Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine einjährige Heilpflanze aus der Familie der Korbblütler, deren Blütenblätter seit Jahrhunderten in der europäischen Volksmedizin und Kosmetik für Hautpflege und Wundversorgung genutzt werden. Die wichtigsten Wirkstoffe sind Flavonoide, Triterpen-Saponine und Carotinoide; sie stehen für entzündungshemmende und hautpflegende Eigenschaften. In der EU sind Calendula-Extrakte als bewährte Pflanzenstoffe (traditionelle Verwendung) anerkannt.
| Botanischer Name | Calendula officinalis L. |
|---|---|
| Familie | Asteraceae (Korbblütler) |
| Herkunft | Südeuropa und Westasien; weltweit kultiviert |
| Verwendeter Teil | Blütenköpfe (Flos Calendulae) |
| Hauptwirkstoffe | Flavonoide, Triterpen-Saponine, Carotinoide, ätherisches Öl |
| Anerkannte Verwendung | EU: traditionelle Anwendung bei kleinen Wunden, Schürfungen, leichten Hautreizungen (Schleimhaut + Haut) |
Calendula officinalis ist in Mitteleuropa eine weit verbreitete Gartenpflanze mit leuchtend orange-gelben Blüten. Wichtig: Im Deutschen wird «Ringelblume» manchmal auch für Tagetes-Arten (Studentenblumen) verwendet – als Heilkraut und in Kosmetikprodukten ist jedoch ausschliesslich Calendula officinalis gemeint. Tagetes-Arten haben andere Inhaltsstoffe und werden nicht als Heilkraut eingesetzt. Beim Kauf von Salben oder Extrakten immer den botanischen Namen prüfen.
Herkunft und Geschichte
Calendula officinalis stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und Südeuropa. Bereits im Mittelalter wurde sie in Klostergärten angebaut und bei Wunden, Verbrennungen und Hautproblemen eingesetzt. Im 16. Jahrhundert schrieb der deutsche Arzt Hieronymus Bock ihr wundheilende Eigenschaften zu. Heute ist Calendula-Extrakt in unzähligen Babypflegeprodukten, Wundsalben, Lippenpflegemitteln und Cremes enthalten.
Calendula vs. Tagetes – der Unterschied
Beide Pflanzen gehören zu den Korbblütlern (Asteraceae) und blühen in ähnlichen Orange-Gelbtönen. Tagetes (Studentenblumen, Aztec Marigold) enthält jedoch andere Wirkstoffe und wird nicht als Heilkraut verwendet. Nur Calendula officinalis ist als traditionelle Heilpflanze in der EU anerkannt. Im Englischen heisst Calendula «pot marigold», Tagetes dagegen «marigold» – die Begriffe werden oft verwechselt.
Wirkstoffe und Wirkprinzip
Die therapeutisch relevanten Inhaltsstoffe der Calendula-Blüten sind:
- Triterpen-Saponine (Oleanolsäure-Glykoside): Entzündungshemmende und antimykotische Eigenschaften.
- Flavonoide (Isorhamnetin, Quercetin): Antioxidativ, zellschützend.
- Carotinoide (Lutein, Zeaxanthin): Hautpflegend, geben den Blüten ihre Farbe.
- Ätherisches Öl: In kleinen Mengen, antimikrobielle Eigenschaften.
Anwendung und Produktformen
Calendula ist in vielen Produktformen erhältlich: als Salbe (Calendula-Creme/-Salbe), Tinktur, Ölauszug (Mazerat in Olivenöl), Tee für Schleimhautspülungen und als Badeextrakt. In der Babypflege ist Calendula-Salbe bei Windelsoor und gereizter Haut weit verbreitet. Für eine Calendula-Salbe wird die EU-Monographie des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der EMA als Referenz anerkannt: traditionelle Anwendung bei kleinen Wunden, Schürfwunden, leichten Sonnenbränden und Hautreizungen.
Sicherheit und Hinweise
Calendula-Produkte sind gut verträglich und für alle Altersgruppen geeignet. Bei bekannter Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) wie Kamille, Arnika oder Chrysanthemen besteht ein erhöhtes Risiko für Kreuzreaktionen – Vorsicht und vorherige Allergietestung. Für die innerliche Anwendung fehlen ausreichend Studien; in der Schwangerschaft sollte Calendula oral nicht eingenommen werden (traditionell als uterusstimulierend beschrieben). Topisch gilt sie als unbedenklich.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Calendula und der «normalen Ringelblume»?
Calendula officinalis ist die Ringelblume, die als Heilkraut gilt. «Ringelblume» wird im Deutschen manchmal auch für Tagetes-Arten verwendet – diese sind botanisch verschieden und werden nicht medizinisch genutzt. Immer den botanischen Namen auf Produkten prüfen.
Kann ich Calendula in der Schwangerschaft nutzen?
Äusserlich gelten Calendula-Cremes und -Salben als unbedenklich. Die orale Einnahme (Tee, Tinktur) sollte in der Schwangerschaft gemieden werden, da Calendula traditionell als menstruationsfördernd gilt.
Wie mache ich einen Calendula-Ölauszug selbst?
Getrocknete Calendula-Blüten in ein Glas geben, mit Olivenöl oder einem anderen Pflanzenöl bedecken, 4–6 Wochen an einem hellen, warmen Ort ziehen lassen, abseihen. Das so gewonnene Mazerat kann für selbst gemachte Salben genutzt werden.
Hilft Calendula bei Neurodermitis?
Einige kleinere Studien zeigen eine beruhigende Wirkung auf gereizte Haut. Als traditionelles Heilmittel ist Calendula bei leichten Hautreizungen anerkannt; bei Neurodermitis sollte jedoch ein Arzt oder Dermatologe einbezogen werden.
Wie lange kann ich Calendula-Produkte aufbewahren?
Fertigprodukte nach Herstellerangabe; selbst gemachte Ölauszüge halten kühl und dunkel gelagert rund 12 Monate.
Fazit
Calendula officinalis ist eine gut verträgliche, EU-weit anerkannte Heilpflanze für die topische Haut- und Schleimhautpflege. Ihre entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Eigenschaften sind traditionell belegt und in der HMPC-Monographie verankert. Bei Korbblütler-Allergien ist Vorsicht geboten; ansonsten gilt sie als sehr sicher – auch für Babys und empfindliche Haut.
Quellen
- EMA/HMPC – Community herbal monograph on Calendula officinalis L., flos (2008, aktualisiert).
- Leach MJ: Calendula officinalis and wound healing. In: Wounds, 2008.
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.) – Monographie Calendulae flos.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
