Zwischen 2012 und 2016 war Aleppo eine geteilte Stadt: Der Westen blieb unter Kontrolle der syrischen Regierung, der Osten war in der Hand von Aufständischen. 2016 schloss sich der Belagerungsring um den Osten, in dem nach Schätzungen der Vereinten Nationen 250 000 bis 300 000 Menschen eingeschlossen waren. Es fehlte an Medikamenten, ärztlicher Versorgung, sauberem Wasser und Nahrung. Im Dezember 2016 kapitulierten die Aufständischen und wurden nach Idlib evakuiert.
Wie die Stadt geteilt wurde
Im Juli 2012 griffen Aufständische Aleppo an, Syriens grösste Stadt und bis dahin sein wirtschaftliches Zentrum. Innerhalb weniger Wochen entstand eine Frontlinie mitten durch die Stadt, die vier Jahre lang fast unverändert blieb. Der Westen blieb bei der Regierung, der Osten bei einem wechselnden Bündnis aufständischer Gruppen.
Diese Teilung erklärt, warum von Aleppo so unterschiedliche Bilder existieren: Auf der einen Seite lief der Alltag notdürftig weiter, auf der anderen Seite zerfielen ganze Quartiere unter Fassbomben und Artilleriebeschuss.
Der Belagerungsring von 2016
Im Sommer 2016 schlossen die syrische Armee und verbündete Milizen mit russischer Luftunterstützung den Ring um Ost-Aleppo. Iranische Kräfte und die libanesische Hisbollah stellten einen erheblichen Teil der Bodentruppen.
Damit war der letzte Nachschubweg gekappt. Der UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien bezeichnete Ost-Aleppo als eine gigantische Todeszone. Spitäler wurden wiederholt getroffen, die verbliebenen Ärzte operierten in Kellern, und Hilfslieferungen erreichten den Osten über Monate praktisch nicht.
Woran es konkret fehlte
Trinkwasser wurde zum Engpass, weil die Pumpwerke ohne Strom stillstanden. Brennstoff war Ende 2016 kaum noch zu bekommen, Mehl und Grundnahrungsmittel wurden rationiert. Chirurgisches Material und Blutkonserven waren aufgebraucht, während die Zahl der Verwundeten stieg.
Die Evakuierung im Dezember 2016
Mitte Dezember 2016 gaben die Aufständischen auf. Unter einer ausgehandelten Vereinbarung verliessen die letzten Kämpfer zusammen mit ihren Angehörigen die Stadt in Bussen Richtung Idlib. Die Regierung erklärte Aleppo für zurückerobert. Für die syrische Führung war das der wichtigste militärische Erfolg des gesamten Krieges.
Der zweite Fall Aleppos 2024
Acht Jahre lang blieb die Lage weitgehend eingefroren. Am 27. November 2024 begann ein Bündnis unter Führung von Hayat Tahrir al-Sham eine Offensive aus dem Nordwesten. Am 30. November 2024 fiel Aleppo innerhalb eines Tages, weil die Regierungstruppen kaum Widerstand leisteten. Hama folgte am 5. Dezember.
Am 8. Dezember 2024 brach die Regierung Bashar al-Assads zusammen; Assad floh nach Russland und erhielt dort Asyl. Aleppo war damit der Ausgangspunkt eines Umsturzes, den zuvor kaum jemand für möglich gehalten hatte.
Häufige Fragen
Wie lange dauerte die Belagerung von Ost-Aleppo?
Wie viele Menschen waren eingeschlossen?
Wem gehört Aleppo heute?
Quellen
- Wikipedia: Schlacht um Aleppo (Verlauf 2012 bis 2016). ↑
- Amnesty International: Syrien: Schlacht um Aleppo — Zivilpersonen zahlen den Preis.
- Wikipedia: Fall of the Assad regime (Offensive ab 27. November 2024).
