giftig, wenn auch in unterschiedlicher Konzentration. Keine Daphne-Art ist als Nahrungspflanze geeignet.
Was tun, wenn ein Kind Beeren gegessen hat?
Sofort Tox Info Suisse 145 (CH), 030 19240 (DE) oder 01 406 43 43 (AT) anrufen. Anzahl der gegessenen Beeren so genau wie möglich angeben. Kein Erbrechen herbeiführen – das kann die Reizung der Schleimhäute verschlimmern. Arztbesuch ist in jedem Fall nötig.
Kann man Seidelbast homöopathisch verwenden?
«Mezereum» ist als homöopathisches Mittel zugelassen. Bei den vorgeschriebenen Verdünnungen (D4 und höher) liegt kein toxikologisch relevanter Wirkstoff mehr vor. Eigenhergestellte Zubereitungen, Tees oder Extrakte sind dagegen absolut zu meiden.
Ist Seidelbast in der Schweiz unter Naturschutz?
Ja – der Kellerhals (D. mezereum) steht in der Schweiz auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen und ist geschützt. Pflanzen in freier Natur dürfen nicht gepflückt, ausgegraben oder gesammelt werden. Gartenpflanzen sind davon ausgenommen.
Fazit
Daphne / Seidelbast ist eine wunderschön duftende, aber für den menschlichen Verzehr absolut ungeeignete Giftpflanze. Keine Pflanzenteil ist essbar; alle sind toxisch. Als Nahrungsmittel oder Supplement ist Seidelbast in der Schweiz und der EU nicht verkehrsfähig. Im Garten ist er erlaubt – aber nur mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.
Quellen
- Tox Info Suisse: Pflanzendatenbank – Daphne mezereum (2025).
- Frohne, D. / Pfänder, H.-J.: Giftpflanzen, 6. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
- Borghetti, G.S. et al.: Phytochemistry and pharmacological properties of Daphne genus. Journal of Ethnopharmacology, 2021.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
