Sobald die Temperaturen steigen, verbringen viele Menschen in der Schweiz jede freie Minute draussen, und genau dann wird Zeckenschutz zum Thema. Zeckenschutz meint alle Massnahmen, mit denen sich Wandernde, Gärtnerinnen und Läufer vor Zeckenstichen und der dadurch übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) schützen, von passender Kleidung über Körperkontrollen bis zur Impfung. Zwischen Juli und September ist die Zeckenaktivität in tieferen Lagen besonders hoch, weil warme, feuchte Witterung den Tieren ideale Bedingungen bietet.
Zeckenschutz umfasst lange Kleidung, Körperkontrollen nach jedem Aufenthalt im Grünen und die FSME-Impfung, die das Bundesamt für Gesundheit für 25 der 26 Kantone empfiehlt. Bei Fieber oder einer sich ausbreitenden Hautrötung nach einem Stich sollte zeitnah eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Grundlagen: Was FSME und Zeckenstiche für den Körper bedeuten
Zecken lauern nicht nur im tiefen Wald, sondern auch in hohem Gras, Hecken und selbst gepflegten Gärten, wo sie auf vorbeistreifende Wirte warten. Über ihren Stich können sie zwei unterschiedliche Erreger übertragen: Bakterien, die eine Borreliose auslösen, und Viren, die für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verantwortlich sind. Während sich Borreliose meist gut mit Antibiotika behandeln lässt, gibt es gegen die virale FSME keine gezielte Therapie, weshalb die Vorbeugung besonders wichtig ist. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) stuft mittlerweile 25 der 26 Kantone als FSME-Risikogebiet ein, einzig der Kanton Tessin gilt bislang als Ausnahme. Mildere Winter und längere Vegetationsperioden haben das Verbreitungsgebiet der Zecken in den vergangenen Jahren spürbar erweitert, entsprechend ist die Liste der Risikokantone gewachsen.
Zeckenschutz in der Praxis: Kleidung, Kontrolle und Impfung
Der wirksamste Zeckenschutz beginnt schon vor dem eigentlichen Ausflug. Lange Hosen, geschlossene Schuhe und helle Kleidung erleichtern es, ein Tier frühzeitig zu entdecken, bevor es sich festsetzt. Nach jedem Aufenthalt im Grünen lohnt sich eine gründliche Körperkontrolle, insbesondere an Kniekehlen, Achseln, Kopfhaut und Leisten, da Zecken warme, geschützte Hautstellen bevorzugen. Findet sich doch ein Tier, sollte es mit einer feinen Pinzette möglichst nah an der Haut gefasst und gerade herausgezogen werden, ohne den Hinterleib zu quetschen. Ergänzend dazu empfehlen das BAG und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) die FSME-Impfung für alle Personen ab drei Jahren, die sich in der Schweiz Zecken aussetzen. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Dosen und bietet danach für mindestens fünf Jahre einen Schutz von über 98 Prozent. Seit 2026 übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Impfkosten in Risikogebieten zudem ohne Anrechnung an die Franchise, lediglich der Selbstbehalt von 10 Prozent bleibt bestehen. Auch Läuferinnen und Läufer, die regelmässig durch Waldwege oder hohes Gras trainieren, sollten diese Schutzmassnahmen fest in ihre Routine einbauen, denn ein Zeckenstich lässt sich beim Sport ebenso leicht übersehen wie beim Gartenjäten.
Vertiefung: Zeckenrisiko im eigenen Garten und beim Wandern
Viele unterschätzen, dass ein Zeckenstich nicht zwingend eine grosse Wanderung voraussetzt. Schon eine halbe Stunde im eigenen Garten kann genügen, besonders wenn Randbereiche mit hohem Gras oder Laubhaufen an den Rasen grenzen. Wer die Vielfalt im eigenen Garten während des Sommers geniesst, tut deshalb gut daran, Wege regelmässig zu mähen und Laub sowie Reisig zeitnah zu entfernen, um Zecken weniger Rückzugsorte zu bieten. Beim Wandern helfen befestigte, breite Wege zusätzlich, weil Zecken vor allem von tief hängenden Sträuchern und Gräsern am Wegrand abgestreift werden. Auch Hunde und Katzen bringen Zecken gerne mit nach Hause, weshalb sich ein Fellcheck nach jedem Spaziergang lohnt. Familien mit Kindern sollten besonders auf die Kopfhaut achten, da Kinder aufgrund ihrer Grösse häufiger im Gesichts- und Nackenbereich gestochen werden als Erwachsene.
FAQ
Wie hoch ist das FSME-Risiko in der Schweiz wirklich?
Das Bundesamt für Gesundheit stuft 25 von 26 Kantonen als Risikogebiet ein, wobei die höchsten Fallzahlen typischerweise aus den Kantonen Zürich, Bern, Aargau und der Ostschweiz gemeldet werden.
Wer sollte sich gegen FSME impfen lassen?
Empfohlen wird die Impfung allen Personen ab drei Jahren, die sich in der Schweiz regelmässig in Wald, Wiesen oder Gärten aufhalten, unabhängig vom Wohnkanton.
Wie entfernt man eine Zecke richtig?
Mit einer feinen Pinzette möglichst nah an der Haut fassen und die Zecke gerade, ohne Drehen oder Quetschen, herausziehen. Danach die Stichstelle desinfizieren und beobachten.
Schützt lange Kleidung wirklich vor Zeckenstichen?
Ja, lange Hosen, geschlossene Schuhe und helle Farben erschweren es Zecken, sich festzusetzen, und erleichtern es, sie vor einem Stich zu entdecken.
Fazit
Wer im Sommer regelmässig im Garten oder auf dem Wanderweg unterwegs ist, sollte Zeckenschutz als festen Programmpunkt einplanen: lange Kleidung, die Körperkontrolle nach jedem Ausflug und, je nach persönlicher Risikoabwägung, die Impfung, deren Kosten die Grundversicherung seit 2026 in Risikogebieten übernimmt. Ähnlich wie Elektrolytmangel oder eine Sonnenallergie gehört der Zeckenstich zu jenen Sommerrisiken, die sich mit wenig Aufwand früh erkennen oder ganz vermeiden lassen. Bei Fieber, Kopfschmerzen oder einer sich ausbreitenden Rötung rund um die Einstichstelle gilt: nicht abwarten, sondern zeitnah die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen.

