Aktien kaufen ist in der Schweiz in wenigen Minuten erledigt, sobald ein Depot bereitsteht. Der eigentliche Aufwand liegt davor: Kosten, Steuern und Risiken verstehen, bevor das erste Geld fliesst. Dieser Leitfaden führt vom Depot bis zur Abrechnung, nennt die Abgaben, die 2026 tatsächlich anfallen, und zeigt typische Stolpersteine. Er ersetzt keine persönliche Anlageberatung.
Was eine Aktie ist und was sie nicht garantiert
Eine Aktie ist ein Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens. Wer sie hält, besitzt einen kleinen Teil der Firma. Dazu gehören Stimmrechte an der Generalversammlung und der Anspruch auf eine allfällige Dividende.
Allfällig heisst: Die Ausschüttung wird jedes Jahr neu beschlossen und kann sinken oder ausfallen. Auch der Kurs schwankt täglich. Anders als auf dem Sparkonto gibt es keine Zusage für das eingesetzte Kapital, bei einer Insolvenz kann es ganz verloren gehen. Darum gehört nur Geld ins Depot, das mehrere Jahre entbehrlich ist, also weder die Reserve für die nächste Steuerrechnung noch die Anzahlung für die Wohnung noch der Notgroschen, auf den man im Ernstfall rasch zugreifen können muss.
So läuft der Aktienkauf Schritt für Schritt
Zuerst fällt die Wahl des Anbieters. Die Hausbank berät persönlich und verlangt dafür häufig mehr. Online-Broker richten sich an Anleger, die selbst entscheiden, und sind meist günstiger. Neobroker mit App sind noch schlanker, bieten aber oft weniger Börsenplätze und weniger Service. Verglichen werden sollten Courtage, Depotgebühr, Fremdwährungsaufschlag und der Ort der Verwahrung, in der Schweiz oder im Ausland.
Danach folgen fünf Schritte:
- Depot eröffnen. Der Anbieter prüft die Identität. Er fragt nach Erfahrung und Zielen. Das Finanzdienstleistungsgesetz verpflichtet ihn zu bestimmten Informationen.
- Geld einzahlen. Bis die Gutschrift im Depot sichtbar ist, vergeht je nach Bank etwas Zeit.
- Titel auswählen. Die ISIN oder die Valorennummer identifiziert ein Wertpapier eindeutig und verhindert Verwechslungen.
- Börsenplatz wählen und Auftrag erteilen. Die SIX Swiss Exchange ist der Heimmarkt, viele Titel lassen sich auch an ausländischen Börsen handeln. Eine Market-Order wird sofort zum aktuellen Kurs ausgeführt. Eine Limit-Order gilt nur bis zum festgelegten Preis und bis zu einem bestimmten Datum.
- Abrechnung kontrollieren. Kurs, Courtage und Abgaben müssen zur Bestätigung passen.
Welche Kosten und Steuern anfallen
Die Courtage wird pro Auftrag fällig, oft mit einer Mindestgebühr. Die Depotgebühr läuft laufend mit, bei Titeln in Dollar oder Euro auch der Wechselkursaufschlag. Dazu kommt die Umsatzabgabe, im Alltag Stempelabgabe genannt. Laut Eidgenössischer Steuerverwaltung (ESTV, Stand 2026) beträgt sie 1,5 Promille auf inländischen und 3 Promille auf ausländischen Wertpapieren. Sie fällt nur an, wenn ein inländischer Effektenhändler beteiligt ist, und wird bei einer Vermittlung je Vertragspartei zur Hälfte erhoben. Für Käufer ergibt das rechnerisch 0,075 Prozent bei Schweizer und 0,15 Prozent bei ausländischen Titeln.
Bei den Steuern gibt es mehrere Punkte. Dividenden gelten als steuerbares Einkommen. Auf Dividenden Schweizer Gesellschaften wird zudem 35 Prozent Verrechnungssteuer abgezogen. Zurück gibt es sie, wenn Titel und Erträge im Wertschriftenverzeichnis stehen, der Antrag läuft über die Steuererklärung und muss innert drei Jahren nach Ablauf des Fälligkeitsjahres erfolgen (ESTV). Hinweise zum Ausfüllen liefern die Tipps zur Steuererklärung.
Kursgewinne aus dem Privatvermögen bleiben in der Regel steuerfrei. Das ändert sich, wenn die Behörde gewerbsmässigen Wertschriftenhandel annimmt. Haltedauer, Umsatz und Fremdfinanzierung spielen dabei eine Rolle, die Kriterien nennt das Kreisschreiben Nr. 36 der ESTV (2012). Der Depotwert zählt ausserdem zum Vermögen, das die Kantone besteuern.

