Wenn im August die Schulglocken wieder läuten, beginnt für Jugendliche in der neunten Klasse zugleich die intensivste Phase der Lehrstellensuche. Lehrstellensuche bezeichnet den gesamten Prozess von der Berufswahl über Schnupperlehren bis zum unterschriebenen Lehrvertrag, mit dem junge Menschen in der Schweiz eine berufliche Grundbildung antreten. Wer jetzt, im Spätsommer und frühen Herbst, noch keine Bewerbung verschickt hat, gerät leicht unter Druck, denn viele Betriebe besetzen ihre Lehrstellen für den Sommer 2027 schon jetzt.
Wer in der Schweiz eine Lehrstelle sucht, beginnt idealerweise ein bis anderthalb Jahre vor dem gewünschten Lehrbeginn: zuerst Schnupperlehren im Sommer, danach Bewerbungen im Herbst des vorletzten Schuljahrs. Laut Nahtstellenbarometer 2026 sind bereits 68 Prozent der rund 74’000 Schweizer Lehrstellen vergeben – frühes Handeln zahlt sich aus.
Grundlagen der Berufsbildung in der Schweiz
Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, in denen die berufliche Grundbildung der mit Abstand meistgewählte Weg nach der obligatorischen Schule bleibt. Laut dem Nahtstellenbarometer 2026 des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ziehen 63 Prozent der Jugendlichen eine Berufslehre in Betracht, deutlich mehr als weiterführende Schulen. Eine Lehre dauert je nach Beruf zwei bis vier Jahre und endet mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder, bei praktischer ausgerichteten Berufen, einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA). Anders als in vielen Nachbarländern arbeiten Lernende von Anfang an im Betrieb mit und besuchen die Berufsschule meist nur ein bis zwei Tage pro Woche. Theorie und Praxis laufen so von Beginn an parallel, und junge Menschen verdienen bereits während der Ausbildung ihr erstes eigenes Geld.
Lehrstellensuche Schritt für Schritt: Vom Schnuppertag zur Zusage
Der praktische Ablauf folgt in den meisten Kantonen einem ähnlichen Muster. Zuerst steht die Schnupperlehre an: ein bis fünf Tage im Wunschbetrieb, oft in den Sommerferien organisiert, damit Jugendliche und Betriebe sich vor der eigentlichen Bewerbung kennenlernen. Wer einen guten Eindruck hinterlässt, hat spürbar bessere Chancen, denn viele Betriebe rekrutieren bevorzugt aus dem eigenen Schnupperpool. Danach folgt die eigentliche Bewerbung mit Lebenslauf, Motivationsschreiben und aktuellen Zeugnissen, meist digital per E-Mail oder über ein Bewerbungsportal. Schweizer Unternehmen bieten laut Nahtstellenbarometer 2026 hochgerechnet rund 74’000 Lehrstellen an, von denen zum Befragungszeitpunkt im Frühjahr bereits 68 Prozent vergeben waren – wer bis Ende Sommer noch nichts in der Tasche hat, sollte den eigenen Bewerbungsprozess deshalb beschleunigen statt abzuwarten. Nach einer positiven Rückmeldung folgt in der Regel ein Vorstellungsgespräch, bei dem Betriebe weniger perfekte Fachkenntnisse als vielmehr Motivation, Pünktlichkeit und Interesse am Beruf prüfen. Wer parallel mehrere Bewerbungen laufen lässt, sollte sich zwischendurch auch einen aufgeräumten Lernplatz einrichten, etwa mit dem richtigen Schreibtisch fürs Lernen zuhause, denn die Vorbereitung auf Gespräche und spätere Berufsschultage beginnt oft schon am heimischen Pult.
Praxistipps: Anschlusslösung sichern und Alternativen prüfen
Nicht jede Bewerbung führt sofort zum Erfolg – das gehört zum Prozess dazu. Gemäss Nahtstellenbarometer 2026 verfügen 57 Prozent der Jugendlichen bereits über eine gesicherte Anschlusslösung für die Zeit nach den Sommerferien, während der Rest noch offen ist oder auf Zwischenlösungen wie ein zehntes Schuljahr, ein Brückenangebot oder ein Praktikum setzt. Wichtig ist, sich auch bei mehreren Absagen nicht entmutigen zu lassen und den Suchradius bewusst zu erweitern, etwa auf Nachbarkantone oder weniger bekannte Berufsbilder mit offenen Stellen. Sobald ein Lehrvertrag unterschriftsreif ist, lohnt sich ein genauer Blick auf Lohn, Ferienregelung und Probezeit, bevor man unterschreibt. Wer schon vor der eigentlichen Lehre einmal einen Ferienjob hatte, kennt das Gefühl des ersten eigenen Lohns bereits und geht entspannter in dieses Gespräch. Mit dem ersten eigenen Lehrlingslohn beginnt für viele auch der erste Kontakt mit eigenem Geld, ein guter Moment, um sich frühzeitig mit einfachen Budgetregeln zu beschäftigen und nicht in die Schuldenfalle zu geraten. Wer diese Grundlagen schon während der Lehre verinnerlicht, startet finanziell gesehen deutlich entspannter ins Berufsleben.
FAQ
Wann sollte man mit der Lehrstellensuche beginnen?
Die meisten Jugendlichen starten rund ein bis anderthalb Jahre vor dem gewünschten Lehrbeginn, also im vorletzten Schuljahr. Schnupperlehren finden oft schon in den Sommerferien statt, Bewerbungen folgen im Herbst.
Wie viele Schnupperlehren sind sinnvoll?
Zwei bis drei Schnupperlehren in unterschiedlichen Berufen helfen, die eigene Berufswahl abzusichern, bevor die eigentlichen Bewerbungen verschickt werden.
Was passiert, wenn man bis zum Sommer keine Lehrstelle findet?
Brückenangebote, ein freiwilliges zehntes Schuljahr oder ein Praktikum überbrücken die Zeit sinnvoll und verbessern häufig die Ausgangslage für die nächste Bewerbungsrunde.
Worauf achten Betriebe bei Bewerbungen besonders?
Neben den Schulnoten zählen Motivation, Pünktlichkeit und der Eindruck aus der Schnupperlehre oft mehr als ein perfekter Lebenslauf.
Fazit
Wer noch keine Bewerbung verschickt hat, sollte den Rückstand in den kommenden Tagen aufholen: Ein Blick auf die kantonalen Lehrstellennachweise oder auf offene Stellen bei Berufsverbänden zeigt oft mehr freie Plätze, als die eigene Klasse vermuten lässt. Die Zahlen des Nahtstellenbarometers belegen zwar einen stabilen Lehrstellenmarkt, ersetzen aber nicht die persönliche Vorbereitung auf Schnuppertag und Bewerbungsgespräch. Themen wie flexible Arbeitszeitmodelle, etwa die vieldiskutierte Vier-Tage-Woche, betreffen Lernende zwar erst später im Berufsleben, zeigen aber schon jetzt, in welche Richtung sich der Schweizer Arbeitsmarkt weiterentwickelt. Jugendliche, die bei den ersten Absagen den Suchradius erweitern und auch weniger bekannte Berufsbilder prüfen, finden erfahrungsgemäss innerhalb weniger Wochen einen passenden Platz.

