Eisenkraut (Verbena officinalis) ist ein heimisches Kraut aus der Familie der Eisenkrautgewächse, das seit der Antike in der europäischen Volksmedizin verwendet wird. Die Standardmedizin bewertet die meisten traditionellen Anwendungen als nicht ausreichend klinisch belegt. Zugelassene Arzneimittelmonographien existieren vor allem für Kombinationspräparate bei Atemwegserkrankungen.
| Wissenschaftlicher Name | Verbena officinalis L. |
|---|---|
| Pflanzenfamilie | Verbenaceae (Eisenkrautgewächse) |
| Herkunft | Europa, Nordafrika, Westasien |
| Wirkstoffe | Iridoidglykoside (Verbenalin, Hastatosid), Flavonoide, Verbascosid |
| Blütezeit | Juni bis Oktober |
| Verwendete Pflanzenteile | oberirdische Teile (Blätter, Blüten) |
Eisenkraut ist in Europa weit verbreitet und wächst an Wegrändern, auf Brachland und in Gärten. Es gehört zu den Heilpflanzen mit sehr langer Tradition: In der Antike galt es als heilig und wurde für rituelle Reinigungen verwendet. Hippokrates soll es gegen Fieber empfohlen haben, die Römer nutzten es als Altarschmuck und Reinigungspflanze. Diese kulturgeschichtliche Bedeutung erklärt die Vielzahl der historischen Volksnamen – vom „Heiligen Kraut» bis zum „Kraut der Liebe».
Wirkstoffe und Forschungsstand
Die Hauptwirkstoffe sind Iridoidglykoside, insbesondere Verbenalin und Hastatosid, denen in Tierversuchen beruhigende und krampflösende Eigenschaften zugeschrieben werden. Verbascosid wirkt in Laborstudien antimikrobiell. Flavonoide wie Aucubin und Oleanolsäure wurden in Laborstudien untersucht.
Der entscheidende Vorbehalt: Die meisten Daten stammen aus In-vitro-Experimenten (Zellkultur) und Tierversuchen. Klinische Studien am Menschen sind rar und häufig methodisch schwach. Eine Übertragung von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen ist wissenschaftlich nicht gesichert. Die EFSA hat keine gesundheitsbezogenen Aussagen für Eisenkraut-Monoextrakte zugelassen.
Kombinationspräparate (Sinupret)
Eisenkraut ist ein Bestandteil des in Deutschland und der Schweiz zugelassenen Kombinationsarzneimittels Sinupret (zusammen mit Enzianwurzel, Holunderblüten, Sauerampfer und Schlüsselblume). Für dieses Kombinationspräparat liegen klinische Studien zur Anwendung bei Sinusitis vor. Die Wirkung ist dem Gesamtpräparat zugeschrieben, nicht Eisenkraut allein.
Sicherheitshinweise
Die FDA stuft Eisenkraut in Lebensmittelmengen als GRAS (Generally Recognized As Safe) ein. In pflanzlichen Kombinationspräparaten wurde das Mittel insgesamt gut vertragen; mögliche unerwünschte Wirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden und Kontaktallergien. Schwangere sollten Eisenkraut meiden, da es in Tierversuchen uterusstimulierend wirkte und Fehlgeburten ausgelöst hat.
Häufige Fragen
Wogegen wird Eisenkraut traditionell verwendet?
Traditionell bei Erkältungen, Nervosität, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen und Atemwegserkrankungen. Diese Anwendungen sind volksmedizinisch überliefert, aber klinisch nicht ausreichend belegt.
Gibt es zugelassene Eisenkraut-Arzneimittel?
Ja – als Bestandteil von Kombinationspräparaten wie Sinupret, das bei Sinusitis zugelassen ist. Als Mono-Extrakt gibt es keine EU-zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen.
Kann ich Eisenkraut als Tee trinken?
Getrocknete Eisenkraut-Teemischungen sind erhältlich und in Lebensmittelmengen als sicher eingestuft. Bei Schwangerschaft, Stillzeit oder Dauereinnahme höherer Mengen sollte man ärztlichen Rat einholen.
Ist Eisenkraut für Schwangere geeignet?
Nein. Aufgrund möglicher uterusstimulierender Wirkung sollten Schwangere Eisenkrautpräparate meiden.
Wie unterscheidet sich Eisenkraut von Zitronenverbene?
Zitronenverbene (Aloysia citrodora) ist eine andere, zitronig duftende Verbena-Art ohne die gleichen Iridoidglykoside. Sie wird hauptsächlich kulinarisch und als Aromakraut verwendet.
Fazit
Eisenkraut hat eine reiche volksmedizinische Geschichte, die von der Antike bis heute reicht. Die wissenschaftliche Datenlage zu Monoextrakten ist jedoch dünn; klinisch belegte Anwendungen bestehen vor allem im Rahmen von Kombinationspräparaten bei Atemwegserkrankungen. Als Tee in üblichen Mengen gilt es als sicher, wobei Schwangere und Personen mit Allergien Vorsicht walten lassen sollten.
Quellen
- ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy, 2003): Verbenae herba – Eisenkraut. ESCOP Monographien.
- Brendler T. et al. (Hrsg.): Herb: A Guide to the Use of Herbs in Clinical Practice – Verbena officinalis.
- FDA GRAS Database: Verbena officinalis, Generally Recognized As Safe.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gdp.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