Streuung, Klumpenrisiko und kleine Beträge
Wenige Einzeltitel bergen ein Klumpenrisiko, das sich im Alltag erst bei fallenden Kursen bemerkbar macht, wenn mehrere Positionen gleichzeitig nachgeben. Der Swiss Market Index (SMI) umfasst die 20 grössten Titel des Schweizer Marktes und deckt rund 75 Prozent der Gesamtkapitalisierung ab (Angaben der SIX). Die Gewichte einzelner Titel sind auf 18 Prozent begrenzt. Trotzdem prägen Schwergewichte wie Nestlé, Novartis und Roche den Index. Wer breiter über Branchen und Länder streuen will, startet oft mit einem ETF-Sparplan.
Bei kleinen Beträgen kommt es auf die Gebührenstruktur an. Mit 100 Franken lässt sich technisch eine Aktie kaufen, wenn ihr Kurs darunter liegt. Angenommen, ein Anbieter verlangt mindestens zehn Franken: Dann gingen schon zehn Prozent des Betrags an Gebühren. Bruchteile oder Sparpläne bieten nur manche Anbieter.
Zu den häufigen Anfängerfehlern zählen der Einsatz des gesamten Betrags in einen einzigen Titel, Entscheide nach Forentipps und der Verkauf aus Panik nach einem Kursrückgang. Auch das Fremdwährungsrisiko wird oft übersehen.
Der richtige Zeitpunkt
Den perfekten Tag kennt niemand. Kursbewegungen lassen sich kaum verlässlich vorhersagen, und wer auf den idealen Einstieg wartet, bleibt womöglich lange draussen. Die Frage, wann man am besten Aktien kaufen sollte, hängt deshalb weniger vom Datum ab als vom Anlagehorizont. Wer das Geld frühestens in zehn Jahren braucht, hält Schwankungen anders aus als jemand, der in zwei Jahren eine Anzahlung plant.
Ein gestaffelter Einstieg verteilt den Kauf auf mehrere Tranchen, etwa vier über ein Jahr. So entfällt der Druck, den einen richtigen Moment zu treffen. Das braucht Geduld. Höhere Erträge verspricht das nicht. Es senkt lediglich die Gefahr, die ganze Summe kurz vor einem Rückgang zu investieren. Jeder Teilkauf kostet allerdings Courtage, was bei kleinen Tranchen ins Gewicht fällt.
Häufige Fragen
Wie kauft man Aktien als Anfänger?
Am Anfang steht ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Danach wird Geld eingezahlt, ein Titel über ISIN oder Valorennummer gesucht und ein Auftrag erteilt. Anfänger fahren mit einer Limit-Order meist sicherer, weil sie den Höchstpreis selbst festlegen. Die Abrechnung sollte jedes Mal geprüft werden.
Kann ich mit 100 Franken Aktien kaufen?
Ja, sofern der Kurs einer Aktie unter diesem Betrag liegt. Mindestgebühren schmälern kleine Orders allerdings spürbar. Manche Anbieter erlauben Bruchteile oder Sparpläne, die Bedingungen unterscheiden sich stark. Ein Blick ins Preisverzeichnis zeigt, ob sich der Kauf lohnt.
Ist es aktuell sinnvoll, Aktien zu kaufen?
Das lässt sich ohne Prognose nicht beantworten, und Prognosen gibt dieser Text bewusst nicht ab. Entscheidend sind Anlagehorizont, Risikofähigkeit und der Anteil am Gesamtvermögen. Wer Kursverluste nicht verkraftet oder das Geld bald braucht, sollte eher verzichten. Bei Unsicherheit hilft eine unabhängige Beratung.
Welche Kosten fallen beim Aktienkauf an?
Üblich sind Courtage, Depotgebühr und ein Aufschlag beim Währungswechsel. Dazu kommt die Umsatzabgabe, sobald ein inländischer Effektenhändler beteiligt ist. Auf Dividenden Schweizer Firmen wird die Verrechnungssteuer abgezogen, rückforderbar über die Steuererklärung. Die Höhe der Gebühren legt jeder Anbieter selbst fest.
Fazit
Aktien kaufen verlangt weniger Technik als Disziplin. Kosten vergleichen, nur entbehrliches Geld einsetzen, auf mehrere Titel oder einen breiten Fonds verteilen und Limit-Orders nutzen: Das senkt die häufigsten Fehlerquellen. Wer unsicher ist, lässt Steuerfragen und die Anlagestrategie von einer unabhängigen Fachperson prüfen.

